Meiereien
Transsibirische Meiereien – Bordradio «Zarengold»

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

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ERWACHEN IN DER MONGOLEI. Am Zugfenster zieht die unendliche Steppe vorbei, getaucht in das geradezu mystische Morgenlicht der aufgehenden Sonne. Frühaufsteher geniessen die Stille, einziges Geräusch ist das geduldige Rattern des Zuges, der sich durch die menschenleere Landschaft schlängelt.

DOCH DANN TRITT BERND, der Chefreiseleiter, in Aktion. Er hat sich im Wagen acht ein Radiostudio eingerichtet: den Bordfunk «Zarengold». Da es gegen die Frühstückszeit geht, weckt er seine Reisenden. Zuerst mit mongolischen Klängen, was ja an sich eine gute Idee ist, passend zur vorbeiziehenden Landschaft. Doch dann beginnt er zu moderieren, zweisprachig. Er erzählt, wie manchmal Deutschland «also grössenmässig» in die Mongolei reinpassen würde, dass das Land nur 2,7 Millionen Einwohner habe, aber 35 Millionen Nutztiere, vor allem Schafe, Ziegen, Yaks und Kamele. Im Übrigen sei man jetzt auf 1500 Meter über Meer, in zwei Stunden erreiche man die Hauptstadt Ulan Bator und die werten Gäste möchten doch jetzt bitte zum Frühstück kommen. Die ganze Stimmung ist verflogen.

VOR DEM SPEISEWAGEN kommt es zu einem Gedränge. Denn da befindet sich eine kleine offene Plattform, ein kleines, hüfthohes Gitter ist der einzige Halt. An diesem wunderbaren Morgen gibt es da kein Durchkommen. Fotografen belagern die Plattform; hier gäbe es die besten mongolischen Steppenbilder aus dem fahrenden Zug. Leider ist die Plattform aber nur schwer zu erreichen. Denn da steht schon Lucio, bewaffnet mit zwei Kameras und fotografiert und fotografiert. Es gibt kein gewaltfreies Durchkommen. Wer zuerst aufsteht, fotografiert zuerst. Und am längsten.

joerg.meier@azag.ch

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