Fall Mörgeli
Aeppli forderte fristlose Entlassung Mörgelis - damit ging sie zu weit

Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli steht zunehmend im schiefen Licht in der Mörgeli-Affäre: Der noch unveröffentlichte Bericht der Aufsichtskommission kommt zum Schluss, dass die SP-Regierungsrätin ihre Kompetenzen überschritten hat

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Züricher Regierungsrätin Regine Aeppli

Züricher Regierungsrätin Regine Aeppli

Keystone

Die Kommission Aufsicht Bildung und Gesundheit (ABG) des Zürcher Kantonsrats wirft Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) vor, in der Affäre Mörgeli ihre Kompetenzen überschritten zu haben. In einem Bericht kommt die ABG zum Schluss, dass Aeppli die Universitätsleitung aufgefordert habe, den damaligen Kurator des Medizinhistorischen Museums zu entlassen.

Eine Subkommission der ABG untersuchte die Vorgänge rund um das Medizinhistorische Institut, die letztlich zur Entlassung von Christoph Mörgeli und Iris Ritzmann sowie zum vorzeitigen Rücktritt des damaligen Rektors Andreas Fischer führten. Die Subkommission tat dies im Wissen um die noch hängigen straf- und personalrechtlichen Verfahren.

"Aufgrund der Tragweite der Ereignisse" schien es der AGB angezeigt, "weitergehende aufsichtsrechtliche Abklärungen" zu treffen, wie aus dem Bericht hervorgeht. So befragte die Subkommission in den vergangenen sechs Monaten insgesamt 17 Personen und führte 17 Sitzungen durch.

Am Dienstag wollte die ABG an einer Medienkonferenz über die Untersuchungsergebnisse informieren. Die "SonntagsZeitung" hat jedoch vorgängig aus dem als geheim eingestuften Bericht zitiert und diesen auch gleich ins Internet gestellt.

Damit hat die Zeitung die ABG in Bedrängnis gebracht. Diese entschied noch am Sonntag, die Medienkonferenz auf den morgigen Montagnachmittag vorzuverlegen, wie Kommissionspräsident Jörg Kündig (FDP) auf Anfrage der sda sagte.

"Zur Kündigung aufgefordert"

In ihrem 21-seitigen Bericht verweist die Kommission auf ein Gespräch vom 17. September 2012. Teilgenommen hatten neben Regine Aeppli der damalige Unirektor Andreas Fischer, die zuständige Personalverantwortliche sowie Sebastian Brändli, Chef des Hochschulamtes und Aktuar des Universitätsrates.

Fischer und die Personalverantwortliche sagten laut Bericht übereinstimmend aus, dass die Bildungsdirektorin und Präsidentin des Universitätsrates in dieser Besprechung ziemlich aufgebracht gewesen sei und den Rektor zur Kündigung von Prof. Mörgeli aufgefordert habe.

Dabei sei auch das Wort "fristlos" gefallen. Diese Aussagen bestätigt habe auch der Leiter des Uni-Rechtsdienstes, dem Rektor Fischer anschliessend die Ergebnisse des Gesprächs geschildert hatte.

Christoph Mörgeli Ex-Chef des Medizinhistorischen Museums (Archiv)

Christoph Mörgeli Ex-Chef des Medizinhistorischen Museums (Archiv)

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Die Kommission sieht keinen Anlass, an den Aussagen der drei Universitätsangehörigen zu zweifeln. So sei davon auszugehen, dass diese die Aussagen von Aeppli "als Anordnung einer Kündigung" interpretieren mussten. Damit habe die Präsidentin des Universitätsrates ihre Kompetenzen überschritten.

Demgegenüber sagte Regierungsrätin Aeppli gemäss Kommissionsbericht, sie habe den Rektor "sicherlich nie zu einer Kündigung aufgefordert". Zudem wies sie in einer Stellungnahme zuhanden der der ABG den Vorwurf der Kompetenzüberschreitung zurück.

"Kollektives Führungsversagen"

Ausgelöst wurde die Affäre Mörgeli im Spätsommer 2012 durch Artikel im "Tages-Anzeiger", in dem aus einem damals noch nicht freigegebenen Akademischen Bericht zitiert wurde. Es ging dabei um eine schlechte Beurteilung von Mörgelis Tätigkeit als Leiter des Museums. Die Angelegenheit zog rasch weitere Kreise.

Die "Affäre Mörgeli" zieht weite Kreise (Symbolbild)

Die "Affäre Mörgeli" zieht weite Kreise (Symbolbild)

Keystone

Die anhaltenden Kontroversen rund um das Medizinhistorische Institut hätten dem Ansehen der Universität "erheblich geschadet", schreibt die ABG in ihrem Bericht. Die Hauptverantwortung dafür tragen nach Ansicht der Kommission die Führungsorgane der Universität.

Dem Rektor, dem zuständigen Prorektor und dem Dekan der Medizinischen Fakultät wird im Bericht "kollektives Führungsversagen" vorgeworfen. Kritik übt die Kommission aber auch am Universitätsrat, der für die strategische Leitung der Hochschule zuständig ist.