Fildern
Koalition von Reptilien und Autoschlangen

Als Ersatz für den Landschaftseingriff zugunsten der Westumfahrung Zürichs, wurden in den Fildern für Flora und Fauna neue Lebensräume geschaffen. Ein Hochwasserrückhaltebecken und ein Lärmschutzhügel wurden so gestaltet, dass sich ein attraktiver Naherholungsraum für Naturbeobachtungen gebildet hat.

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Koalition von Reptilien und Autoschlangen

Koalition von Reptilien und Autoschlangen

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Martin Mullis

Der Bau einer Autobahn ist immer ein schwerwiegender Eingriff in die Natur. So waren denn auch beim Bau des Autobahndreiecks in den Fildern, zwischen den Gemeinden Birmensdorf und Wettswil, einschneidende Landschaftsveränderungen nötig. Als Ersatz für die Verletzung der Landschaft, wurde nun ein vielfältiges Mosaik von neuen und naturnahen Lebensräumen geschaffen. Die Einweihung dieser Ausgleichs-Naturflächen wurde zwar etwas verschämt als Eröffnungsanlass deklariert. Der Wettswiler Gemeindepräsident, Hanspeter Eichenberger, nannte jedoch das Kind beim Namen. Er freute sich über das neue und spannende Naherholungsgebiet in seiner Gemeinde. Froh darüber, dass nach langen Jahren der Bautätigkeit mit Lärm, Staub und Ausweichverkehr eine derart attraktive Fläche für Erholungssuchende, Pflanzen und Tiere entstanden ist, dankte er der Fachstelle Naturschutz und allen Beteiligten für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Sowohl Dr. Urs Kuhn, Leiter der Fachstelle Naturschutz, als auch sein Mitarbeiter und Projektleiter Dr. Eugen Temperli, freuten sich ganz besonders, dass im Jahr der Biodiversität mit den Ausgleichsflächen in den Fildern sozusagen der Grundstein für eine äusserst vielfältige Entwicklung von Flora und Fauna gelegt werden konnte.

Friedliches Nebeneinander
Die Bedeutung des Anlasses wurde denn auch durch die Anwesenheit von Persönlichkeiten aus den Gemeinden Birmensdorf und Wettswil betont. Werner Steiner, Gemeindepräsident von Birmensdorf sowie sein Vorgänger Jakob Gut und die Wettswiler Hochbauvorständin, Kathrin Röthlisberger, unterstrichen mit ihrer Präsenz ihr Interesse am neugeschaffenen Naturparadies. Der anschliessende Rundgang zeigte dann deutlich, dass ein gutes Nebeneinander nicht nur von Naherholung und Naturflächen sondern auch von der Autobahn selber absolut möglich ist. Kaum zu glauben, dass sich nur gerade wenige Meter vom Mittelstreifen der N4 und lediglich getrennt durch einen mehrere Meter hohen Erdwall, ein wichtiger Standort der im Mittelland vom Aussterben bedrohten Schlingnatter befindet. In den dort befindlichen Strukturen wie Steinhaufen und Erdhügeln, werden auch die Zauneidechse und die Ringelnatter gezielt gefördert. Nebst den Reptilien bietet ein solcher Magerstandort auch neuen Lebensraum für ganz spezielle Pflanzenarten, Brutvögel, Heuschrecken und Tagfalter.

Rundwege für Naturbeobachtungen
Das Hochwasserrückhaltebecken Munimatt, bildet einen veritablen Teich; verschiedene Tümpel sowie die angrenzenden Bäche wiederum werden von Libellen- und Amphibienarten gerne als neuer Lebensraum erobert.
Für die ansässige Bevölkerung im Landschaftsraum Fildern-Wüerital, hat sich ein ganz neues und äusserst interessantes Naherholungsgebiet geöffnet. Im Auftrag des Tiefbauamtes ist deshalb auch ein Konzept zur Besucherlenkung erarbeitet worden. Rundwege und eine Fläche zur Naturbeobachtung sind vorgesehen. Erholungssuchende sollen dort die Magerwiesen betreten dürfen und die Strukturen für Wildbienen und Reptilien von nahe beobachten können. Leider wurden bei diesem Projekt auch Einschränkungen nötig. Die Modellflugruppe und der Hundetrainingsplatz, müssen sich ausserhalb des Naturschutzraumes einen Standort suchen.
Ende 2010 wird dann von der Baudirektion eine endgültige Schutzverordnung erlassen. Die Pflege und die Bewirtschaftung der neuen Naturflächen werden anschliessend hauptsächlich ansässige Landwirte übernehmen.