Wangen

Vom Dreck- ins Warmwasser

Die Verschmutzung der Aare war mit ein Grund, warum 1969 in Wangen a/A ein Schwimmbad gebaut wurde. Dank den Einnahmen der 700-Jahr-Feier konnte eine Anlage realisiert werden, die noch heute auf grosse Beliebtheit stösst. Anfang Juni wird der 40. Geburtstag der Wanger Badi gefeiert.

Olivier Andres

Rudolf Schorer war der Erste. «Es war ein schöner, warmer Sommerabend», erinnert er sich, als er im Schwimmbad Wangen a/A eine letzte Kleinigkeit montierte. Nach getaner Arbeit sei die Verlockung dann zu gross gewesen.

Er habe das «Übergwändli» ausgezogen und sei in das kühle Nass gesprungen. «Die Reisenden in den vorbeifahrenden Zügen machten wohl grosse Augen», sagt Schorer schmunzelnd. Ihn aber störte das nicht. Dies geschah am 10. Juni 1969. Ein Tag später wurde das Schwimmbad Wangen a/A eröffnet.

Früher wurde in Wangen a/A an vielen Stellen in der noch ungestauten Aare gebadet, bis die Familie Berchtold vom Hotel Krone unterhalb der Holzbrücke am linken Aareufer ein Strandbad eröffnete. Damals war die Aare noch sauber - was sich aber mit der Zeit änderte.

«Mit der Industrialisierung des Gebietes aareaufwärts, der starken Zunahme der Wohnbevölkerung einerseits und den mangelhaften Massnahmen auf dem Gebiet der Abwasserreinigung andererseits, wurden unsere Gewässer bald einem zu Kloaken», heisst es 1967 in einem Brief der Schwimmbad-Baukommission an den Gemeinderat. Vielerorts wurde das Baden in der Aare verboten. Auch das Wanger Strandbad entvölkerte sich.

Bauernhaus in Anlage integrieren

Das Bedürfnis nach einer neuen Bademöglichkeit war vorhanden, und auch Geld stand zur Verfügung: Mit dem Erlös der 700-Jahr-Feier von 1957 wurde ein Fonds errichtet, der aus den Gemeinderechnungen weiter gespiesen wurde.

Ab 1961 nahm sich eine Kommission dem Bau des Schwimmbades an. Man entschloss sich, das Bad im Stadtacker zu bauen. Dass sich das Aareufer dort verändern würde, war bereits bekannt: Durch den Bau des Kraftwerkes Neu-Bannwil sollte die Aare gestaut werden.

Noch gehörte das Areal des Schwimmbades der Bauernfamilie Sollberger. Es wurde aber von der Gemeinde gekauft und im Zonenplan für den Badi-Bau ausgeschieden. «Sollberger war ein besonderer Landwirt», sagt Rudolf Schorer, der als Gemeinderat der Badi-Baukommission angehörte und heute deren einziges noch lebendes Mitglied ist. Das Sollberger-Wohnhaus sollte in die Schwimmbadanlage integriert werden. Später wurde dieser Plan verworfen.

Verzögerungen auf dem Bau

Im März 1962 sah ein erstes Vorprojekt Baukosten von 800 000 Franken vor und rechnete mit einer zukünftigen Wohnbevölkerung Wangens von 4000 Personen (2009 zählt die Gemeinde etwas über 2000 Einwohner).

Das Projekt wurde mehrmals überarbeitet, der geplante Zeltplatz etwa wieder verworfen und die Beckenanordnung verändert - was einen Gemeinderat zur Demission bewog. 1967 sprach die Gemeindeversammlung einen Baukredit von 976 000 Franken.

Nachdem beschlossen wurde, das Bad mit einer Wärmepumpe zu heizen - «wir hatten damals eines der wenigen geheizten Bäder», sagt Schorer - wurde ein Zusatzkredit gesprochen. Insgesamt wird der Bau der Badi am Ende rund 1,4 Millionen Franken gekostet haben.

Im März 1968 erfolgte der Spatenstich zum neuen Schwimmbad. Gemäss Plan sollte dieses im April 1969 eröffnen. Doch bald schon wurde es schwierig, das Bauprogramm einzuhalten. So sei es für das Baukonsortium etwa eine Herausforderung gewesen, die aus einem Stück bestehenden Sprungtürme zu erstellen, sagt Schorer.

Sanierung für zwei Millionen Franken

Am 11. Juni 1969 konnte das Wanger Schwimmbad eröffnen. Als erster Bademeister wurde Peter Bischof angestellt, der gemeinsam mit seiner Ehefrau der Badi über Jahrzehnte hinweg die Treue hielt.

Nach über 68 Sitzungen schloss die Baukommission ihre Arbeiten ab - um sie bloss zwei Jahre später wieder aufzunehmen. 1971 wurde beschlossen, die alte Sollbergerliegenschaft abzureissen und das Schwimmbad um ein Restaurant und einen Geräteraum zu erweitern. 1973 konnte diese Bauetappe, die gegen 300 000 Franken kostete, abgeschlossen werden.

«Wangen vermag das lange»

Ab 1997 wurde die Badi Wangen a/A in zwei Etappen für rund zwei Millionen Franken saniert. Sie erstrahlt nun seit einigen Jahren wieder in neuem Glanz. Obwohl das Baden in der Aare heute wieder unbedenklich ist, wurde die Wanger Badi in der Region zu einer festen Institution.

Dass der Betrieb des Bades für die Gemeinde Wangen a/A dennoch ein jährliches Defizit mit sich bringt, ist für Rudolf Schorer nicht überraschend. «Bereits vor dem Bau haben wir darauf hingewiesen, dass der Betrieb wohl defizitär sein wird», sagt er. «Wangen vermag das lange», sei damals die kurze Antwort gewesen.

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