Mit beiden Beinen im Leben

Nach der erfolgreichen RollstuhlBadminton-EM steht im August die Handbike-WM an. Die Weiningerin Regula Merkt ist aus der Rollstuhlsport-Szene nicht mehr wegzudenken.

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Mit beiden Beinen im Leben

Mit beiden Beinen im Leben

Limmattaler Zeitung

Maila Bermejo

«Unsere Sportarten wirken nicht behindert», sagt Regula Merkt klar und deutlich. Die 50-jährige Weiningerin muss es wissen. Sie arbeitet beim Rollstuhlclub Zürich (RCZ) mit dem Unihockey-Nachwuchs, leitet das allgemeine Turnen für Rollstuhl- und Fussgänger, trainiert das Handbiker-Team und hat die Rollstuhl-Badminton-Spieler gerade erfolgreich durch die EM gecoacht.

Bei Merkt gibt es keinen Tag ohne Sport. «Natürlich ist mein Engagement saison- und sportabhängig», sagt sie. «Aber ich brauche meine Rollstuhlathleten so wie sie mich auch brauchen.»

Merkt leidet an einer undefinierbaren Krankheit, welche die Knochensubstanz zersetzt. Besonders betroffen sind ihre Knie. «Dass ich trotzdem mit beiden Beinen im Leben stehe, verdanke ich unter anderem der Unterstützung meiner Rollstuhlsportler.» Nach mehr als 20 Jahren im Vorstand des RCZ hat es Merkt vor einigen Jahren wieder auf die Sportplätze gezogen, sie betreut nun die mobilitätseingeschränkten Sportler. Und das mit Erfolg.

An der Rollstuhl-Europameisterschaft in Filzbach vom 21. bis 24. Mai hat das Schweizer Team, davon zwei RCZ-Athleten, sechs Medaillen geholt. «Das war grandios, einfach sensationell», schwärmt die umtriebige Merkt, die in einem 60%-Pensum an der Primarschule arbeitet. Das nächste Ziel ist schon anvisiert: Im August findet die Handbike-Weltmeisterschaft statt.

Aktive Öffentlichkeitsarbeit

Rollstuhlsport geniesst trotz wachsender Akzeptanz in Bevölkerung und Medien nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit wie der «normale» Sport.

Doch auch da weiss sich Merkt zu helfen. «Wir können nicht erwarten, dass die Öffentlichkeit auf uns zukommt, sondern wir müssen selbst in die Öffentlichkeit gehen», sagt sie. Man müsse aktiv sein und Schwellenabbau betreiben. So stellt Merkt, um nur ein Beispiel zu nennen, immer wieder Projekte und Kurse auf die Beine, die Rollstuhlfahrer und Fussgänger zusammen betreiben können.

«Das bringt Anerkennung und Aufmerksamkeit», so Merkt. 2006 hat sie für ihr Engagement «Der andere Sportpreis» vom Zürcher kantonalen Amt für Sport erhalten.

Mut zum Spitzensport

Wie schwer es für Rollstuhlfahrer ist, den Sport auf höchstem Niveau zu betreiben, weiss Regula Merkt zur Genüge. Mobilitätseingeschränkte Menschen haben nicht nur einen komplizierteren Tagesablauf aufgrund ihrer Behinderung, sondern sie verdienen mit ihrem Sport auch weniger Geld.

«Nach einem Unfall muss man wieder Ja zum Leben sagen, den Alltag meistern, im Job Fuss fassen, sich auf die neue Familiensituation einstellen und gleichzeitig trainieren», erklärt Merkt. «Das braucht viel Mut und Einsatzbereitschaft», weiss die begnadete Trainerin natürlich selbst.

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