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Poststellen vor der Schliessung?

Die Schweizerische Post will rund 500 Poststellen abbauen. Bis 2011 werden auch im Freiamt drei Poststellen (Buttwil, Aristau und Waltenschwil) überprüft, ob sie unverändert weitergeführt oder in alternative Modelle umgewandelt werden sollen.

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Post Aristau

Post Aristau

Aargauer Zeitung

Roman Schenkel

Auf der Liste der Poststellen, die überprüft werden, stehen im Freiamt die Gemeinden Buttwil, Aristau und Waltenschwil. Sie werden nun nach verschiedenen Kriterien begutachtet. Darunter befinden sich Fragen nach der Kundenfrequenz, Öffnungszeiten, Distanz zur nächsten Poststelle zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr. Auch die Bevölkerungsentwicklung wird berücksichtigt. Nach der Überprüfung entscheidet die Post, wie und ob die Poststellen weiter betrieben werden sollen.

Massiver Dienstleistungsabbau

Der Gemeindeammann von Aristau, Ueli Küng, ist nicht begeistert, dass die Poststelle in seiner Gemeinde überprüft wird. «Ein Verlust der Post wäre für Aristau einschneidend», sagt Küng. Besonders für die ältere Generation wäre es ein herber Verlust. Diese habe weniger Zugang zum Internet, erklärt er.

Post muss Transparenz schaffen

In der vergangenen Woche publizierte die Gewerkschaft für Kommunikation eine Liste von Poststellen, die von der Schliessung bedroht seien. Neben Buttwil, Waltenschwil und Aristau standen auf dieser Liste im Freiamt zusätzlich die Poststellen der Gemeinden Hägglingen, Sarmenstorf, Bremgarten West, Bünzen, Beinwil und Auw. Die Schweizerische Post wollte diese Liste nicht kommentieren. Diese Woche veröffentlichte sie nun selbst die Namen der Poststellen, die effektiv überprüft werden. «Unsere Liste hatte eine ganz gute Trefferquote und hat die Post gezwungen, Transparenz zu schaffen», sagt Heinz Suter von der Gewerkschaft für Kommunikation. Er wertet es als Erfolg, dass die effektiven Gemeinden nun bekannt sind, kritisiert aber, dass die Post Anfang Jahr von 500 Poststellen sprach, nun aber nur 420 Poststellen aufgelistet habe. «Was ist mit den 80 Poststellen geschehen?», fragt er. Auch sind für ihn die Alternativen zur Poststelle eben keine wirklichen Alternativen. «Bei der Agenturlösung gehen immer auch Arbeitsplätze verloren und zudem ist das Dienstleistungsangebot arg eingeschränkt», führt er aus. für den Hausservice gelte das Gleiche, nur dass das Dienstleistungsangebot noch schmaler sei. (ros)

Jüngere hingegen seien damit aufgewachsen und kennten sich beispielsweise mit E-Banking aus. «Dazu kommt, dass ältere Personen weniger mobil sind und es für sie kein Spaziergang ist, nach Muri oder Merenschwanden auf die Post zu gehen», so Küng. Aristau brauche eine Poststelle, zumal das Dorf bereits keinen Dorfladen mehr habe.

Für eine Postagentur müsste also eine spezielle Lösung gefunden werden. «Die alternativen Modelle der Post sind meiner Meinung nach aber nicht kundennützlich und bedeuten nichts anderes als einen massiven Dienstleistungsabbau.»

Anders sieht es der Gemeindeammann von Buttwil, Walter Berchtold. Er habe gestern im Kaffee erfahren, dass seine Gemeinde auf der Liste stehe. «Für mich ist das ein unternehmerischer Entscheid der Post», so Berchtold. Die Gemeinde könne da nichts machen und müsse sich raushalten.

«Selbstverständlich tut es mir weh, wenn es keine Poststelle in Buttwil mehr gäbe, und es wäre unangenehm nach Muri hinunter auf die Post zu gehen», sagt Berchtold. Aber schlussendlich sei das Geschäftsvolumen entscheidend, ob eine Poststelle rentiert, und offenbar sei dieses in Buttwil nicht gross genug, stellt er nüchtern fest. Er sei da einfach zu sehr Betriebswirtschafter. «Einer Postagentur würde ich mich aber sicher nicht verschliessen. Es wäre eine gute Lösung, wenn Briefe und Pakete beispielsweise im Dorfladen aufgegeben werden könnten», meint Berchtold.

Agentur oder Hausservice?

Die Post im Dorfladen oder an der Haustür Die Agenturen entsprechen dem Prinzip «Post im Dorfladen». Dabei wird die Post in einem Geschäft untergebracht. Infrage kommen dafür Detaillisten, Gemeindekanzleien oder Bahnschalter. Das Angebot der Agenturen umfasst alle täglich in einer Poststelle nachgefragten Dienstleistungen. Laut der Schweizerischen Post gibt es in der Schweiz zurzeit bereits über 200 Agenturen. Sie eignen sich besonders für kleine Dörfer auf dem Land. Die Post hat diese Woche bekannt gegeben, dass sie die Agenturen aufwerten möchte. Neu werden dort mittelfristig auch postfremde Bankkarten wie die EC- oder Maestro-Karte akzeptiert. Dies wird es einer breiten Bevölkerung erlauben, ihren Zahlungsverkehr auch in der Postagentur abzuwickeln. Der Hausservice ist die zweite Alternative zur Poststelle. Er wird von Montag bis Freitag angeboten. Immer wenn die Kunden Postgeschäfte erledigen möchten, kennzeichnen sie dies mit einem Schild am Briefkasten. Der Postbote kommt dann an die Haustür und erfüllt die Wünsche der Kunden. Die Kunden können unter anderem bargeldlos Rechnungen einzahlen oder ihre Pakete und Briefe beim Postboten aufgeben. (ros)

Kommunikation nicht gut

«Wieso fragt die Post die Gemeinden überhaupt an, wenn der Entscheid sowieso bereits gefallen ist?», überlegt Josef Füglistaler, Gemeindammann von Waltenschwil. Er glaube nicht, dass die Gemeinden den Entscheid der Post gross beeinflussen könnten. «Die Kommunikation der Post ist nicht transparent», findet er. Die Poststelle habe in Waltenschwil eine wichtige Integrationsfunktion, sagt der Gemeindeammann. «Falls gewisse Dienstleistungen der Post nur noch in Wohlen bezogen werden könnten, gehen doch die Leute auch gerade da einkaufen. Dann kann man den Volg in Waltenschwil auch gleich schliessen», erklärt Füglistaler.

Einspruch gegen Schliessung

Schliessungen seien nicht das Ziel, versucht Gerhard Pfister, Mediensprecher der Schweizerischen Post, zu beruhigen. Er räumt aber ein, dass in Einzelfällen eine ersatzlose Aufhebung einer Poststelle vorkommen könne. Die Schweizerische Post werde die Überprüfungen aber auf jeden Fall nach klaren Kriterien und im Dialog mit allen Betroffenen sowie im Einvernehmen mit den Gemeinden durchführen. Der Post sei es aber ein grosses Anliegen, ein dichtes Netz zu gewährleisten.

Falls eine Gemeinde mit dem Entscheid der Post nicht einverstanden sei, stehe es den Gemeinden frei, die unabhängige Kommission für Poststellen anzurufen, erklärt Richard Pfister. Die Post verpflichtet sich, sich an alle Empfehlungen der Kommission zu halten, so der Mediensprecher.