Pater Leo Müller
«Wir müssen eine Nische suchen»

Pater Leo Müller verlässt nach 10 Jahren das Limmattal und arbeitet künftig für seinen Orden Ende Juli gibt Pater Leo Müller in Dietikon und Schlieren sein Amt als Pfarrer ab. Morgen wird er vom Kirchenchor und der Pfarrgemeinde in der Kirche St. Josef feierlich verabschiedet – nach Schlieren die zweite von drei Feiern.

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Leo Müller

Leo Müller

Limmattaler Zeitung

Sidonia Küpfer

«Ich freue mich darauf, mich wieder mehr der Philosophie, der Geschichte und auch der Theologie widmen zu können», sagt Leo Müller im Hinblick auf die Zeit nach seinem Abschied. Es sei zwar schon möglich, dass ihm die Intensität seiner jetzigen Aufgabe manchmal fehlen werde, dafür werde er aber auch wieder mehr Ruhe haben und den freien Abend geniessen können.

Der 67-jährige Müller gehört der Gemeinschaft der Marianisten an. In Zukunft wird er wieder innerhalb des Ordens eine Funktion übernehmen: die des Regionaloberen. Diese Funktion hatte er bereits von 1992 bis 2000 inne. «Das Ordensleben macht gewaltige Veränderungen durch», so Müller, «wir sind momentan auf der Suche nach einer Nische, die wir als Orden ausfüllen können.» Die Situation sei vergleichbar mit früheren Übergangsphasen, etwa, als die Ordensbrüder und -schwestern in der Schule durch weltliche Lehrer abgelöst wurden.

Nachwuchssorgen sind gross

Aktuell zählen die Marianisten in der Schweiz noch 16 Mitglieder. Die Nachwuchssorgen sind gross und werden künftig auch Leo Müller beschäftigen. «Ich bin nicht sicher, ob wir in der Schweiz überleben werden», sagt Müller. In den USA, in Afrika und auch in Indien sei der Orden am stärksten vertreten.

Nachwuchssorgen plagen aber nicht nur seinen Orden, sondern vielmehr auch die beiden Landeskirchen: «Wir haben die Generation der 20- bis 60-Jährigen praktisch verloren», bilanziert Müller. Ihn treibt die Frage um, wie man den Glauben weitergeben kann. Für dieses Ziel ist er auch bereit, neue Wege zu beschreiten, beispielsweise vermehrt multimedial zu agieren und die Gläubigen über ganz unterschiedliche Kanäle anzusprechen. «Wir können keine Komm-her-Kirche mehr machen», erklärt Müller, «wir müssen aktiv auf die Menschen zugehen.»

Spiritualität für viele ein Thema

Denn dass die Menschen nach wie vor ein Bedürfnis nach Spiritualität haben, zeige der Zulauf, den Freikirchen, aber auch Sekten hätten: «Ich möchte den Glauben an die emotionale Intelligenz anknüpfen und so eine Verbindung schaffen.» Für Pater Leo Müller ist unbestritten, dass dabei den Laien eine wichtige Aufgabe zukommt, denn ohne den Einsatz von Freiwilligen wären kirchliche Anlässe gar nicht durchführbar.

Seit Ende 1999 wirkt Pater Leo Müller im Limmattal, zuerst bei der katholischen Kirchgemeinde Schlieren, dann in beiden Kirchgemeinden von Dietikon und Schlieren. 2003 half er mit, den Seelsorgeraum Schlieren-Dietikon aufzubauen. Bevor Müller sich nun wieder vermehrt andern Fragen des kirchlichen Lebens zuwenden kann, stehen für ihn noch die konkreten Herausforderungen des Alltags als Seelsorger auf dem Programm: Dazu gehören Hochzeiten, aber auch Beerdigungen, sowie beratende Gespräche.

«Gerade im Bereich der Sterbebegleitungen habe ich viele eindrückliche Erfahrungen gemacht», blickt er zurück. Überhaupt seien es vor allem Fragen rund um Leben und Sterben, welche den Gemeindemitgliedern unter den Nägeln brennen. Daneben diskutiere er in der Seelsorge oft über die Frage nach dem richtigen Leben anhand der Schrift, über Glück und über Ethik.

Seelsorgeraum mit Zukunft

Der Seelsorgeraum soll genau dies ermöglichen: mehr Zeit für die Seelsorge, weniger für die Erledigung administrativer Aufgaben. Allerdings ging mit der Zusammenlegung der Seelsorgegebiete eine höhere Zahl von Personen pro Seelsorger einher. Nach rund sechs Jahren Seelsorgeraum hat sich das Projekt offenbar etabliert.

Die Zeichen für sein Fortbestehen stehen laut Leo Müller gut: «Es hat mich gefreut, dass sowohl der Bischof als auch der Generalvikar, aber auch die Kirchenpflegen und die Seelsorger selbst den Seelsorgeraum weiterführen wollen», sagt Müller zufrieden. Und er verrät auch, dass die Chancen gut stünden, dass die Kirchgemeinden im September über einen Nachfolger für ihn abstimmen können. Den Namen möchte er aber noch nicht verraten, das sei Sache des Bischofs und der Kirchenpflegen.

Abschiedsgottesdienste

Dietikon 5. Juli, 10.30 Uhr,
St. Josef; 12. Juli, 10 Uhr,
St. Agatha

Pater Leo Müller wird nach seiner Aufgabe in Dietikon-Schlieren erst einmal nach Sion übersiedeln und dort in einem Haus seines Ordens wohnen. Wie die Zukunft der Marianisten aussieht und wo er längerfristig wohnen wird, ist noch nicht restlos geklärt. Aber es scheint, dass Leo Müller diese Offenheit durchaus zu schätzen weiss.

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