Bruderholzspital

Machtkampf im weissen Kittel - Chefchirurg Langer will gehen

Kündigungsgrund: Unter anderem die Notfallstation sorgt im Bruderholz für Kompetenzstreitigkeiten unter den Chefärzten (archiv)

Kündigungsgrund: Unter anderem die Notfallstation sorgt im Bruderholz für Kompetenzstreitigkeiten unter den Chefärzten (archiv)

Die Belegschaft des Bruderholzspitals wehrt sich für ihren Chefchirurgen. Dieser schliesst nicht endgültig aus, dass er doch bleibt.

Boris Burkhardt

Alle Beteiligten halten sich bedeckt; doch es ist klar, dass es im Kantonsspital Bruderholz zu internen Führungsstreitigkeiten gekommen ist. Im Mittelpunkt steht dabei Igor Langer, Chefarzt der Chirurgischen Klinik des Spitals, der nach nur zwei Jahren Dienst auf dem Bruderholz seine Kündigung zum Januar 2011 eingereicht hat.

Die «Basler Zeitung» berichtete, die Kündigung sei die Konsequenz des Kompetenzgerangels mit der «alten Garde» auf dem Bruderholz; auch Spitaldirektor André Hug sei an der gezielten Ausgrenzung Langers beteiligt.

Offiziell stritten Langers Chirurgie und die Orthopädie um Zuständigkeiten bei der Handchirurgie, der Unfallchirurgie (Traumatologie) und der Notfallstation. Inoffiziell steht es wohl auch um die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Langer und seinem Orthopädie-Kollegen Niklaus F. Friederich nicht zum Besten. Langer will das gegenüber der bz weder bestätigen noch dementieren.

«Schwerwiegende Gründe»

Er mache «zurzeit» keine Angaben über die Gründe seiner Kündigung. Sie sei ihm allerdings «nicht leichtgefallen» und die Gründe dafür seien «schwerwiegend». Dennoch habe er sich «ganz freiwillig» entschieden zu gehen.

Langers fachliche Leistung ist bei der Spitalleitung, bei Mitarbeitern und Kollegen sowie in der Politik unumstritten. Unter anderem baute Langer die bariatrische Chirurgie für Übergewichtige auf.

Auch der Baselbieter Gesundheitsdirektor Peter Zwick bedauert den Weggang des Chefarztes nach eigener Aussage sehr. Über vertrauliche Personalgespräche will Zwick nichts sagen, deutet aber an, der Grund für die Kündigung liege in «unterschiedlichen Ansichten über die künftige Entwicklung der chirurgischen Klinik». Einen Qualitätsverlust für die Baselbieter Kantonsspitäler durch den Verlust eines kompetenten Fachmannes fürchtet Zwick nicht.

«Kein Mobbing»

Auch Spitaldirektor André Hug ist davon überzeugt, «wiederum einen guten Operateur» als Nachfolger zu finden. Langers Entscheidung, betont Hug, sei nicht auf Mobbing zurückzuführen. Niemand im Spital habe mit Langers Kündigung gerechnet oder sie gar betrieben: «Herr Langer hat ohne Druck aus freien Stücken gekündigt.» Viel mehr will Hug nicht sagen; die Berichterstattung in der Presse löse weder ein «eventuelles Problem» noch sei sie förderlich für das Image des Spitals und die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Unzufrieden sind die Mitarbeiter aber offensichtlich bereits. «Wir sind nicht sehr angetan von der Kündigung des idealen Chefs», macht Assistenzärztin Susanne Drews die Befindlichkeiten in der Chirurgie deutlich.

Drews und ihre Kollegen drücken in einem offenen Brief ihr «aufrichtiges Bedauern über den Weggang unseres Chefarztes» aus. Drews ist sich sicher, dass Langers zweijähriges Wirken in der Chirurgie die Attraktivität des Bruderholzspitals gesteigert habe.

Ihren Chefarzt zeichne neben seiner fachlichen Kompetenz sein «offener und ehrlicher Umgang» mit den Ärzten aus: Er fordere und motiviere seine Belegschaft, habe immer ein offenes Ohr und fördere besonders die Ausbildung. Die Belegschaft hofft im offenen Brief, dass Langer die Kündigung zurücknehmen werde.

Das will der auch nicht endgültig ausschliessen. Zwar dementiert er das Gerücht, die Kündigung sei nur Taktik, um eine bessere Verhandlungsposition zu haben. Gleichzeitig sagt er aber: «Ich habe klare Forderungen gestellt, ohne die eine sinnvolle Arbeit am Bruderholz für mich nicht möglich ist.

Wir brauchen eine führungsmässige Neuorientierung.» Die Perspektive für die zukünftige Entwicklung des Spitals sei wesentlich für seinen Entscheid gewesen.

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