Es passiert immer wieder und überall: Nach einem Unfall behindern Gaffer den Verkehr zusätzlich. Und gefährden damit sich und andere.

Nach einem tödlichen Unfall auf der Autobahn bei Nürnberg am Mittwochvormittag kam es «auf der Gegenfahrbahn wegen etlicher Schaulustiger zu einem kilometerlangen Stau», wie unter anderem der Bayrische Rundfunk berichtet.

«Kommen Sie, ich zeigen Ihnen etwas»

Die Polizei entschied sich zur Schocktherapie. «Kommen Sie, ich zeige Ihnen etwas» – mit diesen Worten lockte ein Polizist zum Beispiel den ausländischen Fahrer eines Kleinlasters auf Englisch aus seinem Führerstand. 

«Wollen Sie die Leiche sehen, Fotos machen?», fragte er dann. Er führte den Mann in Richtung der Stelle, wo der Verunglückte abgedeckt lag. «Gehen Sie hin, schauen Sie ihn sich an.» Das war dem Fahrer zu viel. In gebrochenem Englisch wehrte er ab.

Der Polizist fuhr unbeirrt weiter: «Gut, dann müssen Sie jetzt 128.50 Euro bezahlen, weil Sie Fotos von der Unfallstelle gemacht haben. Schämen Sie sich!» So erging es weiteren Gaffern.

«Bittere Realität»

«Die Leute fahren an uns vorbei, die Kamera in beiden Händen haltend, um die Unfallstelle zu filmen», schilderte der Polizist die Situation. «Wir haben jetzt, soweit uns das personell möglich war, etwa zehn Anhaltungen gemacht.» Davon hätten acht keinen Wohnsitz in Deutschland und die Busse gleich vor Ort bezahlen müssen.

«Erstaunlich», nennt der Polizeibeamte die Szenen, die sich rund um die Unfallstelle abgespielt haben. «Erschreckend, mit wie wenig Empfinden die Leute mit dieser Lage umgehen.»

Fotografieren wollte die Leiche niemand. «Daran merkt man, dass den Leuten bewusst wird, dass das hier ein sehr tragisches Ereignis ist, bittere Realität.» Eine Busse hätte nicht denselben «Lerneffekt». (smo)