Kein Echo auf die Schlossidee

Ein junger Mann will eine Stiftung gründen, um sicherzugehen, dass die Berner Burgen und Schlösser weiter der Bevölkerung zugänglich bleiben. Nur – es bleibt wohl beim Luftschlösser bauen.

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Schloss Büren

Schloss Büren

Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Das ist die Geschichte von Adrian Dellenbach, der gar nicht möchte, dass es seine ist. Es sollte eine von fünf, von zehn Menschen sein, von 20 000 und von 200 000 Menschen. Dellenbach möchte eine Stiftung gründen, damit die nicht ganz so bedeutenden historischen Liegenschaften im Kanton Bern weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich sind. Dafür braucht er Geld, und darum sucht er Personen, die es haben. Doch er findet sie nicht. Viel Hoffnung hat er jetzt nicht mehr, es sieht danach aus, dass er Luftschlösser baut und keine Schlösser kauft.

Adrian Dellenbach ist 30 Jahre alt, lebt in Konolfingen und ist Mitglied der FDP-Ortspartei. Er ist Lokführer und hat daneben eine Ausbildung zum Organisator abgeschlossen. «Mein Heimatort ist Trachselwald», sagt er, auch das ist ein Grund für sein Engagement, obschon es ihm nicht um Trachselwald geht. Denn das dortige Schloss ist von nationaler Bedeutung, der Kanton sucht dafür jetzt gute Ideen, wie für die Schlösser in Büren, Burgdorf und Laupen.

«Ein wunderschönes Schloss»

Dellenbach geht es um die Liegenschaften, die von geringerer Bedeutung sind, und die der Kanton verkaufen will: Schlosswil zum Beispiel, Sitz des Amtsbezirks Konolfingen. «Es ist ein wunderschönes Schloss», sagt er. «Die Gemeinde Schlosswil ist aber nicht sehr gross und nicht sehr vermögend und hat auch nicht das Glück wie Schwarzenburg, wo sich die Politik und die Bevölkerung engagagieren.» Und es geht ihm auch um Aarwangen. «Hier könnte man beispielsweise ein kleines Dienstleistungszentrum unterbringen.»

Auf jeden Fall möchte er verhindern, dass die Schlösser in die Hände von Freikirchen oder ausländischen Unternehmern gelangen. Darum will Dellenbach eine «Stiftung Berner Burgen und Schlösser» gründen. Ihr Zweck: die Häuser sollen der Allgemeinheit erhalten bleiben, eventuell renoviert oder rekonstruiert werden. Über die Nutzung liesse sich dann diskutieren.

«Das Geld fehlt»

Und dafür sucht er jetzt Geld, und am besten wären auch bekannte Persönlichkeiten. Denn er selbst, sagt er, sei ein Nobody und habe nicht das nötige Umfeld. Darum hat er Gemeinden, Burgergemeinden und Unternehmen angeschrieben. Ein paar Behörden hätten geantwortet, fänden die Idee sogar gut. Mehr habe dabei aber nicht rausgeschaut. Kaum Resonanz fand seine Idee in der Wirtschaft. «In der jetzigen Lage fehlt den Unternehmen das Geld, um solche Projekte zu unterstützen», sagt Dellenbach.

200 000 Personen gesucht

«Wichtig wäre nun vor allem, dass sich erste Personen finden, die sich dafür begeistern und den Stiftervertrag unterzeichnen», sagt er. Günstig zu haben sind die Schlösser nicht, seine Rechnung lautet deshalb: 200 000 Personen, erklären sich bereit, den minimalen Stifterbetrag von 182.50 Franken zu stiften. Das sind in einem Jahr jeden Tag 50 Rappen. Ergäbe 36,5 Millionen Franken.

Adrian Dellenbach weiss selber, dass seine Idee wohl eine Idee bleiben wird. Doch aufgeben will er noch nicht. Er wartet auf ein Echo, von der Politik, von der Wirtschaft. Vorerst ist es so, dass Luftschlösser auf Rufe kein Echo zurückwerfen.

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