Ausdruck
«Merkeln» kann jeder: Versuchen Sie's mit «Dorlen» und «Blochern»

«Merkeln» ist gerade das Wort der Stunde in Deutschland. Doch auch wir haben ein paar neue Verben.

Kian Ramezani, watson.ch
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Mehr als Merkeln.PNG

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Keystone

Bei der Langenscheidt-Wahl des Jugendworts 2015 liegt «merkeln» uneinholbar an der Spitze. Wetten, dass sich auch die Jury dafür entscheidet? Das Verb steht für «Nichtstun», «keine Entscheidungen treffen», «keine Äusserungen von sich geben» und bezieht sich auf den unaufgeregten Politikstil der deutschen Regierungschefin Angela Merkel.

Die negativen Konnotationen können der Kanzlerin getrost egal sein, denn ihre Position an der Spitze Deutschlands ist unbestritten. Ohnehin dürfte es für einen Politiker vor allem schmeichelhaft sein, im populären Sprachgebrauch ein neues Verb zu verankern. Wir hätten hier ein paar Ideen für verdiente Politiker aus der Schweiz:

Blo|chern Beim Reden mit den Armen fuchteln. Abgeleitet von Christoph Blocher. Zugegeben, je nach Haltung gegenüber diesem Ausnahmepolitiker dürften auch die Bedeutungen von «blochern» variieren. Doch kaum jemand wird bestreiten, dass er ein begnadeter Redner ist, nicht zuletzt wegen seiner charakteristischen Gestik. ich blochere, du blocherst, wir blochern.

Original I: Blocher am «Blochern».

Original I: Blocher am «Blochern».

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Dor|len Seine Aufgaben konsequent mit einem Lächeln im Gesicht erledigen. Abgeleitet von Doris Leuthard. Die CVP-Bundesrätin und Vorsteherin des mächtigen Uvek (Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation) kommt sympathisch rüber. Auf der Beliebtheitsskala lässt sie die anderen sechs Bundesräte stets hinter sich. ich dorle, du dorlest, wir dorlen.

Original II: Leuthard am «Dorlen».

Original II: Leuthard am «Dorlen».

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Mül|lern Grobschlächtig sprechen, vor dem Gebrauch von Fäkalwörtern nicht zurückschrecken. Abgeleitet von Philipp Müller. Der Präsident der FDP Schweiz poltert gerne und vergreift sich dabei bisweilen im Vokabular vgl. Scheisse, Chabis. ich müllere, du müllerst, wir müllern.

Original III: Müller am «Müllern».

Original III: Müller am «Müllern».

Emanuel Per Freudiger

Schnei|dern Reden, ohne etwas zu sagen. Abgeleitet von Johann Schneider-Ammann. Dem FDP-Bundesrat und Wirtschaftsminister eilt der Ruf voraus, sich gerne Floskeln zu bedienen.); ich schneidere, du schneiderst, wir schneidern.

Original IV: Schneider-Ammann am «Schneidern».

Original IV: Schneider-Ammann am «Schneidern».

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Zieg|lern Ausschweifend und oberlehrerhaft sprechen. Abgeleitet von Jean Ziegler. «Blochern» nicht unähnlich, aber im Duktus deutlich dozierender (er war ja auch Dozent, SP-Nationalrat und Che-Guevara-Chauffeur und UN-Sonderberichterstatter ... Kommt, der Mann hat etwas zu erzählen.) ich zieglere, du zieglerst, wir zieglern.

Original V: Jean Ziegler am «Zieglern».

Original V: Jean Ziegler am «Zieglern».

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