«Wir müssen als Team treffen»

Jetzt steht es fest: In stiller Wahl wird Gerhart Isler neuer Gemeindeammann in Bergdietikon. Was sich mit Beginn der neuen Amtszeit ändern soll und was nicht, sagt der Vertreter des Bürger-Forums im Interview.

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Limmattaler Zeitung

Daniel Winter

Zur Person

Gerhart Isler (59) tritt sein Amt als Gemeindeammann Anfang 2010 an. Er schaffte als Kandidat des Bürger-Forums bei den Gesamterneuerungswahlen vom 27. September den Einzug in den Gemeinderat und löst an der Spitze der Behörde den bisherigen Gemeindeammann Paul Meier (FDP) ab, der die Wiederwahl in die Exekutive verpasste.

Isler wohnt seit 1992 in Bergdietikon. Der studierte Wirtschaftswissenschafter war unter anderem Verleger der «Finanz und Wirtschaft». Heute ist er Mitglied mehrerer Verwaltungsräte. (liz)

Herr Isler, ab 2010 stellt nicht mehr eine der alt eingesessenen Ortsparteien den Gemeindeammann, sondern das vergleichsweise junge Bürger-Forum Bergdietikon (BFB). Was ändert sich damit in Bergdietikon?
Gerhart Isler: Das Rad muss nicht neu erfunden werden - auch in Bergdietikon nicht. Also wird sich nichts Grundsätzliches ändern; das macht ja auch keinen Sinn. Das Bürger-Forum ist keine kantonale oder gar nationale Partei, sondern konzentriert sich nur auf Bergdietikon und seine Bürger. So werden wir versuchen, das zu ändern, was in den letzten Jahren viele Bürger hier offensichtlich gestört hat, sonst wäre dieses Wahlresultat ja nicht zustande gekommen.

Das heisst?
Isler: Wir wollen die Kommunikation mit den und zu den Bürgern verbessern; mehr Transparenz schaffen; attraktivere Gemeindeversammlungen anbieten, an denen die Bürger gerne teilnehmen; den Service und die Erreichbarkeit der Verwaltung für die Bürger verbessern. Sicher steht auch eine strikte Kostenkontrolle weit oben auf der Arbeitsliste, damit unsere Gemeinde letztlich noch attraktiver wird, als sie es jetzt ist. Um dies zu erreichen, braucht es in einem demokratischen System bekanntlich Mehrheiten, im Gemeinderat wie auch in der Bevölkerung. Damit wir unsere Ideen durchbringen, bedarf es in nächster Zeit deshalb viel Überzeugungsarbeit und somit vieler Gespräche.

Wie werden Sie die Rolle des Gemeindeammanns gegen aussen interpretieren?
Isler: Wie die Kollegin und die Kollegen des Gemeinderats soll auch der Gemeindeammann in erster Linie für die Anliegen der Bevölkerung da sein. Ich will auf die Menschen zugehen und ihnen zeigen, dass sie alle als wichtige Teile dieser Gemeinde ernst genommen werden, dass sie aber auch als Individuen zur Entwicklung dieser Gemeinde beitragen können und müssen. Vielleicht gelingt es mir sogar, den ganz wenigen Feiglingen, die anonyme Briefe schreiben und Wahlplakate nachts beschädigen, zu zeigen, dass sie ihre Meinung offen sagen dürfen und auch sollen, denn nur dann praktizieren wir Demokratie. Und ich will mich mit aller Kraft für mehr Standortmarketing Bergdietikons einsetzen und meine Beziehungen in weite Wirtschaftskreise ausnützen.

Und wie wollen Sie gegen innen, im Gemeinderat und in der Gemeindeverwaltung, wirken?
Isler: Zuerst einmal will ich mit den Mitarbeitern reden, ihnen zuhören und wissen, wer was zu sagen hat; Ideen aufnehmen, denn die an der Front wissen am besten, wenn und wo etwas falsch läuft. Mir ist aufgefallen, dass sich viele nicht mehr gewohnt sind, laut zu sagen, was sie denken - das muss anders werden. Als Unternehmer weiss ich, dass uns nur eine gute Kritikfähigkeit und Offenheit weit bringen. Das gilt es, im Gemeinderat umzusetzen. Und schliesslich will ich effizient arbeiten und nicht mit zu vielen Sitzungen den Leuten letztlich die Freude an der Arbeit nehmen. Man kann dank den modernen Kommunikationsmitteln sehr effizient und zeitsparend arbeiten.

