Kommentar

Adoptivkinder aus Sri Lanka: Jetzt ist der Staat in der Pflicht

Die Schweiz muss ein dunkles Kapitel aufarbeiten: Die frühere Adoptionspraxis und Vermittlung von Kindern aus Sri Lanka.

Die Schweiz muss ein dunkles Kapitel aufarbeiten: Die frühere Adoptionspraxis und Vermittlung von Kindern aus Sri Lanka.

Hunderte sri-lankische Babys sind zwischen 1973 und 1997 als Adoptivkinder in die Schweiz gekommen. Immer deutlicher zeigt sich, dass es der Schweizer Staat in vielen Fällen verpasst hat, diese verletzlichsten aller Wesen zu schützen. Die Instanzen haben auf allen Ebenen versagt.

Sie haben weggeschaut, wenn sie hätten hinschauen sollen – und sich so zu Helfern der Kinderhändler gemacht. Und sie haben Gesetze nicht umgesetzt, die dazu da waren, Adoptionen mit der Sorgfalt durchzuführen, die es bei einem solch sensiblen Thema braucht.

Das Ergebnis: Ein Skandal, an dessen Ursprung ein falscher Antrieb stand. Es ging darum, für Eltern Kinder zu finden – und nicht umgekehrt. Das Wohl der Kinder war zweitrangig. Natürlich heisst das nicht, dass sie nicht zu guten, liebevollen Eltern kamen.

Versagt haben die Behörden, weil sie vernachlässigten, welchen Schaden es anrichtet, wenn jemand seine Wurzeln nicht kennt – und wegen falscher Dokumente keine Möglichkeit hat, das zu ändern.

Was kann man jetzt, nach all den Jahren, noch tun? Zuerst einmal: das Geschehene aufarbeiten, in allen Kantonen – und nicht nur mit Blick auf Sri Lanka, sondern auf alle Länder, aus denen in jener Zeit Adoptivkinder hierher kamen.

Da kommt einiges zu auf die Behörden, und es geht noch weiter: Wer Hilfe bei der Suche nach seinen leiblichen Eltern braucht, soll diese bekommen. Das ist die Schweiz den Betroffenen schuldig.

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