Wimbledon

Tennisbälle in Wimbledon: Zwei Mal um die Welt für neun Games

Tennisbälle haben einen langen Weg hinter sich, bis sie in Wimbledon endlich zum Einsatz kommen.

Tennisbälle haben einen langen Weg hinter sich, bis sie in Wimbledon endlich zum Einsatz kommen.

Die Tenniswelt spekuliert über die Gründe für das frühe Ausscheiden von Roger Federer in Wimbledon. Eines ist klar: An den Bällen lag es nicht. Ein Engländer hat den Produktionsweg der Filzkugeln genau untersucht und Erstaunliches herausgefunden.

Was ging Roger Federer gestern durch den Kopf, als er sein Wohnzimmer, den heiligen Rasen des Center Courts in Wimbledon, betrat? Vielleicht versuchte er, sich die taktischen Vorgaben seines Coaches Paul Annacone einzuprägen, damit er gleich vom ersten Ballwechsel an weiss, wie er Sergej Stachowski ausspielen kann.

Vielleicht liess er aber auch einfach die Stimmung im Stadion auf sich wirken oder er war mit den Gedanken bei seinen Zwillingstöchtern Mila und Charlene. Worüber sich der siebenfache Wimbledon-Sieger den Kopf aber sicherlich nicht zerbrochen hatte, ist die Frage, woher denn die gelben Filzkugeln kommen, die er dem Ukrainer um die Ohren schlagen will.

Es gibt aber jemanden, der genau das gemacht hat: Doktor Mark Johnson von der Warwick Business School im englischen Coventry. Er hat den Produktionsweg der Tennisbälle, mit denen in Wimbledon gespielt wird, ganz genau unter die Lupe genommen.

Die Tennisbälle werden von der britischen Firma Slazenger hergestellt. Bereits seit 1902 ist Slazenger der offizielle Balllieferant des traditionsreichen Tennisturniers im Londoner Stadtteil Wimbledon.

Aus neun Ländern

Die Ergebnisse der Untersuchung von Mark Johnson fördern Überraschendes zu Tage. Die Materialen für den offiziellen Wimbledon-Ball stammen aus neun verschiedenen Ländern, die über vier Kontinente verteilt sind.

Alle Zutaten werden für die Produktion in die philippinische Provinz Bataan geflogen. Der Sand wird aus Amerika geliefert, der Filz kommt aus Neuseeland und der Gummi aus Malaysia und den Philippinen. Allein diese drei Materialen legen gemeinsam 36’347 Kilometer zurück, bis sie in der Produktionsstätte eingetroffen sind.

Doch allein mit diesen drei Materialen lässt sich noch längst kein Tennisball herstellen. Benötigt werden unter anderem noch verschiedenste Chemikalien. Magnesium Karbonat, Sulfur und Zinkoxid sind nur einige davon. Bis schlussendlich alle elf Zutaten für den offiziellen Wimbledon-Ball in Bataan eingetroffen sind, haben sie total 67’899 Kilometer auf dem Buckel.

81'367 Kilometer bis auf den Center Court

Damit sind die Bälle aber noch längst nicht auf dem Center Court von Wimbledon angekommen. Nach der Herstellung in Bataan werden sie in Indonesien verpackt, ehe sie die letzte Destination ihrer Reise anpeilen: London.

Nach sage und schreibe 81’367 Kilomtern sind die Bälle an ihrem Zielort angelangt. Die zurückgelegte Distanz entspricht der doppelten Länge des Äquators. «Das ist einer der längsten Reisen eines Produkts, die ich je gesehen habe», so Mark Johnson.

Aber es zeige, wie komplex die globale Produktion funktioniere, selbst bei einem vermeintlich einfachen Gegenstand wie einem Tennisball.

Die Bälle sind also zwei Mal um die Welt gereist, um auf dem Center Court in Wimbledon hin und her gedroschen zu werden. Nach neun Games haben sie ihren Dienst bereits getan. Sie werden ersetzt durch die nächsten Bälle.

(Quelle: YouTube/CTTATENNIS)

Slazenger liefert seit 1902 die Bälle für Wimbledon

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