Schweinegrippe lässt Leute kalt
Schweinegrippe lässt Leute kalt

Die Behörden rechnen mit 1 bis 2 Millionen Schweinegrippefällen im Herbst – fünfmal mehr als bei der herkömmlichen Grippe. Die Bevölkerung nimmts gelassen.

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Aargauer Zeitung

Martin Rupf

Die Zahlen der im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) durchgeführten Umfrage lassen aufhorchen: Zwar ist die überwiegende Mehrheit der Schweizer Bevölkerung (98 Prozent) über die neue Grippe A(H1N1) informiert. Doch 71 Prozent glauben nicht, dass bis Ende Jahr in der Schweiz eine Epidemie auftreten wird. Weiter glauben 58 Prozent nicht, vom H1N1-Virus angesteckt zu werden. Und obwohl die Schutzmassnahmen bekannt sind, haben solche 51 Prozent der Befragten noch nicht getroffen - nur gerade 6 Prozent verfügen über den empfohlenen Vorrat von 50 Masken.

BAG: «Nicht überbewerten»

Auch in Sachen Prävention demonstrieren Herr und Frau Schweizer Gelassenheit. Nur gerade 27 Prozent der Befragten würden sich heute impfen lassen, wenn ein wirksamer Impfstoff verfügbar wäre und von den Behörden empfohlen würde. Immerhin wären weitere 41 Prozent bereit, sich impfen zu lassen, wenn das Grippevirus mutieren und viele Personen schwer erkranken würden. BAG-Sprecher Jean-Louis Zürcher möchte die Zahlen nicht überbewerten: «Würde die Umfrage heute, also nach Bekanntgabe der neusten Prognosen, durchgeführt, bekämen wir mit Bestimmtheit ein anderes Resultat.»

Genug Impfstoff im Herbst?

Unbedingt zur Impfung rät Pietro Vernazza, Infektiologe am Kantonsspital St. Gallen: «Sich nicht zu impfen, wäre schlicht zu riskant; die Sterberate der neuen Grippe liegt bei etwa 1:1000.» Vernazza rät deshalb davon ab, die Grippe bewusst über sich ergehen zu lassen, nur um nachher besser geschützt zu sein. «Das wäre dann zwar auch eine Impfung, aber mit einem viel zu hohen Risiko.» Ebenfalls für eine Impfung spricht sich der Immunologe Beda Stadler von der Uni Bern aus - aber nur bei Kindern, weil diese besonders gefährdet seien. Ansonsten würden die gleichen Grundsätze wie bei der normalen Grippe gelten, so Stadler, denn das H1N1-Virus sei nicht gefährlicher. Der Immunologe zweifelt generell daran, dass bis im Herbst die bestellten 13 Millionen Dosen Impfstoff vorhanden sein werden.