Das BFB war als «regierungs- und verwaltungskritische» Gruppierung gestartet. Jetzt ist es in den Behörden selbst, ja an der Spitze der Gemeinde «angekommen». Was wird nun aus der Organisation? Hat sie ihre Aufgabe erfüllt?
Isler: Das BFB hat seine Aufgabe überhaupt noch nicht erfüllt - im Gegenteil: Jetzt gilt es das umzusetzen, wofür wir in den letzten Jahren eingestanden sind. An der Organisation des BFB muss sich deshalb nichts ändern. Wir wollen ja eben nicht eine Partei sein mit offiziellen Strukturen, die vieles erschweren und Prozesse verlangsamen.Das passt offensichtlich vielen Bürgern hier, haben wir unter unseren Mitgliedern doch auch Leute, die einer der grossen Parteien angehören. Es ist doch wie im Fussball: Eine Mannschaft muss Tore schiessen - wer sie schiesst, ist egal. Und so ist es auch in Bergdietikon: Ob SVP, FDP oder BFB gut herauskommt, ist unwichtig - wichtig ist, dass wir alle zusammen als Mannschaft letztlich die Tore schiessen. Das heisst, einen guten Job machen. Und wenn ich als Captain dieser Mannschaft als Vorbild und «Antreiber» einen Beitrag leisten kann, freut mich das.

Sie müssen im Gemeinderat und als Gemeindeammann «aus dem Stand» beginnen oder, wie der SVP-Präsident sagt, «bei null». Könnte das ein Problem werden? Wie bereiten Sie sich vor?
Isler: «Bei null» beginnen hat den grossen Vorteil, dass man unbelastet und ohne jegliche Verfilzung mit neuem Elan an die Arbeit geht. Darum gibt es in gut organisierten Gremien Amtszeitbeschränkungen. Das sollten wir uns für Bergdietikon auch mal überlegen. «Bei null» beginnen heisst auch, dass man völlig vorurteilslos an die Arbeit geht. Das ist im Falle der Kommunalpolitik besonders wichtig, da der Kontakt zu den Bürgern sehr eng und direkt ist. Vorbereitung für den Job heisst, die Dossiers, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Mitarbeiter kennen lernen und auf die vorhandenen Erfahrungen eingehen.

Werden Sie als Gemeindeammann auch das Ressort Finanzen übernehmen?
Isler: Ich nehme an, dass die Ressorts nach Absprache mit den Ratskollegen verteilt werden. Dass mir als langjährigem Verleger der grössten Finanzzeitung des Landes die Finanzen nahe liegen, ist logisch. Aber egal, ob ich diesem Ressort vorstehen werde oder nicht: Die Zielsetzung bleibt die bereits oft genannte Kostenkontrolle - da müssen wir als Team einen guten Job machen, denn jedes Ressort trägt zum Gesamtresultat bei. Sehr wichtig wird in naher Zukunft auch das Ressort Planung sein, stehen doch etliche wichtige, grosse Geschäfte an.

Wie viel Zeit werden Sie für das neue Amt als Gemeinderat und Gemeindeammann einsetzen?
Isler: So viel Zeit, wie es braucht, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Ich bin überzeugt, dass wir Zeit sparen respektive diese für weit Sinnvolleres als zu viele und zu lange Sitzungen einsetzen können, wenn wir uns gut organisieren und die modernen Kommunikationsmöglichkeiten ausschöpfen. Es muss immer Zeit vorhanden sein, um für unsere Mitarbeiter und für unsere Kunden, die Bevölkerung von Bergdietikon, da zu sein.

Wo würden Sie sich selber im traditionellen Parteienschema einordnen: Eher bei der SVP oder bei der FDP oder bei einer anderen Partei?
Isler: Die althergebrachten Schemata von «links» oder «rechts» sind vorbei. Das sieht man zum Glück immer häufiger in der Weltpolitik. Das muss hierzulande besser werden, damit unproduktive Grabenkämpfe reduziert werden. Das «traditionelle Parteienschema» stirbt langsam. Warum sonst haben wir gerade auf kommunaler Ebene immer mehr parteilose Quereinsteiger? In bestimmten Fragen bin ich ein Grüner, denn wir müssen unserer Umwelt ganz einfach mehr Sorge tragen. Und es gibt Belange, da kommen aus dem SP-Lager gute Vorschläge. Kurz: Für mich muss der gesunde Menschenverstand im Vordergrund stehen, nicht stures Parteidenken. Für uns hier gibt es doch letztlich ein Ziel: Wir sollen mit Stolz sagen können «Ich bi vo Bergdietike!»