Assozazione Sanpietresi
Kalabrien begegnet dem Limmattal

Die letzten Herbst gegründete Associazione Sanpietresi lud erstmals zu einer Feier.

Christian Murer
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Limmattaler Zeitung

Musik, Theater und typische kalabresische Gerichte – rund 300 Besucher erlebten im Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon einen ganz speziellen Abend. Erstmals organisierte der im vergangenen Herbst von Nachkommen aus San Pietro a Maida in Kalabrien eingewanderten Gastarbeitern gegründete Verein Associazione Sanpietriesi ein grosses Fest.

«Wir sind ein soziokultureller Verein, um die zweite und dritte Generation der Emigranten der Fünfzigerjahre einander näher zu bringen», erklärte Vereinsaktuar David Serratore. Der rund 180-köpfige Verein arbeite eng mit den Dietiker Ortsvereinen zusammen. «Damit möchten wir der Gemeinschaft danken und etwas zurückgeben, weil sie damals so viele Menschen sehr wohlwollend aufgenommen haben», erläuterte der 29-jährige Versicherungsberater.

Starker Bezug zur Heimat der Eltern

Heute, so Serratore, lebten im Limmattal gegen 1500 ehemalige Sanpietresi (siehe Kontext). Sein Vater sei im Jahre 1958 nach Dietikon gekommen, hätte jahrelang bei der Elektrolux gearbeitet und sei vor sieben Jahren mit seiner Gattin wieder nach Kalabrien zurückgekehrt. Er selber habe einen sehr starken Bezug zu seinem Ursprungsdorf. «Das ist sehr wichtig für mich», betonte David Serratore, «damit ich weiss, wo meine Wurzeln sind.» Dies solle aber keineswegs Dietikon abwerten. Im Gegenteil: «Ich fühle mich voll und ganz als Dietiker.»

Das langfristige Ziel des Vereins ist es, jeweils die 1.-August-Feier in San Pietro a Maida mit seinen rund 4300 Einwohnern zu organisieren. Am Samstag reisten allerdings nicht die Immigranten zurück in ihre Heimat, sondern luden Gäste aus Italien nach Dietikon. So weilte unter den Besuchern im Pfarreizentrum auch der Bürgermeister von San Pietro a Maida, Pietro Putame. Ebenfalls extra aus San Pietro a Maida angereist waren die Everest Jazz Ban» sowie die Theatergruppe Commedia teatrale di Pino Procopio. Zudem sorgte der Jugendchor Voci Bianche von Bruno Sonetto für gute Unterhaltung.

Dietiker Behördenvertreter zu Gast

Zu den weiteren Gästen zählten unter anderem die Dietiker Gemeinderäte Angela Gullo-Serratore und Catherine Peer. Mit Michela Tedesco-Basci von der katholischen Kirchenpflege und Zeljko Vuksanovic für die Schulpflege erwiesen weitere Behördenrepräsentanten dem Anlass die Ehre.

Gerade für Angela Gullo-Serratore und ihre Familie war der Abend etwas ganz Besonderes. «Ich gehe mindestens einmal pro Jahr mit meinen Eltern und mit meiner zwei Jahre älteren Schwester Gloria nach San Pietro a Maida», sagte der 16-jährige Kantischüler Anthony Gullo. Das bereite ihm viel Spass, weil er sich dort auch zu Hause fühle.

Anthonys Mutter, Dietiker SP-Gemeinderätin Angela Gullo, erzählte: «Meine Eltern kamen vor rund fünfzig Jahren in die Schweiz. Ich selber lebte bis Ende der fünften Klasse bei meiner Grossmutter und bei meinen Onkeln in San Pietro a Maida.» Sie sei dann ohne ein Wort Deutsch zu sprechen nach Dietikon zu den Eltern gekommen und sei hier – auch vom damaligen Schulpräsidenten Jean-Piere Teuscher – sehr gut aufgenommen worden. «Meine Eltern selber hatten es damals bestimmt nicht so einfach gehabt», sagte Angela Gullo.

Viele Geschenke verteilt

Wie gut das Zusammenleben zwischen Italienern und Schweizern heute funktioniert, strich Bürgermeister Putame in seiner Rede heraus. Er übergab Vereinspräsident Mario Gullo eine Urkunde als Anerkennung für «das grosse Engagement und die Aufrechterhaltung der Traditionen und der Bindung zur Heimat». Putame selber erhielt eine Schweizer Uhr, die Dietiker Behördenvertreter eine Flasche Olivenöl als Andenken.

Emotionaler Höhepunkt des Abends war aber nicht die Ansprache des Bürgermeisters, sondern die Vergebung des Preises Cuore di Mamma durch Mario Gullo. Sichtlich gerührt nahm Elisabetha Munia aus Wohlen diese Ehrung entgegen. «Dies ist ein Spezialpreis für eine Mutter, die eine sehr schwierige Lebenssituation erlebt hat», erklärte David Serratore. Ihr Sohn habe nämlich einen schweren Snowboard-Unfall gehabt. Die Ärzte hätten ihn damals bereits aufgegeben. «Mit viel Stärke, grossem Mut und unendlicher Liebe hat diese Frau, die ursprünglich aus San Pietro a Maida stammt, ihren 22-jährigen Sohn gepflegt», ergänzte Serratore. Es sei eine sehr langwierige Geschichte, bis der Sohn, der heute im Rollstuhl sitzt, sich mittels einer aufwändigen Therapie wieder vom Unfall erhole.

Neben den verschiedenen Ansprachen und Ehrungen gab es auch reichlich zu essen. Besonders angetan hatte es den Besuchern das typische Pastagericht mit Tomatensauce und Bohnen. Auch die Piatto freddo nostrano – die kalte Platte – fand reichlich Anklang.