Zürich

Häute häufen sich – und aus Fleischresten wird bald Biogas

Schlachthof Zürich: Verarbeitet pro Jahr fast 28 Millionen Tonnen Fleisch – und könnte bald auch für Biogas sorgen. (Bild: Matthias Scharrer)

Schlachthof

Schlachthof Zürich: Verarbeitet pro Jahr fast 28 Millionen Tonnen Fleisch – und könnte bald auch für Biogas sorgen. (Bild: Matthias Scharrer)

28 Millionen Kilo Fleisch verarbeitet der Schlachthof Zürich voraussichtlich dieses Jahr. Die Verarbeitung der Schlachtabfälle, die vielen stank, exportiert er inzwischen.

Matthias Scharrer

Der Schlachthof Zürich macht gute Geschäfte: Vergangenes Jahr verarbeitete er 27,6 Millionen Kilogramm Fleisch. Fürs laufende Jahr rechnet Hans Rudolf Hofer, Chef der Schlachtbetrieb Zürich AG, mit 28 Millionen Kilo. Dabei fällt auch tonnenweise Material an, das niemand isst. Jahrelang sorgte die geruchsintensive Resteverwertung für Unruhe im Quartier beim Letzigrund. Anwohner machten ihrem Ärger im Verein «Eus stinkt's» Luft. Inzwischen ist es ruhiger geworden um den Schlachthof, wenn auch der Streit noch nicht ausgestanden ist (siehe separater Text). Doch was geschieht heute mit den Fleischresten?

Standort Zürich auf der Kippe

Die Firma Centravo hat ihre letzte Verarbeitungsstelle für Schlachtnebenprodukte beim Schlachthof Zürich vor einem Jahr aufgehoben und die Verarbeitung in Lyss BE und Othmarsingen AG konzentriert. Ihren Firmensitz hat sie zwar noch auf dem Zürcher Schlachthof-Areal. Womöglich allerdings nicht mehr lange: «Es gibt Pläne, den Standort Zürich ganz aufzugeben», sagt Centravo-Sprecher Georg O. Herriger. In etwa zwei Jahren dürfte es so weit sein. Damit würden acht Arbeitsplätze von Zürich nach Lyss verlegt.

Vom Schlachthof Zürich übernimmt Centravo nach wie vor die Häute und Felle zur Weiterverarbeitung. Doch sie stapeln sich derzeit in den Lagerhallen in Lyss. «Die Preise sind zusammengebrochen», erklärt Herriger. Grund sei die weltweite Krise der Automobilindustrie, einer der Hauptabnehmerinnen für Leder. Die Einbussen versucht Centravo nicht zuletzt mit Innovationen aufzufangen. Derzeit testet die Firma in Zusammenarbeit mit einem deutschen Hersteller die Chancen des Treibstoffs Biodiesel Plus auf dem Schweizer Markt. Für den Fall, dass Biodiesel hierzulande genug Abnehmer findet, hat Centravo ein weit gediehenes Projekt in der Schublade: Ein Baugesuch für Anlage zur Biodiesel-Herstellung aus Tierfetten in Lyss ist genehmigt. Den Entscheid, ob die Anlage gebaut wird, fällt Centravo laut Herriger im Laufe des nächsten Jahres. Ein Jahr später könnte die Anlage bereits den Betrieb aufnehmen.

Biogas ab 2010?

Während der Schlachthof Zürich Häute und Felle nach Lyss exportiert, gelangt das Gros der übrigen Schlachtabfälle zur Firma TMF im sankt-gallischen Bazenheid. Neben Centravo ist TMF der zweite grosse Schlachtabfall-Verwerter in der Schweiz.

Die früher übliche Verfütterung von Tiermehl hat der Bund nach dem Aufkommen des Rinderwahnsinns verboten. In der TMF Bazenheid werden die Fleischreste aus Zürich und der halben Schweiz daher zum einen zu Tiermehl verarbeitet, das in Zementwerken verheizt wird. Zum anderen macht die TMF Bazenheid aus den Fleischresten Extraktionsfett, das sie zur betriebsinternen Dampferzeugung verwendet.

Doch auch hier bestehen grosse Innovations-Pläne: Das Baugesuch für eine Anlage zur Umwandlung von Tiermehl in Biogas ist eingereicht. Ende 2010 könnte die Anlage den Betrieb aufnehmen, ist in der TMF Bazenheid zu erfahren. Das Vertrauen in die neue Verwertungsmethode ist offenbar gross: Während die TMF Bazenheid heute jährlich knapp 50 000 Tonnen Schlachtabfälle verarbeitet, ist die maximale Kapazität der Biogas-Anlage auf 80 000 Tonnen angelegt. Die Schlachtbetrieb Zürich AG lieferte letztes Jahr laut Angaben der TMF insgesamt 3900 Tonnen Schlachtabfälle nach Bazenheid.

Meistgesehen

Artboard 1