Todesurteil

Zoo in Kopenhagen verteidigt Tötung von kerngesunder Giraffe Marius

Nach dem empörten Aufschrei über die Tötung der kerngesunden Giraffe Marius im Kopenhagener Zoo gehen die Befürworter der Aktion in die Offensive. Viele Dänen rechtfertigten den tödlichen Bolzenschuss wegen Inzuchtgefahr und warfen den Kritikern Heuchelei vor.

Die kerngesunde Giraffe Marius musste sterben, weil der Kopenhager Zoo nicht genügend Platz hatte, weshalb man Marius mit einem Blozenschuss tötete und den Löwen

Der Journalist Kristian Madsen von der Zeitung "Politiken" etwa stellte auf Twitter die ironische Frage: "Was glauben die eigentlich, was Löwen an einem Tag ohne solch einen Leckerbissen wie Marius fressen? Rosenkohl?"

Das eineinhalb Jahre alte Giraffenkalb war am Sonntagmorgen getötet worden, weil der Zoo nach eigenen Angaben keine Alternative dazu sah. Mitarbeiter des Zoos erhielten daraufhin sogar Morddrohungen.

Der Tierpark gehört zur Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA), für die ein strenges Zuchtprogramm für Giraffen gilt, das nur Paarungen zwischen nicht miteinander verwandten Giraffen erlaubt.

Keine Aufnahme in 300 Zoos

Damit soll die genetische Vielfalt der Population erhalten bleiben. Marius fand den Angaben zufolge in keinem der rund 300 EAZA-Zoos Aufnahme, weil dortige Giraffen ähnliches Genmaterial aufwiesen.

Dass tausende Dänen eine Online-Petition für Marius' Rettung unterzeichneten und sich ein Milliardär gar bereit erklärte, dass Tier zu kaufen und in seinem Privatpark zu beherbergen, stiess in sozialen Online-Medien vor allem auf Unverständnis.

"Wie können sich die Menschen so über eine Giraffe ereifern, obwohl es Krebskrankheiten, den Krieg in Syrien und die (zuwanderungsfeindliche) Dänische Volkspartei nach wie vor gibt?", fragte die Projektkoordinatorin Dorte Dejbjerg Arens auf Twitter. Andere Beobachter stiessen ins gleiche Horn.

Spott über "Disneyfizierung"

Peter Sanddoe, Professor für Bioethik an der Universität Kopenhagen, spottete über die "Disneyfizierung" niedlich wirkender Tiere in Zoos. Diese würden "als eine Art Bürger betrachtet, die auf Augenhöhe mit ihren menschlichen Genossen behandelt werden sollten".

Dänemark sei aber eine traditionelle Agrarnation und die Tierschutzbewegung längst nicht so stark ausgeprägt wie in Grossbritannien oder den USA - weshalb die anfängliche Empörung nun eben ins Gegenteil umgeschlagen und die Befürworter der Tötung in der Mehrzahl seien.

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