Sti(e)llos ist nur das Glas

Eroeffnung der Biertage in der Reithalle.

Sti(e)llos ist nur das Glas

Eroeffnung der Biertage in der Reithalle.

Ein Schaufenster für die Kultur des Biers Solothurner Biertage

Niklaus Stuber

In der Schweiz ist in den vergangenen zehn, zwölf Jahren eine lokale Bierkultur mit einer erstaunlichen Vielfalt von Spezial- und Frischbieren entstanden. Dies manifestiert sich nicht zuletzt an den Solothurner Biertagen, die heuer zum achten Mal stattfinden. Konsequent wurde auch dieses Jahr darauf geachtet, dass wirklich keine «Konzernbrauereien» teilnehmen und dass dem Publikum – es werden wiederum rund 5000 Besucherinnen und Besucher in der Reithalle erwartet – ein guter Querschnitt aus allen Regionen der Schweiz und durch die grosse Biervielfalt geboten wird.

Den Erfolg der Biertage führt deren Organisator Alex Künzle auf zwei Hauptgründe zurück: «Erstens ist Bier salonfähig geworden und zweitens sind wir der einzige solche Anlass in der Schweiz.» Sei früher der Bordeaux-Konsument als Connaisseur und der Biertrinker als Proletarier abgetan worden, so habe es sich doch deutlich durchgesetzt, dass Bier in normalen Massen und mit Genuss getrunken ebenfalls eine Kultur sei. Eine sehr alte obendrein, sagt der profunde Kenner der Biergeschichte Künzle, denn das Bier sei schon deutlich vor der modernen Zeitrechnung als Getränk – und auch Medizin – bekannt gewesen. Zuschriften aus der ganzen Schweiz bewiesen, dass die Biertage «so was wie ein Botschafter für die Bierkultur der kleinen Brauereien geworden sind – ein Schaufenster für etwas, das man füglich als Volksbewegung bezeichnen darf».

Erfolg erfordert Professionalität

Erfreulich ist für Künzle auch, dass sich das Interesse an der Bierkultur nicht «nur» auf die Biertage beschränkt: «Die Führungen in der Brauerei und die Bierbraukurse sind weit im Voraus ausgebucht.

Mit dem Anspruch von innen und aussen an die Biertage und deren Erfolg ist Künzle aber auch dazu verpflichtet, den Anlass immer professioneller zu organisieren – und dennoch Spielraum zu lassen für die Spontaneität und den Individualismus der einzelnen Brauer. Während bei der Ausstellung selbst sich diese Professionalität höchstens im reibungslosen Ablauf der drei Tage (und vor allem auch Nächte) bemerkbar macht, ist bei der Prämierung der ausgestellten Biere, die jeweils schon zu Beginn des Jahres stattfindet, von Jahr zu Jahr mehr Fachwissen eingeflossen. Vom reinen Degustieren nach dem Motto «dieses Bier passt mir, jenes nicht» hat sich die Prämierung zu einem so weit wie möglich exakten und biochemisch überprüfbaren Wettbewerb entwickelt.

Resultat muss stimmen

Künzle ist zwar stolz darauf, dass die Solothurner Bierprämierung sogar mit dem renommierte «European Beer Star» mithalten kann, aber er macht auch gleich gewisse Einschränkungen. «Wir müssen Produkte von Leuten bewerten, die dieses mit Können und Herzblut herstellen. So eine Prämierung macht also 15 Personen glücklich und hundert unglücklich.» Das Resultat müsse deshalb stimmen. Und trotz aller «harten» Kriterien seien es immer noch Menschen, die teilweise ein subjektives Urteil abgeben müssen. «Das ist wie beim Snowboarden: Sprünge und Techniken können konkret bewertet werden, doch der Stil ist letztlich subjektiv.» Und noch einen Vorbehalt macht Künzle: «Das Niveau steigern und alles biochemisch analysieren und bewerten ist das eine – aber wir wollen ja die Biere nicht austauschbar machen.» Sonst sei man bei den kleinen und mittelgrossen Brauereien irgendwann gleich weit wie bei den Grossbrauereien mit ihren immer gleich schmeckenden Bieren.

Für die aktuellen Biertage baut Künzle auf Bewährtes (siehe nebenstehenden Text). Alles wie gehabt also? Der Brauer schmunzelt: «Wir haben neu ein Sechszylinder-WC.» Er spielt damit auf die neu eröffnete WC-Anlage bei der Reithalle an, die während der Biertage auch von innen zugänglich sein wird. Und ein weiteres Wortspiel kann er sich schelmisch lachend nicht verkneifen: «Das wird uns und unseren Besuchern grössere und kleinere Probleme lösen.»

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