Vor 175 Jahren: Kauf der Klosterdomäne Kappel durch die GGA

Im Sommer 1834 hat der Staat Zürich die Klosterdomäne Kappel versteigert. Die 1825 gegründete Gemeinnützige Gesellschaft des Bezirks Knonau (GGA) hat die Gelegenheit ergriffen und die Klosterliegenschaft mit dem Landwirtschaftsbetrieb erworben, damit die Kirchgemeinden darin eine Armen- und Waisenanstalt einrichten konnten. Die Waisenanstalt beherbergte zwischen 1836 und 1853 zeitweise über 100 Kindern, betreut von einem Lehrerehepaar.

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Kloster Kappel

Kloster Kappel

Zur Verfügung gestellt

Aus diesem Anlass hält Dr. Sebastian Brändli, Historiker, am Freitag, 23. Oktober 2009, 19.30 Uhr im Kloster Kappel einen Vortrag zum Thema «Pauperismus, Armengesetzgebung und Philanthropie: Zur Geschichte des Kaufes der Klosterdomäne durch die GGA und Gründung der Anstalt Kappel». Er schildert die zu dieser Zeit unsäglich grosse Armut in der Zürcher Landschaft und die Versuche des Zürcher Staates mit seiner Armengesetzgebung, die Not zu lindern.

Die «Verminderung der Armuth» war neben der «Jugendbildung» und der «Hebung des Gewerbefleisses» eines der drei Ziele, welche die 1825 gegründete GGA in ihren Statuten festhielt. Initianten waren der Oberamtmann Melchior Hirzel im Schloss Knonau und der Rifferswiler Arzt Jakob Hegetschweiler. Die Einrichtung einer Armenanstalt in Kappel hatte schon 1829 Bezirksarzt Schweizer vorgeschlagen. Die Gemeinden waren jedoch der Ansicht, Gemeindenarmenhäuser wären günstiger als eine «Centralanstalt».

Ersteigerung der Klosterdomäne durch die GGA

Nach der Einführung der neuen Zürcher Verfassung von 1831 beschloss der Grosse Rat, dass alle für die Staatsverwaltung entbehrlichen Grundstücke veräussert werden sollten. Die GGA diskutierte erstmals am 5. Mai 1834 die Frage, ob sie die Klosterdomäne Kappel für eine Bezirksarmenanstalt kaufen wolle. Die Mitgliederversammlung beschloss am 12. Mai, eine Woche später, an der Gant zu bieten. Am ersten Ganttag vom 27. Mai gab es noch keinen Zuschlag, aber am 19. Juli erhielt die GGA den Zuschlag für 47'500 Gulden, was der Regierungsrat unter dem Vorsitz von Melchior Hirzel im August mit der Auflage genehmigte, dass im ehemaligen Kloster eine Armenanstalt eingerichtet werde müsse.

An einer Versammlung im November forderte die GGA die Kirchgemeinden auf, den Kauf zu übernehmen. Am 7. Januar 1835 wählte eine Versammlung von Gemeindevertretern eine «leitende Kommission» unter dem Vorsitz von Statthalter Jakob Hegetschweiler, welche die Anstalt, die Statuten und den nötigen Umbau in Kappel vorbereiten solle. 1836 wurde die Anstalt eröffnet.

Der Vortrag beschreibt die damalige Situation der vielen Armen im Bezirk. Er diskutiert die nicht immer erfolgreiche Antwort des Staates mit seiner Armengesetzgebung und schildert die mutige Aktion der Gemeinnützigen Gesellschaft, welche sich innert kürzester Zeit dazu entschloss, die Gründung einer Bezirksarmenanstalt zu wagen. Was in der Aufbruchstimmung der 1830er Jahre möglich war, wären wir heute kaum in der Lage. Mit der Erinnerung an diese Gründung vor 175 Jahren verbinden wir unseren Respekt vor den Männern und Frauen, welche diese Institution mitgetragen haben. Ihnen ist damit auch zu verdanken, dass uns die mittelalterliche Klosteranlage bis in unsere Zeit erhalten blieb.

Zum Vortrag laden die Gemeinnützige Gesellschaft des Bezirks Affoltern, der Verein Kappelerhof und das Seminar- und Bildungshaus Kloster Kappel ein. Am Nachmittag findet für Fachleute und Interessierte eine Tagung zum Thema «Historische Aspekte der Schweizerischen Heimerziehung im 20. Jahrhundert» statt. Weitere Informationen unter siehe www.klosterkappel.ch

Andreas Müller

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