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Täglich eine Lektion Geschichte

Ede, Edel: So prunkvoll kann ein Arbeitsplatz aussehen. Doch Rolf Weber mag seinen Job nicht nur wegen der schönen Dinge, von denen er umgeben ist.

Rolf Weber

Ede, Edel: So prunkvoll kann ein Arbeitsplatz aussehen. Doch Rolf Weber mag seinen Job nicht nur wegen der schönen Dinge, von denen er umgeben ist.

Das Museum Blumenstein ist alles andere als inaktiv: Attraktive Sonderausstellungen und viele private wie öffentliche Anlässe finden statt. Dem Hauswart Rolf Weber macht dies Spass, er schätzt die abwechslungsreiche Arbeit.

Niklaus Stuber

«Der Job gefällt mir sehr, sehr gut.» Rolf Webers Augen bezeugen, dass es mehr als ein Job ist, den er im Historischen Museum Blumenstein ausübt: Es ist eine Art «Berufung», seine vielseitige Tätigkeit im ehrwürdigen Herrschaftshaus im ruhigen, gleichnamigen Quartier. Die Vielseitigkeit ist das eine, die Selbständigkeit das andere direkte Element in seinen Aufgaben. «Und ich habe täglich Geschichtsunterricht.»

Zu Webers Aufgaben gehört weitaus mehr als das Putzen und zum Haus schauen. Doch sind dies Elemente, die täglich und regelmässig auszuüben sind. Entweder selber oder aber unter seiner Aufsicht, etwa beim Reinigen der heiklen Fenster. Da wird eine externe Firma beigezogen. Oder aber bei der Pflege des Umschwungs. Hier besteht eine Zusammenarbeit mit dem Sozialamt und der Jugendanwaltschaft: «Eine Art Integration, die ich begleiten darf - mal braucht es fast keine Aufsicht, mal ist jede Aufsicht vergebens», schmunzelt er.

Reinigen ist im Falle des Blumensteins mehr als sauber machen: «Man sieht das ganze Haus, lernt den hintersten Winkel kennen - und sieht auch, wenn irgendwo etwas nicht mehr in Ordnung ist.» Kleinere Reparaturen am Gebäude und in den Räumen erledigt Weber selbständig, «bei grösseren und sich abzeichnenden Schäden muss ich das mit dem Stadtbauamt besprechen und Lösungen vorschlagen.»

Uhren aufziehen schön nach Plan

Nicht zu unterschätzen ist das regelmässige Aufziehen der vielen antiken Uhren. Je nach Typ täglich bis wöchentlich müssen die Uhren aufgezogen werden. Und dann gibt es im ersten Stock eine wunderschöne Pendule, die so was wie ein Eigenleben: Mal will sie täglich aufgezogen werden, mal kann damit bis zu mehreren Tagen zugewartet werden.

Zur Routine gehört auch die Überwachung des Klimas im Museum selber und in den fünf Aussendepots, damit die wertvollen Exponate keinen Schaden nehmen. Insgesamt sind es vierzehn Klima-Messgeräte, nach deren Anzeige es zu handeln gilt. «Im Sommer entfeuchten und im Winter befeuchten.» Diese Aufgabe wird bald einfacher werden. Die Aussendepots werden in einer ehemaligen Zivilschutzanlage, der Sanitätshilfsstelle Fegetz, zusammengefasst. Hier kommt zur Routine noch die Planung der Einrichtung und der Lagerung hinzu.

Möbel raus, Möbel rein

«Es ist eben eine gesunde Mischung zwischen Routine und viel Neuem», erklärt der aufgeschlossene 48-Jährige. Nicht zur Routine gehört der Ausstellungsbau, bei welchem der gelernte Maurer sein breites handwerkliches Geschick voll ausschöpfen kann. Eine Pforte als Eintritt zur aktuellen Klosterausstellung etwa oder ein geschickt angebrachtes, altes Fenster, welches «klösterliche Stimmung» verbreitet.

Ebenfalls in den Bereich «täglich Neues» fallen die vielen Vermietungen des Blumensteins: «Apéros, Vorträge, Trauungen, Familienfest, Konzerte, es läuft was im Blumenstein.» Für jeden Anlass ist eine spezielle Disposition zu treffen, «Möbel raus, Möbel umstellen, einrichten - und selbstverständlich anschliessend aufräumen.»

Da wird aus der eigentlich geregelten Arbeitszeit dann rasch eine ungeregelte, die auch Einsätze an Abenden und am Wochenende mit sich bringt. Weber macht dies nichts aus. «Der Job ist super», wiederholt er zum x-ten Mal, «die Anstellung hingegen... Ich bin wohl der Einzige, der über hundert Prozent arbeitet und zwei komplett verschiedene Anstellungsverträge hat.» Diese würden sich zum Teil widersprechen und garantierten ihm beispielsweise keine normale Ferienregelung, «und der Wille der Stadt, diese Situation zu ändern, ist nicht vorhanden. Dabei möchte ich als dreifacher Familienvater doch nur eine Sicherheit.»

Aber eben: Die Arbeit fasziniert Weber so, dass die positiven Aspekte mehr als nur überwiegen. Dazu gehört auch, «dass wir ein super Team haben.» Und ganz zuvorderst: «Ich habe meine Aufgaben und die kann ich selbständig erledigen.»

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