Gesundheitsdirektorin
Hochuli setzt erste Wegmarken

Der 1. Januar 2012 ist für das Schweizer Gesundheits- und Spitalwesen ein wichtiger Tag. Er ist auch in der Agenda der neuen Aargauer Gesundheitsdirektorin rot angestrichen.

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Kantonsspital Aarau

Kantonsspital Aarau

Aargauer Zeitung

Hans Fahrländer

Regierungsrätin Susanne Hochuli, seit fünf Monaten Vorsteherin des Departementes Gesundheit und Soziales (DGS), nutzte ihren Auftritt am hochkarätig besetzten Roundtable in der Rehabilitationsklinik Bad Schinznach (aarReha) zur Skizzierung ihres Reformweges. Es sind erst Wegmarken - oder Gefässe, die in den nächsten zwei Jahren mit Inhalten gefüllt werden müssen.

Die neue Spitalfinanzierung

Die meisten Anläufe zur Verbesserung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) wurden in den letzten Jahren blockiert - einer ist gelungen: Im Dezember 2007 beschloss das eidgenössische Parlament, auf Anfang 2012 die Spitalfinanzierung auf eine neue Grundlage zu stellen. Die vier wesentlichen Änderungen:
- Die Kantone wechseln bei der Finanzierung von der Defizitabgeltung zur Vergütung effektiv erbrachter Leistungen. Geld fliesst also nicht mehr automatisch.
- Ein bestimmter Eingriff soll überall gleich viel kosten. Basis für die Vergleichbarkeit bilden die schweregradbereinigten Dia-gnosis Related Groups (DRG).
- Die Kantonsgrenzen bei der Spitalplanung sollen fallen.
- Öffentliche und private Klinken werden gleichgestellt. (FA)

Gesundheitswesen Aargau 2012

«Das Gesundheitswesen muss qualitativ und quantitativ den gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht werden und trotzdem bezahlbar bleiben.» Entlang diesem Motto entwickelte die Gesundheitsdirektorin nach Gesprächen mit allen Leistungserbringern und Interessenvertretern ihre Ziele. Zunächst soll die aus dem Jahr 2005 stammende Gesundheitspolitische Gesamtplanung bis Ende 2009 überarbeitet werden.

Unter der Dachmarke «Gesundheitswesen Aargau 2012» sollen in der Folge sechs Teilprojekte entwickelt werden:

Vollzug des revidierten Krankenversicherungsgesetzes des Bundes (KVG);
- Akutspital-Konzeption;
- Rehabilitations-Konzeption;
- Psychiatrie-Konzeption;
- Pflegeheim-Konzeption;
- Prävention.

Knackpunkt Spitalliste

Besonderes Gewicht legt Regierungsrätin Hochuli auf die Prävention. Wenn es gelinge, Geld für «Reparaturen» einzusparen, würden Mittel für andere Bereiche freigesetzt. Trotzdem weiss natürlich auch sie: Im Fokus stehen im Moment die Spitäler, wo mit Abstand am meisten Geld ausgegeben wird. Hochuli: «Die Frage, die mir in den letzten Wochen am meisten gestellt wurde, lautete: Wie verhält es sich denn mit der Spitalliste?»

Auf Anfang 2012, wenn die neue Spitalfinanzierung umgesetzt sein muss, wird sie eine neue Liste präsentieren. Ein Platz auf der Liste ist für alle Häuser, öffentliche und private, von existenzieller Bedeutung, denn er berechtigt zu Subventionen des Kantons. «Grösse ist nicht das Kriterium, sondern Exzellenz», betonte die Magistratin.

«Gute Chancen hat, wer nicht auf dem Status quo beharrt und in Teilbereichen Spitzenleistungen bietet.» Susanne Hoch-uli schloss ausdrücklich auch interkantonale Kooperationen nicht aus. Ob es zu Spitalschliessungen kommen wird, konnte (wollte) sie noch nicht sagen.

Hoffnungen und Ängste

Der 9. Schinznacher Roundtable wurde erstmals von Eveline Wiederkehr eröffnet. Sie leitet seit wenigen Monaten als Nachfolgerin von Hans Dössegger die Reha-Klinik. Nach dem einleitenden Statement der Regierungsrätin stellten sich namhafte Experten den Fragen von Gesundheitsökonom Willy Oggier zur Spitalfinanzierung: Urs Karli, CEO des Kantonsspitals Aarau, Matthias Mühlheim, Administrativ-Direktor der Reha Rheinfelden, Rita Ziegler, Vorsitzende der Spitaldirektion des Unispitals Zürich, und Otto Bitterli, CEO der Krankenkasse Sanitas.

Bitterli befürchtet bei der bevorstehenden Umpflügung der Schweizer Spitallandschaft den Zusammenstoss zweier Systeme: des wettbewerbsfördernden, kantonsübergreifenden neuen Finanzierungsmodells und der nach wie vor gesetzlich vorgesehenen Spitalplanung der Kantone.

Rita Ziegler gab sich weniger pessimistisch: Die Patienten würden «mit ihren Füssen» dafür sorgen, dass nicht die kantonsgeschützten, sondern die besten Spitäler überlebten. Ziegler: «Die Spitäler, die ihre Hausaufgaben nicht rechtzeitig machen, werden von der Bildfläche verschwinden.»

Bereits Erfahrungen mit dem neuen Modell haben gemäss Urs Karli die aargauischen Spitäler. Und diese Erfahrungen seien durchwegs positiv. Die Fallpauschalen förderten den Wettbewerb und die Selbstständigkeit der öffentlichen Häuser und vergrösserten die Wahlfreiheit der Patienten.

Matthias Mühlheim betonte, die Reha-Kliniken seien nicht einfach «Anhängsel» der Akutspitäler. Sie bildeten ein eigenes Fachgebiet und bedürften einer eigenen Tarifstruktur. Sie seien nicht bereit, die Folgen des neuen Systems zu tragen - in Form von zu früh aus dem Spital entlassenen Patienten.