Hexenmuseum

Pfarrer warnt vor Gefahren durch Hexerei

Hexe «Wicca» informiert Schulklassen in ihrem Hexenmuseum.

Hexe «Wicca» informiert Schulklassen in ihrem Hexenmuseum.

Samuel Schmid, Pfarrer aus Biberstein, will künftig Besuche von Schulklassen im Hexenmuseum Auenstein verhindern. Er lanciert einen Vorstoss.

Fast wie im Mittelalter: Die Hexe Wicca informiert in ihrem Museum auch Schulklassen über den Hexenkult, was dem Pfarrer Samuel Schmid gar nicht passt. Mit einem Vorstoss im Grossen Rat und stellt dies in Frage.

«Ich will keinen Kreuzzug gegen die Hexe Wicca führen», betont der Pfarrer und frisch gewählte Grossrat Samuel Schmid aus Biberstein. Dass die Hexe eine eigene Kulturstätte in Auenstein aufgebaut hat, ist nicht der Stein des Anstosses. Mit der Bezeichnung Museum habe er allerdings Mühe. «Das Hexenmuseum hat keine historische oder wissenschaftliche Grundlage. Die Ausstellung hat historische Elemente, verbunden mit einem grossen Sendungsbewusstsein.» Schmid findet es deshalb falsch deklariert: «Ich stelle den Museumsaspekt in Frage.»

In seiner ersten Interpellation, anlässlich der ersten offiziellen Sitzung des Grossen Rates, fordert Schmid deshalb zu überprüfen, ob der Besuch des Hexenmuseums an ein Mindestalter geknüpft werden soll. Weiter wirft er die Frage auf, ob der Besuch von Schulklassen künftig verhindert werden soll. Bereits besuchte eine Oberstufenklasse aus Schinznach das Hexenmuseum.
Schmid war selber noch nie im Hexenmuseum und auch die Hexe Wicca kennt er nicht persönlich. Aufschrecken liess er sich vom Museumsziel: «Alte Traditionen und Bräuche wieder aufleben lassen», das auf der Homepage des Hexenmuseums angegeben wird.

Hexerei ist eine Naturreligion
Die Inhaberin des Hexenmuseums, Hexe Wicca, möchte mit ihrem Museum informieren und den Menschen die Möglichkeit bieten, zu sehen, was hinter dem Begriff Hexe steht. Sie selber ist eine richtige Hexe, auch wenn man ihr das nicht ansieht. Einzig ihre gelockten rötlich-braunen Haare, die sich nicht ganz bändigen lassen, mögen auf eine Hexe schliessen lassen. Hexenhut, Amulette oder auffälligen Schmuck sucht man an ihr vergeblich. Wicca spricht mit ruhiger, ausgeglichener Stimme, die junge Frau wirkt sympatisch.

Als Hexe bezeichnet Wicca eine moderne Kräuterfrau, die mit den Elementen arbeitet und eine enge Beziehung zur Natur hat. «Ich glaube, dass alles beseelt ist, Tiere und Pflanzen haben eine Seele.» Naturheilkunde spielt bei den Hexen eine wichtige Rolle. Deshalb spricht Wicca bei der Hexerei auch von einer Naturreligion. «Bei uns geht es aber nicht um Religion oder Missionarisieren. Jeder ist in seinem Glauben selbstständig.» Anders als in anderen Religionen oder gar Sekten gebe es bei den Hexen kein Oberhaupt und keine festen Regeln. «Das schöne an dem Hexentum ist der freie Wille.» Wicca ist in keinem Hexenzirkel. Das einzige Credo an welches sich Wicca hält, ist niemandem zu schaden.

Zaubern kann böse Folgen haben
Georg Schmid sieht das Hexenmuseum nicht als Museum im üblichem Sinn. Er ist Leiter der evangelischen Informationsstelle Kirchen, Sekten und Religionen. «Die historischen Thesen im Museum haben nichts mit der universitären Geschichtswissenschaft zu tun. Man muss Besucher darauf vorbereiten, dass nicht alles geschichtlich Hand und Fuss hat.» Gefährlich findet Schmid, dass im Hexenmuseum ein positives Bild von Hexen gezeigt wird und kritische Ansätze vernachlässigt werden.

Hexerei ist für Pfarrer Schmid, Vater von vier Töchtern, gefährlich. «Okkultismus, wozu die Hexerei gehört, setzt negative Kräfte frei, egal ob es sich um einen vermeintlich guten oder einen schlechten Zauber handelt. In der Hexerei kommen Mächte in Bewegung, die zu psychischen Ängsten führen können.» Zauberei ist für Schmid nicht nur Humbug. «Bereits in der Bibel wird beschrieben, dass es die Kraft Gottes, aber auch finstere und teuflische Kräfte gibt.» Als Pfarrer sehe er die Folgen wie Angstzustände oder Schlafstörungen. «Okkultismus kann bis zur suizidalen Gefährdung führen.» «Vor allem junge Mädchen im Teenageralter sind beeinflussbar», so Schmid. Deshalb würde er das Hexenmuseum erst ab 18 Jahren freigeben. «Eine Auseinandersetzung mit der Hexerei in der Schule kann stattfinden, jedoch im richtigen Rahmen, mit ausgewiesenen Fachpersonen und mit der richtigen Gewichtung.» Für ihn ist es bedenklich, wenn Schulklassen ins Hexenmuseum gehen. «Ein Besuch im Museum ist nicht adäquat, da dieses missionarisch ist. Eine praktizierende Hexe hat nicht die nötige Distanz.»

Wicca warnt vor Gefahren
Als Fachperson sieht sich die Hexe Wicca durchaus. «Was ich bin, hat mit dem Museum nichts zu tun. Ich versuche aufzuklären oder auch vor Gefahren, wie zum Beispiel dem Gläserrücken, zu warnen.» Das Hexenmuseum sei ein Ort, wo man Fragen beantworten kann. Gerade Teenager kommen oft in Kontakt mit dem Thema Hexerei. «Statt im Internet auf dubiosen Seiten können sie sich nun im Hexenmuseum informieren.» Hexerei ist bei jungen Frauen ein Thema. «Ich habe schon schlechte Erfahrungen mit Zauberei gemacht», sagt eine 23-jährige Besucherin der Ausstellung. «Weil ich nicht daran geglaubt habe, spielte ich Gläserrücken. Mich hat erschreckt, dass es tatsächlich funktioniert hat. Ich würde es nie mehr machen.» Ihr Fazit nach dem Besuch der Ausstellung ist: «Es hat mich neugierig gemacht. Ich will noch mehr Informationen.»

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