Medizin

Immer ruhig Blut bewahren

Auf der Chirurgie im Kantonsspital Liestal geht es nie hektisch zu und her. Selbst dann nicht, wenn in den OPs nebenan komplizierte Eingriffe durchgeführt werden.

Muriel Mercier

Die sterile Hose angezogen, den Kittel übergeworfen, in die Plastikschuhe geschlüpft, Mundschutz angebracht und Häubchen aufgesetzt - erst dann dürfen sich Arzt, Schwester oder Pfleger den Operationssälen nähern. Auf den Gängen herrscht keine Hektik, die Mitarbeitenden bereiten sich ruhig auf die bevorstehenden Operationen vor.

Christoph Maurer, Chefarzt der Chirurgie, steht ein Gallenblasen-Eingriff bevor. In 95 Prozent der Fälle kann er diesen Eingriff mit der Schlüssellochtechnik ausführen. Dabei werden alle notwendigen Instrumente über kleinere Hautschnitte am Nabel eingeführt und das Organ geborgen. «Bei diesem Patienten geht das nicht, denn er hatte schon viele Voroperationen.» Der Bauch sei zu verwachsen, sagt Maurer.

Um den Spezialisten für Bauch- und Tumorchirurgie herum stehen weitere drei Ärzte, zwei technische Operationsfachfrauen (TOA), die dem Arzt die Instrumente und Materialien reichen, ein Lagerungspfleger und zwei Narkoseärzte. Die Stimmung ist entspannt, jeder konzentriert sich auf seine Arbeit.

Im Kantonsspital Liestal stehen im Operationsbereich neben den Ärzten TOAs, Anästhesisten, und Pfleger ab 7 Uhr morgens für das Tagesprogramm im ständigen Einsatz. Die Pfleger nehmen die Patienten entgegen und achten darauf, dass diese auf dem OP-Tisch richtig gelagert sind. Zudem ist ein eigens für die chirurgische Abteilung verantwortliches Reinigungsteam auf den Gängen unterwegs. Oberstes Gebot ist, dass die Patienten nie lange warten müssen. OP-Koordinatorin Antje Moser hat den Überblick über alle Aktivitäten im Operationsbereich: «Ich sehe auf dem Computer auf einen Blick, wie weit fortgeschritten die OPs sind.»

Je nach Gewicht andere Implantate

Während sich Oberarzt Bruno Loosli im zweiten OP-Saal um eine verengte Stelle im Dickdarm seiner Patientin kümmert, liegt vor dem Orthopäden Beat Hintermann ein Sportler auf dem Tisch, dessen Achillessehnen verkürzt werden müssen. In seinem OP gelten besonders strenge Verhaltensregeln. Es muss unbedingt alles steril sein, denn Knochen reagieren sehr empfindlich auf die Übertragung von fremden Keimen, erklärt der Spezialist für Fuss- und Sprunggelenke. Orthopädie-Pfleger Borislav Kezic sorgt im Nebenzimmer dafür, dass jederzeit genügend der verschiedenen Implantate vorhanden sind. «Je nach Gewicht und Vitalität brauchen die Patienten unterschiedliche Hüft-, Schulter- oder Knieprothesen.»

Mittlerweile hat Chefarzt Maurer die Gallenblase entfernt und legt den Gallenstein - olivengross und schwarz - in eine Schale. Das enfernte Material - Gallenstein und Blase - werden nun von einem Pathologen auf Tumorzellen untersucht.

Bekannt für viele Ausbildungsplätze

Das Spital Liestal geniesst den Ruf eines bedeutenden Ausbildungszentrums. «In diesem Jahr sind 90 Auszubildende der Pflege bei uns», rechnet Berufsbildner Andreas Knaus vor. Seit fünf Jahren existiert in beiden Basel die Lehre als Fach-Frau/Mann-Gesundheit (Fage). Eine Ausbildung, die ab 16 Jahren gemacht werden kann.

Wer will, kann eine dreijährige Ausbildung zur Pflege mit höherer Fachschule dranhängen (HF). Während die FAGEs neben Pflege auch technische Verrichtungen wie Infusionen machen, ist eine HF noch für die Koordination der Patientenbetreuung zuständig. Ziel ist, das Interesse an Pflegeberufen zu wecken: «Es gibt zuwenig Pflegefachleute. Mit unserem Angebot wollen wir dem entgegenwirken», so Knaus.

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