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Es gab keine grossen Würfe für ihn

Werner Steiner ist der prominenteste Gemeindeammann im Suhrental: Er schritt schon einmal über den roten Teppich zu einer Filmpremiere und überreichte einer Regierungsrätin einen Blumenstrauss.

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Werner Steiner

Werner Steiner

Aargauer Zeitung

Barbara Vogt

Der Gemeindeammann erinnert sich gerne an den 1. Dezember 2008: Am Abend nach der Gemeindeversammlung beglückwünschte er Mitbürgerin Susanne Hochuli zu ihrer Wahl als Regierungsrätin. «Ich hatte eine Saufreud», sagt Werner Steiner. SVP-Politiker hätten ihn vor der Wahl angefragt, ob «d Susanne» wählbar sein.

«Natürlich», habe er geantwortet. «Die hat Power.» Just vor einer Woche erlebte Werner Steiner einen weiteren Höhepunkt als Gemeindeammann: die Premiere des Schweizer Fernsehfilms «Frühling im Herbst» in Reitnau. Voller Stolz schritt er über den roten Teppich. Ein Wermutstropfen: Ausgerechnet die Filmszene, in der er im «Bären» einen Jass klopfte, wurde weggeschnitten.

«Irrungen sind menschlich»

Ansonsten seien seine Jahre als Ammann ruhig verlaufen. «Grössere Würfe» habe es nicht gegeben, dafür viele kleine, wichtige Geschäfte: der Ausbau der Kläranlage Attelwil-Moosleerau-Reitnau, die Gründung des Forstbetriebs oberes Suhrental, der Zusammenschluss der Feuerwehr Reitnau-Attelwil. «Das war eine gfreuti Sache.» Die Schliessung der Bezirksschule Reitnau habe ihm wehgetan, erinnert sich Werner Steiner an die trübe Abschlussfeier im Sommer 2007. Aber die Entscheidung sei schon die richtige gewesen. «Wir mussten die Vernunft walten lassen.»

Glücklich sei er gewesen, wenn eine Gemeindeversammlung ohne «Knatsch» über die Bühne ging. «Die Entscheide des Souveräns habe ich akzeptiert.» Innerhalb des Gemeinderates ging es immer um die Sache. Man habe keine Parteipolitik betrieben, auch wenn vier SVPler beieinandersassen. «Wir suchten nach Lösungen, die für die Bevölkerung tragbar waren.» Steiner ist von Natur aus fröhlich und gesellig. Ein Bodenständiger. «Ich habe die Menschen gern. Der Kontakt zu ihnen ist mir wichtig. Ich muss sie spüren.» Feste wie das Argovia- Fest im Reitnauer Widenmoos genoss er in vollen Zügen.

Als er 1997 auf Anhieb zum Gemeindeammann gewählt worden war, hob er nicht ab. «Ich wollte nie mehr scheinen, als ich bin.» Und als Einwohner ihn auf der Strasse mit «Grüessech, Herr Gemeindeammann» ansprachen, ging ihm dies doch etwas zu weit. «Die meisten Leute kenne ich seit ihrer Kindheit.»

Ein Rücktritt im Gemeinderat Reitnau

Werner Steiner (66) demissioniert Ende Jahr als einziges Gemeinderatsmitglied. Er wurde 1997 in den Gemeinderat und als Gemeindeammann gewählt. «In meinem Alter macht man keine grossen Umwege mehr», witzelt der SVP-Politiker. Er betreute die Ressorts Finanzen, Verwaltung, Polizei, Forst und Ortsbürgergemeinde. Steiner hat zwei erwachsene Kinder und war bis zu seiner Pensionierung Direktionsmitglied einer Treuhandfirma. An der gestrigen Gemeindeversammlung wurde Werner Steiner verabschiedet. Regierungsrätin Susanne Hochuli hielt eine Laudatio auf den zurücktretenden Gemeindeammann. (bA)

Kaum ein anderer aus der Gemeinde weiss über Reitnau so gut Bescheid wie Werner Steiner. «Ich bin durch und durch ein Reitnauer. Acht Jahre lang habe er «fremdes Brot» im Bernbiet gegessen, dann sei er ins Suhrental zurückgekehrt. Mit leuchtenden Augen erzählt er davon, wie seine Grossmutter ihn als Kind aufs Leiterwägeli gesetzt und ins Moos gefahren habe.

Jugendliche sollen handeln

Zu jungen Menschen hat Werner Steiner einen besonders guten Draht. «Mein Haus steht immer offen für sie.» Einen Jugendtreff wollte er dennoch nicht realisieren für sie. «Ich bin dagegen, dass Jugendliche nur konsumieren. Sie müssen die Initiative selber ergreifen.» Werner Steiner war offen für die Zusammenarbeit der Suhrentaler Gemeinden. Doch von einer Fusion hält er wenig, dies führe zu einer Marginalisierung. Auch sind die Gemeinden Attelwil und Reitnau noch nicht reif für eine Fusion. Seit Steiner sich erinnern kann, gibt es zwischen den beiden Gemeinden Animositäten. Was nicht weiter schlimm sei, denn: «Was sich liebt, das neckt sich.»