Botta-Bau

Wie gross darf der Badener Botta-Bau sein?

Über 200 Interessierte kamen in den Claquekeller, um über die Belebung des Bäderquartiers durch die Verenahof AG mit dem Botta-Projekt zu diskutieren.

Wie gross darf der Botta-Bau sein?

Über 200 Interessierte kamen in den Claquekeller, um über die Belebung des Bäderquartiers durch die Verenahof AG mit dem Botta-Projekt zu diskutieren.

Vieles ist noch offen, doch einiges wurde am Podium um die Bäder-Zukunft geklärt. Im Zentrum der Diskussion standen Verkehr, Parkplätze, Städtebau und das Botta-Projekt.

Roman Huber

Das Thema brennt unter den Nägeln: Über 200 Interessierte kamen in den Claquekeller. Die Ausgangslage ist spannender als je zuvor: Eine 30-jährige Durststrecke mit einigen Planungsleichen liegt zurück, die Belebung des Bäderquartiers durch die Verenahof AG mit dem Botta-Projekt als grossem Wurf ist in Griffweite.

Defizit an Informationen

Wer glaubt an dieses Projekt?, fragte Stadtwanderer Benedikt Loderer in der Rolle als Moderator. Ein klares Ja kam von Stadtammann Stephan Attiger. Er schilderte den Werdegang des Projekts, bei dem mit der Vorstudie von Max Dudler (2005) die öffentlichen Interessen eingeflossen seien. «Alles bestens aufgegleist?» (Loderer) Jürg Caflisch, Vorstandsmitglied des VCS, widersprach: «Es besteht ein Defizit an Informationen.»

Der SP-Einwohnerrat und Grossrat nahm die 500 Parkplätze ins Visier: «Man hat ein Projekt um ein Parkhaus herum gestaltet.» In Rheinfelden würden 320 für 540 000 Jahresgäste genügen; bei knapp 500 000 in Baden seien 500 Parkplätze zu viel, das Projekt folglich zu gross.

«Warum den Verkehr direkt ans Ziel führen?», fragt Christoph Lüber, Architekt und Mitglied der Botta-kritischen Plattform IG Schöner Baden. Mit Parkhaus Posttäli, einem Parkhaus Oederlin, Bus und Bahnhof brauche es kein weiteres. Er plädierte für ein verkehrsfreies Bäderquartier.

Das sei so vorgesehen, stellte Benno Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Verenahof AG, in Aussicht. «Ein Quartierparkhaus gibt es», präzisierte er, das 70 oberirdische Parkplätze ersetzen werde, 40 sind für den Wohnanteil, 40 für die Rehaklinik, rund 60 für Arbeitsplätze – und nur 280 für Badegäste (heute: 200) geplant.

Die Gäste können mit dem Shuttle kommen, es werde Kombi-Billette geben, so Zehnder. Die Spitze des Bäderverkehrs liege ausserhalb der Hauptverkehrszeiten, so Attiger.

Es brauche diese Grösse

Ist der Stadtrat erpressbar? – wollte Loderer provozieren. Attiger verneinte und verwies auf die Kommissionen, die sich mit dem Vorhaben eingehend beschäftigt haben. Das Resultat überzeuge nicht, es fehlten städtebauliche Überlegungen, keine Einpassung ins Quartier, lautete der Vorwurf von Lüber.

Der Entwicklungsrichtplan sei im stillen Kämmerlein auf die Bedürfnisse des Grundeigentümers umgekrempelt worden, doppelt Caflisch nach.

Zehnder wies auf die strengen Auflagen hin, die ihm gemacht würden, wodurch schon viel Zeit verloren gegangen sei. «Die Stadt ist in keiner Weise grosszügig», so Zehnder. Die Wasserfläche von 1100 Quadratmetern sei wichtig, auch die Grösse des Projekts, damit dieses wirtschaftlich funktioniere.

«Wirtschaftlichkeit vor Städtebau», warf Lüber ein. Nach seiner Ansicht wäre es kleiner möglich. Er kritisierte primär die Grösse bzw. Dichte des Botta-Projekts, des Wohnbaus, aber auch die fehlende Innovation, die Qualität. Attiger erinnerte, dass das Bäderquartier früher dichter bebaut gewesen sei als heute.

Belebung – für wen?

Auf die Titelfrage des Anlasses «Belebung – für wen?» lag noch keine Antwort vor. Doch Loderer wollte es wissen. «Keine Monokultur», so Zehnder, darum seien nebst Thermalbad, Hotel, Rehaklinik, Ärztehaus, medizinischem Zentrum auch Wohnen und Gewerbe vorgesehen. «Ein während 365 Tagen belebtes Quartier» sei auch das Anliegen der Stadt, fügte Attiger an, womit er die überwiegende Meinung im Theaterraum traf.

Bei einer Konsultativabstimmung Loderers zeigte sich eine Hälfte für, die andere gegen das Botta-Projekt. Die öffentliche Auflage des revidierten Entwicklungsrichtplans wird nochmals Gelegenheit bieten, darüber zu diskutieren. Wer im Claquekeller dabei war, wusste nun schon einiges mehr.

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