Superbakterie

«Superbakterie wird auch in der Schweiz ankommen»

Der neue Keim wurde unter anderem in dem Bakterium E.coli entdeckt

Bakterie

Der neue Keim wurde unter anderem in dem Bakterium E.coli entdeckt

Sie ist fast gegen alle Arten von Antibiotika resistent. Nun forderte die Superbakterie in Europa ihr erstes Todesopfer. Kathrin Mühlemann vom Nationalen Referenzzentrum für Antibiotikaresistenzen erklärt, warum es auch für uns Schweizer Grund zur Sorge gibt.

Jessica Pfister

In Belgien ist ein Mann an der Infektion mit der Superbakterie gestorben. Müssen wir Schweizer nun Angst haben?
Kathrin Mühlemann: Wir müssen solche Antibiotika-resistenten Bakterien sicher ernst nehmen. Sie breiten sich seit mehreren Jahren weltweit immer stärker aus und es entwickeln sich neue Typen mit immer breiterer Resistenz. Die Superbakterie mit dem NDM-1-Gen wird früher oder später also auch in der Schweiz ankommen.

Ist es in der Schweiz auch schon zu Infektionen gekommen?
Mühlemann: Das ist schwierig zu sagen. Zum Glück sind solche extrem resistenten Bakterien noch sehr selten. Ähnliche, etwas weniger ausgeprägte Typen mit Resistenz-Eigenschaften gibt es aber in der Schweiz schon länger und in steigender Zahl.

Wie merkt man, ob man infiziert ist?
Mühlemann: Wer sich mit einem Bakterium, welches das NDM-1-Gen trägt, infiziert hat, merkt dies nicht an einem bestimmten Krankheits-Symptom. Das Bakterium sitzt meistens im Darm. Es kann sein, dass man stiller Träger ist und nie eine Infektion ausbricht. Trotzdem kann die stille Verbreitung ein Problem für die gesamte Bevölkerung werden. Denn wer Pech hat infiziert sich und kann dann je nach Art der Infektion auch schwer erkranken.

Gibt es eine Möglichkeit sich zu schützen?
Mühlemann: Es gelten für die NDM-1 Bakterien grundsätzlich dieselben Regeln wie für andere Bakterien. In den Spitälern werden zum Beispiel bei jedem chirurgischen Eingriff Massnahmen getroffen, um eine Wundinfektion zu verhüten. Ein 100-prozentiger Schutz ist aber nicht möglich.

Wie verbreitet sich die Bakterie?
Mühlemann: Im Prinzip kann sich das Bakterium von Mensch zu Mensch übertragen. Ob Tiere dabei auch eine Rolle spielen ist noch nicht vollends klar. Dass sich der Belgier in Pakistan nach einer Spitalbehandlung infiziert hat, liegt auch daran, dass das typresistente Bakterium im asiatischen Raum viel weiter verbreitet ist. Es kann also auch sein, dass man von einer Asienreise als stiller Träger des Bakteriums zurückkehrt.

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