Türlersee

Türler Campingplatz: keine stählernen Gasflaschen mehr

Der Campingplatz am Türlersee trifft Sicherheitsmassnahmen für Gasflaschen.

Türlersee

Der Campingplatz am Türlersee trifft Sicherheitsmassnahmen für Gasflaschen.

17 Tage nach dem Grossbrand auf dem Campingplatz beim Türlersee informierte Pächter Köbi Huber über die Sicherheitsmassnahmen, um die Risiken eines derartigen Unglücks in Zukunft zu minimieren.

Von Martin Platter

Versengte Brandlöcher im Stoffdach über dem Restaurant auf dem Campingplatz beim Türlersee zeugen noch immer vom Feuer, dem am Nachmittag des 25. Mai 17 Wohnwagen zu Opfer gefallen sind. «Wir hatten unglaubliches Glück, dass nicht mehr passiert ist», ist Köbi Huber froh. Im gleichen Atemzug spricht er den Einsatzkräften seinen Dank und den Geschädigten sein Mitgefühl aus. Zusammen mit seiner Frau Ruth hat er die Pacht für Campingplatz und Strandbad vor acht Jahren von der Gemeinde Hausen übernommen. «Seit dem Feuer haben wir viele Gespräche mit unseren Gästen geführt. Die Verunsicherung ist nach wie vor gross. Deshalb wollen wir umfassend über die bestehenden und ergänzten Sicherheitsvorkehrungen informieren», erklärt Huber.

Kunststoff-Gasflaschen ersetzen stählerne

Als besonders gefährlich haben sich die allgegenwärtigen stählernen Gasflaschen herausgestellt. Diese explodierten während des Brandes unvermittelt und lösten sich wie Splitterbomben in ihre Einzelteile auf. Eines dieser herumfliegenden Fragmente verursachte auch die erhebliche Beinverletzung eines Badegastes, der rund 120 Meter vom Brandherd entfernt auf der Liegewiese des Strandbades weilte. Der Mann aus Obfelden ist inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung. «Es grenzt an ein Wunder, dass die Einsatzkräfte der Feuerwehr in unmittelbarer Nähe der Explosionen unverletzt geblieben sind. Ich möchte in Zukunft aber weder meine Gäste noch die Feuerwehr je wieder dieser Gefahr aussetzen», spricht Huber auch aus der Sicht als ehemaliger Hausemer Gemeinderat und Feuerwehrvorstand.

Zusammen mit Spezialisten aus der Gas- und Campingbranche, dem Touringclub der Schweiz (TCS) und dem Campingverein Türlersee hat er deshalb ein Sechspunkte-Sicherheitsprogramm erarbeitet und erste Massnahmen davon bereits eingeleitet. Die wichtigste ist, dass stählernen Gasflaschen auf dem Campingareal in Zukunft verboten sein werden. «Wir mustern diese nun Schritt für Schritt aus. Kommt ein leerer Stahlgasbehälter zurück, wird er durch einen vollen aus Kunststoff ersetzt», zeigt Huber das Vorgehen auf. Als weitere Regeln gelten: keine Reserveflaschen, die nicht angeschlossen sind. Gasgrills müssen draussen aufgestellt sein (nicht im Vorzelt).

Was aber ist mit den Passanten? Die seien weniger problematisch, da besser kontrolliert. Zudem schauten die Reisenden mehr aufs Gewicht ihrer Fahrzeuge. Die Gefahr von herumstehenden Reservegasflaschen sei deshalb weniger gegeben. «Generell werden wir uns dem Standart des TCS für Passanten anpassen, der in der Schweiz der grösste Betreiber von Campingplätzen ist», stellt Huber in Aussicht.

Die zweite Massnahme betrifft die Gasleitungs-Installationen im Vorzelt. «Diese müssen neu zwingend fachmännisch vorgenommen und gemäss unserer Vorschriften mit der Gaskontrolle vom Fachspezialisten abgenommen werden», erläutert Huber. Diese Vorschriften regelten beispielsweise, dass sämtliche Gasgeräte leicht überhöht stehen und eine Zündsicherung aufweisen müssen. Sie bewirkt, dass der Gasfluss unterbrochen wird, löscht die Flamme ab.

Der Mensch bleibt das Mass

Als dritter Punkt werden die periodischen Kontrollen der Gasanlagen durch konzessionierte Fachleute von vier auf drei Jahre reduziert. «Wobei es jedem Campingfreund frei steht, diese Checks auch in kürzeren Zeitintervallen vornehmen zu lassen», regt Huber an.

Feuerlöscher mit mindestens zwei Kilo Pulverinhalt werden zur Pflicht. Auch für sie gelte zwingend ein Kontrollintervall von drei Jahren.

Das fünfte Augenmerk richte sich auf die Dichtheitskontrolle, die nach jedem Verrücken von Gasgeräten oder dem Wechsel der Flasche mittels Druckmesser (Manometer) selbständig vom Benutzer durchgeführt werden soll. «Das bedingt, dass bei jeder Gasquelle ein Manometer vorhanden ist und möglichst jede Person damit umzugehen weiss», kommentiert Huber.

Wohl einmalig in der Schweiz wurde als sechste Massnahme der Support aus dem Team des Campingvereins beschlossen. Die Mitglieder helfen nicht nur mit Sichtkontrollen und führen Protokoll für Huber. Sie sind auch kompetente Ansprechpartner bei technischen Fragen.

Ironie des Schicksals

«Wenn man sich den Massnahmenkatalog zu Gemüte führt, könnte der Eindruck entstehen, wir hätten vor dem Brand nichts für die Sicherheit getan. Doch dieser Eindruck ist falsch», relativiert Huber. Vor dem Brand wäre das neue Sicherheitsregime, das auch Mehrkosten für die Campingplatzbenutzer zur Folge hat, schlicht nicht mehrheitsfähig gewesen, ist Huber überzeugt.

Als nächster Schritt will der Campingverein dem Gemeinderat einen Antrag unterbreiten, der die Elektrifizierung des ganzen Campingareals zum Ziel hat. Thomas Jucker, im Gemeinderat zuständig für die kommunalen Liegenschaften, begrüsst den Vorstoss, «wenn damit mittelfristig die Sicherheit weiter verbessert werden kann.» Aus eigener Erfahrung wisse er jedoch, dass sich Gas als Energieträger nie ganz aus dem Campingleben verdrängen lasse. Es gelte deshalb, eine exakte Kosten-Nutzen-Analyse vorzunehmen.

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