Obergericht Zürich

Interesse an Giacometti-Skulptur vorgetäuscht: Dreiste Diebe kassieren mehrmonatige Haftstrafen

Alberto Giacomettis "Drei schreitende Männer": Die Diebe gaben vor, eine Skulptur des Schweizer Künstlers kaufen zu wollen. (Symbolbild)

Alberto Giacomettis "Drei schreitende Männer": Die Diebe gaben vor, eine Skulptur des Schweizer Künstlers kaufen zu wollen. (Symbolbild)

Ein Ehepaar, das bei einem dreisten Diebstahl rund um eine Alberto-Giacometti-Skulptur Schmiere stand, ist auch vom Zürcher Obergericht zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Gericht hat am Donnerstag das Urteil der Vorinstanz, des Zürcher Bezirksgerichts, bestätigt.

Es war ein Coup wie aus einem Krimi: Eine vierköpfige Gruppe - zwei Ehepaare aus Frankreich - versuchte auf Befehl eines unbekannten Drahtziehers im Jahr 2015 eine Stadtzürcher Galerie um 2,5 Millionen Franken zu erleichtern.

Das Vorgehen war einfach und raffiniert zugleich: Der Unbekannte kontaktierte die Galerie und erklärte, einer seiner Klienten sei am Kauf einer Alberto-Giacometti-Skulptur im Wert von 25 Millionen Franken interessiert.

Nach mehreren Gesprächen und einem Treffen in Mailand vereinbarten die Parteien, dass der Mann als Vermittler des Kunst-Deals eine Provision von 2,5 Millionen Franken erhalten soll. Um zu zeigen, dass die Galerie über genug Geld für die Provision verfügt, gab es im Juni 2015 ein weiteres Treffen - diesmal im Diskretraum einer grossen Bank.

Eine Mitarbeiterin der Galerie präsentierte einer der Ehefrauen, die als Buchhalterin des Unbekannten auftrat, ein Couvert voller Tausendernoten, insgesamt 1,8 Millionen Franken. Diese zählte das Geld und tauschte die 1800 gebündelten Noten in einem unbeobachteten Moment gegen Papierschnipsel aus. Das echte Geld versteckte sie unter ihrem Rock.

Als die Frau den Tresorraum verliess, wurde sie verhaftet - wie auch ihre drei in der Nähe der Bank wartenden Komplizen. Die Polizei war den Dieben schon lange auf der Spur: Die Bande hatte von Beginn an bloss mit einer vermeintlichen Mitarbeiterin der Galerie verhandelt. Die misstrauisch gewordene Galerie hatte gleich nach der ersten Kontaktaufnahme die Polizei verständigt.

Zu Gefängnisstrafen verurteilt

Das Zürcher Obergericht hat nun am Donnerstag das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom vergangenen Oktober gegen eines der zwei Ehepaare bestätigt. Der Ehemann erhielt wegen Diebstahls eine Freiheitsstrafe von 39 Monaten. Die 722 Tage, die er bereits im Gefängnis sitzt, werden ihm angerechnet.

Lange wird er aber wohl nicht mehr im Gefängnis sein. Seine Verteidigerin, die maximal 36 Monate forderte, hatte es vor Gericht ausgerechnet: Bei 36 Monaten hätte er in rund zwei Wochen zwei Drittel seiner Strafe verbüsst und würde dann entlassen werden. Nun verzögert sich dies etwas.

Seine Frau wurde wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt - 10 Monate davon unbedingt. Diese Zeit hat sie bereits abgesessen. Ihr Verteidiger wollte maximal 24 Monate.

Rolle des Ehepaars umstritten

Vor dem Obergericht ging es vor allem um die Frage, ob das Ehepaar Mittäter oder Gehilfe war. Für den Staatsanwalt leisteten die beiden "zentrale Tatbeiträge": Sie überwachten das andere Ehepaar, achteten darauf, dass dies nicht mit dem Geld verschwand, kundschafteten den Tatort aus und standen mit dem Unbekannten in telefonischem Kontakt.

Für den Staatsanwalt seien sie höher einzustufen als das andere Ehepaar, da sie sich die Finger nicht schmutzig machen mussten. Er sprach von einem raffinierten und hinterhältigen Vorgehen und forderte für den Mann 54 und für die Frau 48 Monate. Die Strafen der Vorinstanz seien zu tief angesetzt.

Die Verteidigerin des Mannes sprach hingegen von vier Marionetten, die vom Unbekannten dirigiert worden seien. "Mein Mandant war nur eine kleine Nummer", sagte sie. Er habe eine untergeordnete Rolle gehabt und sei nur dort gewesen, um das andere Paar zu beobachten. "Augen und Ohren" für den Unbekannten sein, nannte sie es.

Die Ehefrau ist gemäss ihrem Verteidiger sogar nur "ein kleines Rädchen in dieser Geschichte" und habe keine zentrale Rolle gespielt. Auch sei sie nicht Schmiere gestanden. "Man kann sie nicht zur Mittäterin machen", sagte er.

Richter: Mittäter, nicht Gehilfen

Das Obergericht sah es anders: Es bestehe kein Zweifel, dass sie das andere Paar für den Unbekannten überwachen mussten, sagte der Richter bei der Urteilseröffnung. Sie hätten die Ausführung des Diebstahls auf Schritt und Tritt begleitet, den Tatort ausgekundschaftet und seien Schmiere gestanden.

"Beide sind Mittäter und nicht bloss Gehilfen", so der Richter. Dabei habe die Frau im Vergleich zu ihrem Ehemann aber eine untergeordnete Rolle gespielt. Deshalb wurde sie auch milder bestraft.

Das andere Ehepaar wurde erstinstanzlich ebenfalls bereits verurteilt. Die Frau erhielt im abgekürzten Verfahren eine teilbedingte Strafe von 32 Monaten, der Mann muss drei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Sowohl er als auch der Staatsanwalt haben gegen sein Urteil Berufung eingelegt.

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