«Schatzsuche»
16 Taucher waren am Wochenende im Hallwilersee – was sie statt eines Kaimans gefunden haben

Schweizer Gewässer gleichen unter Wasser stellenweise einer Müllhalde. Flaschen, Gartenstühle, sogar Skis und Tonnen von Plastikmüll liegen am Grund von Seen und Flüssen. Freiwillige, zum Beispiel des Vereins Abfalltaucher Schweiz, holen den Müll an die Oberfläche. Pro Einsatz sammeln die Taucher zwischen 500 Kilogramm und sieben Tonnen Müll.

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Am vergangenen Samstag führten 16 Taucher im Wasser und 12 Helfer an Land einen «Cleanup» am Hallwilersee bei Mosen LU durch. Während rund drei Stunden sammelten die Freiwilligen insgesamt 600 Kilogramm Abfall.

«Es liegt noch viel mehr da unten», sagte Vereinspräsident Matthias Ardizzon, «jedoch war die Sichtweite unter Wasser eine Katastrophe.» Wegen Plankton und anderen Schwebstoffen im Wasser betrug die Sichtweite zum Teil weniger als einen Meter.

Besonders schlimm sei die Müllbelastung im Zürcher Seebecken. Bis zu sieben Tonnen Abfall werden dort pro Einsatz durch die Taucher aus dem Wasser gefischt. Bei drei Einsätzen pro Jahr an dieser Stelle entspricht das einer Abfallmenge von 21 Tonnen.

Unter den «Fundstücken» in Zürich seien auffällig viele teure Gegenstände wie Smartphones, E-Trottinette, Markenvelos, Motorräder und Portemonnaies. Matthias Ardizzon hat ausgerechnet, dass der geborgene Müll bei ihrem letzten Einsatz einen Wert von rund 60'000 Franken hatte. «Jeder Mülltauchgang ist auch ein wenig eine Schatzsuche» sagt Ardizzon. «Man weiss nie, was man finden wird. Das macht für viele Taucher auch den Reiz aus, mitzuhelfen.»

115 Tonnen Plastik pro Jahr in Gewässern

Der Swiss Litter Report untersuchte 2018 den Zustand der Abfallverschmutzung an den Ufern der Schweizer Gewässer. Er kam zum Ergebnis, dass in Sommermonaten durchschnittlich auf jedem Quadratmeter Ufer ein Stück Müll liegt. In Schweizer Gewässern landen jährlich 115 Tonnen Plastikmüll, so eine im Juli 2019 erschienene Untersuchung der Empa im Auftrag des Bundes.

Erst langsam wachse das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Umweltschutz nicht an der Wasseroberfläche aufhört, sagen Umweltschützer, Fischer und Taucher seit längerem. Die Mitglieder des Vereins Abfalltaucher Schweiz wissen, dass ihre Arbeit nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Jedoch, so sagen sie optimistisch, «steter Tropfen höhlt den Stein. Nichts zu unternehmen, sei auch keine Lösung.»

Die Schweizer Abfalltaucher existieren seit rund zehn Jahren. Die Taucher und Helfer arbeiten ohne Entlohnung. Auch die teure Tauchausrüstung stellen die Freiwilligen selbst. Der Verein finanziert sich über Mitgliederbeiträge und Spenden.

Die Entsorgung des Mülls bezahlen die «Verursacher», was in der Praxis bedeutet, dass oft die Seeanrainergemeinden, Hafenbetreiber oder Betreiber von Strandbädern für die Kosten aufkommen. Die Taucher sind bis zu zweimal pro Monat an verschiedenen Gewässern der Schweiz im Einsatz.

Keine Spur vom Kaiman

Den ominösen Kaiman aus dem Hallwilersee haben die Abfalltaucher übrigens nicht gesichtet. Mitte Juli hat ein Fischer die Polizei alarmiert, bei Beinwil am See ein exotisches Tier gesehen haben will. Etwa anderthalb Meter gross sei das Reptil gewesen, das plötzlich an der Wasseroberfläche erschienen und nach einer Jung-Ente geschnappt habe.

Die Suche nach dem Exoten blieb bisher erfolglos, allerdings meldete am Sonntag die «SonntagsZeitung», dass ein Fischer, der anonym bleiben möchte, wenige Tage nach der ersten Meldung über den Kaiman einen Wels aus dem Hallwilersee gezogen hat. (SDA/CHM)

Der Kaiman im Hallwilersee:

Am Sonntagabend, 14. Juli 2019, hat ein Fischer einen Kaiman im Hallwilersee beobachtet. Ein Bild des Reptils existiert nicht. (Symbolbild)
22 Bilder
An der Grenze zwischen Mosen und Beinwil am See will der Fischer den Kaiman beobachtet haben, wie er nach einer jungen Ente geschnappt hat.
Das Reptil ist gemäss den glaubhaften Schilderungen des Fischers zirka 1,5 Meter gross. (Symbolbild)
Am 11. Juli 2019 meldet die «SonntagsZeitung», ein Fischer habe wenige Tage nach der Kaiman-Sichtung einen Wels aus dem Hallwilersee gezogen.
Der Fischer hat im Wels – halb im Rachen, halb im Magen – einen Haubentaucher gefunden – ein Tier, das man mit einer jungen Ente verwechseln kann. (Archiv)
Ein Beitrag von «TeleM1» zeigt, wie ein Wels Jagd auf Vögel macht. Der Wels ist der grösste Raubfisch in der Schweiz und kommt im Hallwilersee häufig vor.
Beizer am Hallwilersee machten sich den Hype um den Kaiman zunutze: Am Strandbad Seerose wurden Krokodilburger serviert.
Auch die Leserreaktionen blieben nicht aus: Auf Facebook kursierten schon nach kurzer Zeit lustige Bildcollagen und Kommentare...
Hauptsache, regionale Produkte.
Der Kaiman erfrischt sich im Sommerloch.
«Erlebnis Hallwilersee!»
«Mein Mann dachte, als ich es ihm erzählte, ein Porsche Cayman sei im Hallwilersee gelandet.»
Geld machen mit Crocodile Watching – gute Idee!
Die Cayman Islands liegen jetzt im Aargau, Seengen ist vorübergehend von der Landkarte verschwunden.
Nach dem Kaiman ist nun er die neue Sensation am Hallwilersee!
Beinwil am See hat schon sein Wappen angepasst.
Aufgepasst!
Diesen Baby-Kaiman entdeckte im August 2016 eine Medizinstudentin auf einer Strasse in Rümlang.
Sie übergab ihn der Polizei. Tierpfleger kümmerten sich um das Tier und nannten es "Julius".
Ein Mann hatte Julius ohne Bewilligung gehalten. Polizei und Veterinäramt konnten ihn ausfindig machen. Julius erhielt später ein neues Zuhause.
Kaimane werden oft mit Krokodilen verwechselt. Sie sind aber kleiner und weniger gefährlich. Dies hier ist ein Kaiman. (Symbolbild)
Ein Alligator: Der Kaiman gehört zur Unterfamilie der Alligatoren, innerhalb der Krokodile.

Am Sonntagabend, 14. Juli 2019, hat ein Fischer einen Kaiman im Hallwilersee beobachtet. Ein Bild des Reptils existiert nicht. (Symbolbild)

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