Madiswil
Zuhörer mit lebendiger Musik berührt

Was Marco Nussbaumer, der Dirigent des 19. Oberaargauischen Blasmusik-Camps, im Vorwort zur 19. Auflage schreibt, realisierten er und der Leiter des Jugendmusik-Camps, Bernhard Steiger, in hervorragender Weise. Das Publikum in der vollbesetzten Linksmähderhalle Madiswil sparte am Samstagabend nicht mit frenetischem Applaus.

Drucken
Teilen
Konzert

Konzert

az Langenthaler Tagblatt

Walter Gfeller

Vielversprechend begann die Jugendmusik-Formation mit «Marchissimo» von Philipp Sparke. Der versierte Blasmusik-Komponist gab sein Thema zuerst den Flöten, sanft und zart sowie dem diskret begleitenden Schlagzeug. Es folgten das Bassregister, die Klarinetten und Euphonia (Tenortuben) auf ebenso «leisen Sohlen», so dass der Grund zu einem durchsichtigen, gepflegten Klang gelegt war. Mit den folgenden Variationen, lebendig aufgebaut durch originelle Tonartwechsel, steigerte sich das Marschmotiv zum imposanten Tutti des ganzen Blasorchesters: eine erste Talentprobe nach nur einwöchiger Probenarbeit war damit gegeben.

Von heiter bis melancholisch

«Le Château des Amoureux» von Kees Vlak entführte in ein romantisches Märchen-Frankreich, mit einem Jagdmotiv für Verliebte: langsam und in Moll, das von einem Menuett mit Fanfaren und hüpfenden Euphonium-Stimmen abgelöst wurde. Folklore war auch in den «Dublin Dances» von Jan Van der Roost angesagt, die nach einem melodiösen Mittelteil mit den «Wöschwybern» für Heiterkeit sorgten. Die musikalische Reise führte auch in die USA. In «An All American Suite» präsentiert Robert Mac Ray zuerst eine witzige Version zum Spiritual «Go tell it on the Mountain». Der prägende Blues-Rhythmus schien dabei den Jungmusikantinnen und -musikanten auf den Leib geschrieben zu sein. Beschwingt und durchsichtig registriert erklangen «The Fidler of the Rain», einer Melodie um 1850, sowie das rassige Sechsachtelstück zum Abschluss.

Die Brücke zur Blasmusik-Formation bildete der Marsch der Wagenreiter aus «Ben Hur» mit Trompeten und Posaune, sowie der Konzertmarsch «Arsenal» von Jan Van der Roost. Die Camp-Formation trat nach der Pause unter Marco Nussbaumer mit dem «chlepfigen» Marsch «Jubilus!» auf die Bühne.

Zum ersten Mal die Schweiz in Tönen

Die musikalische Reise, die von der temperamentvollen Moderatorin und Fagottistin Esther Staub stets kurz und informativ vorgestellt wurde, führte nun ins Herz der Schweiz, zu «San Gottardo», komponiert von Marco Nussbaumer und als Urauführung in Madiswil vorgestellt. In den Ohren der Zuhörerschaft nahm die urwüchsige Bergwelt sogleich Gestalt an: Die Holzbläser simulierten Bergbäche und Wolkenzüge als Klangteppich, auf dem die Blechbläser fanfarenartige Alphornmelodien setzten. Der Tunnelbau im 19. Jahrhundert erlebte mit den dröhnenden Bohrmaschinen und den kreischenden Sägen eine packende akustische Schilderung. Die Fahrt mit der Dampfbahn, das Sirren der Räder, die Kondukteurpfeifen und das Stampfen der Lokomotive wurde in einen passenden Sechsachteltakt eingepackt. «San Gottardo» ist ein Werk von hoher musikalischer Qualität, das vom Camp-Blasorchester meisterhaft interpretiert wurde.

Virtuoser Jung-Posaunist

Im «Morceau Symphonique» von Alexandre Guilmant betrat der erst 18-jährige Posaunist Adrian Reinmann mit seinem Instrument das Konzertpodium. Der spätromantische Tonsatz mit einer melodiösen Einleitung beabsichtigt, die Posaune als singendes Instrument vorzustellen, mit vollem, warmem Klang. Es klang aber noch etwas hart und steif. Erst im virtuosen Teil konnte der Solist, der in der Musikgesellschaft Bleienbach sowie in der Oberaargauer Brassband B spielt, seine Stärken in einer tadellosen Wiedergabe zeigen - und der grosse Applaus war wohlverdient.

Die Gruppe der folgenden, beschwingt-heiteren Stücke schloss die Parodie «Yodelling Song» von William Walton ab.