Restaurant Grenchner Hof
Haarscharf an der Liquidation vorbei

Das Restaurant Grenchner Hof ist beliebt für seine Fischspeisen. Doch wegen eines verpassten Gerichtstermins las die fassungslose Kundschaft des Gourmettempels im Schweizerischen Handelsamtsblatt vom Konkurs des beliebten Lokals.

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«Grenchner Hof»

«Grenchner Hof»

Solothurner Zeitung

Hans Peter Schläfli

«Das darf doch nicht wahr sein, dass Grenchen seinen einzigen Gourmettempel verliert.» So lautete eine typische Reaktion auf die traurige Meldung im Schweizerischen Handelsamtsblatt SHAB. Denn dort steht schwarz auf weiss: «Grenchner Hof GmbH in Liquidation. Mit dem Urteil vom 14. Juli 2009, 10:30 Uhr, hat der Amtsgerichtspräsident von Solothurn-Lebern über die Gesellschaft den Konkurs eröffnet; demnach ist die Gesellschaft aufgelöst.»

Immobilientreuhänder Urs Leimer traf beim Mittagessen fast der Schlag. «Davon ist mir absolut nichts bekannt», sagte er - und liess gleich in der Buchhaltung nachschauen. «Nein, die Miete wurde immer bezahlt. Der Grenchner Hof hat absolut keine Ausstände bei uns.»

Urs Leimer weist auf Robert Laskis hervorragenden Ruf in der Gastroszene hin. Vor einem halben Jahr hat der Betreiber mit dem «Grenchner Hof» erst die Auszeichnung «Goldener Fisch» an Land gezogen. Das Speiserestaurant ist am Wochenende oft ausgebucht und für seine Fischküche weit herum beliebt.

Es war ein verpasster Gerichtstermin

Der «Grenchner Hof» hat gerade Betriebsfereien, und Robert Laski ist auf Reisen. Das heizt natürlich die Spekulationen an. Bleibt der «Grenchner Hof» nun für immer geschlossen? «Ich gehe davon aus, dass am 3. August das Restaurant wieder ganz normal öffnen wird, und alles nur ein Sturm im Wasserglas ist», spricht Urs Leimer seinem Geschäftsfreund das volle Vertrauen aus.

«Nein, nein, den ‹Grenchner Hof› wird es weiterhin geben», meldet sich Betreiber Robert Laski per Telefon aus den Ferien. «Die GmbH wird natürlich nicht liquidiert. Ich würde doch ein Restaurant, das so gut läuft, niemals aufgeben.»

Das einzige Problem sei ein verpasster Gerichtstermin gewesen. «Aus meiner Zeit im ‹Rössli› Nennigkofen ist noch ein Rechtsstreit offen. Deshalb habe ich eine Rechnung von rund 1200 Franken extra nicht bezahlt. Ich wollte einen Gerichtsfall provozieren. Nur habe ich dann dummerweise den Gerichtstermin vergessen», erklärt Robert Laski die Situation.

Die gegnerische Partei habe zum Eintreiben des Geldes einen Inkassobetrieb beauftragt. Diese Inkasso-Rechnung wolle er nicht bezahlen. Denn eigentlich sei er es, der im Rechtsstreit noch Geld erhalten sollte. Robert Laski wollte ein Exempel statuieren - und das hat sich wie ein Boomerang gegen ihn gewendet.

Gleich am Tag nach dem vergessenen Termin habe er Schadensbegrenzung betreiben müssen. «Ich habe die Inkasso-Rechnung sofort bezahlt, und auch die Gerichtskosten von rund 600 Franken. Erst dann bin ich in die Ferien verreist», erklärt Laski. «Ich habe die Angelegenheit bereits vor dem Obergericht geregelt.»

Keine Auskunft ist auch eine Auskunft

Ein Gericht darf zu hängigen Verfahren keine Kommentare abgeben. «Wenn die Konkurseröffnung rechtskräftig wäre, dann dürfte ich Auskunft geben», sagt Gerichtspräsident Daniel Wormser sibyllinisch. Diese rechtlich absolut korrekte Nichtauskunft darf für den «Grenchner Hof» als positiv interpretiert werden: Robert Laski hat das Problem, das er sich durch den verpassten Gerichtstermin selbst eingebrockt hatte, wohl im letzten Moment tatsächlich noch in den Griff bekommen.

Der im Schweizerischen Handelsamtsblatt veröffentlichte Konkurs und die Liquidation seiner Firma müssen deshalb wohl nicht durchgeführt werden. Aber was wäre passiert, wenn Robert Laski seinen vergessenen Gerichtstermin nicht plötzlich noch bemerkt hätte? Wenn er in seine wohlverdienten Ferien verreist wäre und so den letztmöglichen Termin für die Abwendung der Firmenauflösung auch noch verpasst hätte?

So dürfen sich die Gourmets darauf freuen, dass sie nach den Betriebsferien, ab dem 3. August, im «Grenchner Hof» wieder leckeren Fisch serviert bekommen.

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