Alzheimer

Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz: «Mein Lebensinhalt war, meine Frau zu betreuen»

Hans-Rudolf Merz pflegte seine an Alzheimer erkrankte Frau sechs Jahre lang bis zu ihrem Tod.

Hans-Rudolf Merz pflegte seine an Alzheimer erkrankte Frau sechs Jahre lang bis zu ihrem Tod.

Sechs Jahre ist es her seit seinem Bündnerfleisch-Lachanfall und seinem Rücktritt als FDP-Bundesrat. Danach wurde es ruhig um Hans-Rudolf Merz. Privat gab es nicht viel zu lachen – der 73-Jährige erzählt von seiner schwierigsten Zeit, der Pflege und dem Tod seiner Frau.

Nach seinem Rücktritt als Finanzminister im Jahr 2010 ist Hans-Rudolf Merz regelrecht aus der Öffentlichkeit verschwunden. Anders als andere alt Bundesräte äusserte sich der FDP-Politiker nicht mehr zu Politik oder anderen aktuellen Themen. Auch vom Privatmensch Merz gab er nichts preis.

Nun hat der heute 73-Jährige sein Schweigen gebrochen. Im Interview mit der «NZZ» spricht er erstmals von seinem Leben nach der Politik und erzählt, warum er quasi abgetaucht war.

Die letzten sechs Jahre

«Sie hatte oberste Priorität.» Merz spricht von seiner im März 2016 verstorbenen Frau Roswitha. Noch im Jahr seines Rücktritts erkrankte sie an Alzheimer. «In den letzten sechs Jahren war es mein Lebensinhalt, meine Frau zu betreuen, später zu pflegen und am Schluss dann im Heim zu begleiten.»

Es sei physisch und seelisch äusserst kräftezehrend gewesen. «Alzheimer ist eine brutale Krankheit, auch für die Angehörigen.» Man müsse erleben, wie man eine Person mehr und mehr verliere. 

Rückblickend ist der 73-Jährige aber froh, seiner Frau in dieser Zeit so nahe gewesen zu sein: «Trotz allem Schlimmen hatten meine Frau und ich zwischendurch auch schöne und humorvolle Momente.» Hans-Rudolf Merz war 53 Jahre mit der deutschen Künstlerin verheiratet.

Wer am Herzinfarkt Schuld war

Als politischen Tiefpunkt seiner siebenjährigen Amtszeit als Bundesrat bezeichnet Merz heute die Libyen-Affäre. Einen körperlichen Tiefpunkt erreichte er allerdings 2008 mit einem Herzinfarkt. Merz glaubt auch die Ursache zu kennen: «In meinen Augen kam der Herzstillstand von einer momentanen Überlastung wegen der UBS-Rettung.»

Am Tag seines Herzstillstandes habe er erfahren, dass der Bund im schlimmsten Fall für 60 Milliarden Franken Garantien aufbringen musste. «60 Milliarden! Dreimal so viel, wie wir Schulden abgebaut hatten!» Klar sei man darauf vorbereitet gewesen, Hilfe leisten zu müssen, mit dieser immensen Summe hatte aber niemand gerechnet. «Das hat mich schlicht umgehauen.» (edi)

Aus der Kategorie «Unvergessen»:

Umgehauen hatte es den ehemaligen Finanzminister in seiner letzten Session 2010. Die Antwort eines Zollbeamten auf eine Anfrage zu importiertem Gewürzfleisch war derart bürokratisch, dass Hans-Rudolf Merz sich kaum halten kann und Tränen lacht.

Bü-hü-hündnerfleisch!

Bü-hü-hündnerfleisch!

Mit seinem Anfall schaffte es Merz zum Youtube-Star und selbst ausländische Medien wie Spiegel Online griffen seine Lachattacke auf. 

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