Tierhandel

Tatzen und Ohren: Das skrupellose Geschäft mit den Bären

Bärenhandel: Die Bärengalle gilt als Heilmittel, doch nun sind Tatzen, Ohren und Fleisch des Bären gefragt in Asien

Bärenhandel: Die Bärengalle gilt als Heilmittel, doch nun sind Tatzen, Ohren und Fleisch des Bären gefragt in Asien

Bärengalle gilt seit Jahrhunderten als Heilmittel in Vietnam, doch Zweifel an der Wirksamkeit drückten jüngst auf die Preise. Den gefangenen Tieren hilft das nicht - im Gegenteil. Denn nun machen ihre Besitzer Tatzen, Ohren und Fleisch zu Geld.

«Alles frisch», sagt der Verkäufer und öffnet den Gefrierschrank des kleinen Ladens.

Ohren und die Tatze eines Bären liegen darin, eingefroren und aufgereiht. «Das Tier wurde von den Farmbesitzern erst vor drei Tagen getötet», sagt er.

Schlägt der Kunde gleich zu, gibt es ein Fläschchen Bärengalle obendrauf - gratis.

Der illegale Handel mit den Überresten von Bären floriert besonders im Bezirk Phuc Tho, der zu Vietnams Hauptstadt Hanoi gehört.

Etwa 40 solcher sogenannten Bärenfarmen soll es dort geben. Die Tiere werden in engen Käfigen gehalten, die Besitzer entfernen ihnen oft Zähne und Krallen, damit sie sich nicht selbst verletzen.

Tierschützer und Umweltaktivisten kämpfen seit Jahren gegen die Bärenfarmen in Vietnam oder China. Besonders die Praxis, lebenden Bären in regelmässigen Abständen mit einer Nadel Gallensaft zu entnehmen - eine schmerzhafte Prozedur für die Tiere - sorgte in der Vergangenheit auch international für Entsetzen.

Zweifel an Wirksamkeit

Die Flüssigkeit ist in der traditionellen asiatischen Medizin als Heilmittel begehrt. Doch die Wirkung des "Wundermittels" haben Experten auch in lokalen Medien zuletzt häufiger infrage gestellt.

Der Markt für Bärengalle scheint inzwischen zu schrumpfen. Zwar wird weiter mit der Flüssigkeit gehandelt, der Preis pro Milliliter sank aber in den vergangen Jahren nach Angaben eines Farmbesitzers von umgerechnet knapp elf Franken auf etwa 60 bis 85 Rappen.

Den gefangenen Bären ergeht es dadurch nicht besser. Der Preisverfall setzt die Besitzer unter Druck. Um an Geld zu kommen, töten inzwischen viele Farmer ihre Tiere, denn andere Teile der Bären sind in Vietnam weiter sehr begehrt.

Das Fleisch der Tiere gilt als Delikatesse und in Alkohol eingeweichten Bärenohren und Bärentatzen wird nachgesagt, die Leistungsfähigkeit zu steigern. Je nach Gewicht bringt eine Packung von Ohr und Bärentatze nach Angaben eines Farmers bis zu 1200 Franken ein.

Eigentlich verboten

Zwar ist der Handel mit Bären und ihren Körperteilen in Vietnam mittlerweile untersagt. Wilde Bären dürfen nicht mehr gefangen und gehalten werden. Die existierenden Bärenfarmen unterliegen zudem strengen Auflagen: Ihre Besitzer müssen die Kadaver von toten Bären unter der Aufsicht eines Försters vernichten. Durchgesetzt werden diese Vorschriften aber kaum.

"Ich war noch nie dabei, als der Kadaver eines Bären unter Aufsicht vernichtet wurde", sagt Tierarzt Nguyen Thanh Hai. "Aber ich habe schon viele Bären gesehen, die wegen ihres Fleisches geschlachtet wurden."

Man habe zu wenig Personal, um die Vorgaben zu kontrollieren, sagt ein lokaler Behördenmitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen will. "Die Besitzer sind in einer sehr schwierigen Situation, da sie die Bären halten müssen, ohne an ihnen verdienen zu können", sagt er. "Wir hätten bereits vor 15 Jahren verbieten müssen, dass sie Bären überhaupt kaufen und halten."

Trotz des Drucks von Tierschützern und Anfragen der Verantwortlichen vor Ort, lehnte es die Regierung in Hanoi bisher ab, Haltern die Bären abzukaufen und sie in Rettungsstationen unterzubringen.

Viele Bärenbesitzer in der Region sehen offenbar keinen anderen Ausweg. "Je länger wir sie halten, desto mehr leiden wir", sagt ein Farmer aus Phuc Tho. "Es ist besser für uns, sie zu töten und Fleisch und Tatzen zu verkaufen."

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