Übung

«Vogelgrippe-Alarm» im Ruedertal

Improvisierte Dusche: Realitätsnah wird auf dem Hof der Bolligers die Bekämpfung der Seuche geübt. Nadia Rambaldi

Seuche

Improvisierte Dusche: Realitätsnah wird auf dem Hof der Bolligers die Bekämpfung der Seuche geübt. Nadia Rambaldi

Alarm im Hühnerstall der Familie Bolliger: Die Vogelgrippe ist ausgebrochen. Die Veterinärkompanie der Armee und der Veterinärdienst des Kantons Aargau riegeln ab, reinigen und desinfizieren. Zum Glück nur eine Übung.

Nadia Rambaldi

Auf dem Hof der Familie Bolliger auf der Nütziweid in Schmiedrued gackern derzeit keine Hühner: Die 18 000 Poulets wurden abtransportiert und das Gelände militärisch abgeriegelt. «Wir versuchen hier eins zu eins den Ernstfall eines Seuchenbefalls mit all seinen Arbeitsabläufen aufzuzeigen», erklärt Oberst Michael Hässig.

Er ist Übungsleiter der Armeeübung «Bird», welche in Schmiedrued den Ernstfall Seuchenbefall probt.
Die Leitung bei so einem Einsatz hat der kantonale Veterinärdienst, welcher den genauen Ablauf plant. Die Armee kümmert sich um den operativen Teil wie Reinigung und Desinfektion des Betriebes sowie seuchenpolizeiliche Absperrmassnahmen.

Drehbuch für den Ernstfall

Für die Volltruppenübung «Bird» wurde ein ganzes Drehbuch geschrieben: Der Landwirt schlägt Alarm, weil 20 Hühner in seinem Stall gestorben sind, und nimmt Kontakt mit dem Tierarzt auf. Wenn ein Seuchenverdacht besteht, kontaktiert dieser den Kantonstierarzt.

Dieser kümmert sich um die vorsorgliche Sperrung des Hofs und entnimmt eine Probe, welche nach Mittelhäusern BE ins Institut für Viruskrankheiten gebracht wird. Falls es sich um eine Seuche handelt, wird der Kanton eingeschaltet. Der kann nach Bedarf zur Unterstützung die Veterinärkompanie der Armee aufbieten.

Danach wird der Bereich des Hofs in eine Kernzone, eine Sperrzone (nähere Umgebung), eine Schutzzone (Umkreis von drei Kilometer) und eine Überwachungszone (Umkreis von 10 Kilometer) eingeteilt. Nach der Absperrung des Gebietes werden der Stall und der Hof der Familie Bolliger gereinigt und desinfiziert. «Die Desinfektion dauert etwa zwei Tage», erzählt Zugführer Tobias Emmenegger. Der Weg in die Sperrzone führt durch eine Personenschleuse, pro Etappe arbeiten jeweils fünf Männer im Stall.

Kompromisse für die Übung

«Im Ernstfall würde die Schutzzone je nach Seuche für den Personenverkehr gesperrt», erklärt Michael Hässig. Übungshalber müsse man aber Kompromisse eingehen, Bauer Bolliger müsse schliesslich arbeiten können. Und: «Die Artillerie verschiesst bei einer Übung schliesslich auch nicht ihre grössten Kanonen.»

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