Taizé
Eine Nacht im Geist von Taizé

Das ökumenische Abendgebet findet heute in der Reformierten Stadtkirche Solothurn und morgen in der römisch-katholischen Kirche St. Martin in Olten statt. Menschen aller Altersgruppen fühlen sich von Nacht der Lichter angezogen.

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Christian von Arx

Wie viele Teilnehmer erwarten Sie an der Nacht der Lichter?
Christina Schenker: Wenn es so ist wie vor zwei Jahren, werden wir zwei volle Kirchen haben - in Solothurn und Olten je über 1000 Personen.

Organisatoren Reto Bichsel (46) ist reformierter Pfarrer in Kriegstetten. Er wirkt im OK der Solothurner Nacht der Lichter als Vertreter der reformierten Landgemeinden mit.Christina Schenker (32), Olten, ist Mitarbeiterin der römisch-katholischen Fachstelle Jugendseelsorge Kanton Solothurn, die die Nacht der Lichter mitinitiiert hat.

Organisatoren Reto Bichsel (46) ist reformierter Pfarrer in Kriegstetten. Er wirkt im OK der Solothurner Nacht der Lichter als Vertreter der reformierten Landgemeinden mit.Christina Schenker (32), Olten, ist Mitarbeiterin der römisch-katholischen Fachstelle Jugendseelsorge Kanton Solothurn, die die Nacht der Lichter mitinitiiert hat.

Was sind das für Leute?
Reto Bichsel: Ein guter Teil sind Jüngere, aber auch Leute, die jung geblieben sind in ihrer Art, mit dem Leben umzugehen. Taizé spricht Menschen an, die ein Unterwegssein pflegen, die nach einem Lebenshintergrund, einem Zentrum suchen. Viele waren selbst schon in Taizé und möchten dieses Erlebnis abrufen, wieder in diese Atmosphäre eintauchen.
Christina Schenker: Aber auch meine Eltern, die um die 70 sind, werden kommen. Taizé verkörpert eine Haltung zur Welt, die viele anspricht: Die ökumenischen Gottesdiente haben eine hierarchiefreie Form, man ist Teil einer grossen Besucherschar. Alle singen und beten im Hinblick auf das Göttliche.

Was erwartet die Teilnehmer an der Nacht der Lichter, und was müssen sie selbst beitragen?
Reto Bichsel: Eine stimmungsvolle Feier, wo man willkommen ist und sich Gedanken über sein Leben machen kann. Offenheit und dass man etwas sucht ist fast die einzige Voraussetzung, die man mitbringen sollte.
Christina Schenker: ... und vielleicht die Freude an der Musik.

Welche Beziehung haben Sie persönlich zu Taizé?

Reto Bichsel: Das erste Mal war ich mit 16 Jahren dort, als Konfirmand. Atmosphäre und Stimmung machten mir Eindruck. Da sass ich von halb neun Uhr bis Mitternacht in der Kirche, eingefangen von Geborgensein und Gemeinschaft mit all den Anwesenden. Seither war ich mehrmals mit Jugendlichen in Taizé, in den letzten Jahren einmal jährlich mit Erwachsenen. Das ist für mich eine Kraftquelle, sozusagen ein «Bad im Heiligen Geist».

Christina Schenker: Ich war schon mehrmals mit Jugendlichen in Taizé. Darunter waren auch solche, die der Sache skeptisch gegenüber standen, denen es dann aber «den Ärmel hereinnahm». Da sind manchmal 4000 Jugendliche aus verschiedenen Ländern, und es funktioniert einfach, alle helfen mit, wo es nötig ist. In der Kirche mit Tausenden von Anwesenden kann eine tiefe Ruhe herrschen. Die Brüder von Taizé meinen das, was sie sagen und tun, völlig ernst. Das fasziniert junge Menschen.

Reto Bichsel: Die Brüder strahlen Gastfreundschaft aus. Sie hören sich an, was die Jugendlichen sagen. Auch dass viele junge Männer in der Klostergemeinschaft leben, beeindruckt die Jugendlichen. Sie spüren: Die Religion ist ernst gemeint. Und nicht nur etwas für alte Leute.

Was ist das Wesentliche an Taizé?
Christina Schenker (denkt lange nach): Man ist dort mit Gott auf du und du. Ohne Türsteher.
Reto Bichsel: Die Offenheit, das Unterwegssein, das Auf-der-Suche-Sein. Die Jugendlichen haben Sehnsucht nach etwas Verbindlichem, das trägt im Leben, und wissen vielleicht gar nicht, ob es Gott ist. In Taizé finden sie eine eigene Form zum Beten, sind nicht an eine fixe Form gebunden wie meist bei uns in den Gottesdiensten.

Kann man Taizé wirklich auch in Solothurn und Olten erleben, in der Nacht der Lichter?
Reto Bichsel: Es ist nie Taizé 1:1. Aber es ist wie eine Insel im Alltag. Das Erleben einer Gemeinschaft, in der sich ganz viele andere Menschen ebenso nach Frieden sehnen und nach dem, was hinter dem Leben steht. Das kann man mit den Gesängen und den Hunderten von Kerzen gut erleben.

Nacht der Lichter

Die Nacht der Lichter findet heute Freitag um 20.30 Uhr in der reformierten Stadtkirche Solothurn, morgen Samstag, 20.30 Uhr, in der Kirche St. Martin in Olten statt. Ab 18 Uhr Singatelier (Chorprobe). 18.30 Uhr Gesprächsrunden zu Taizé. Ab 20 Uhr Einstimmung in der Kirche. 20.30 Uhr Gebet mit Gesängen aus Taizé, bis 23 Uhr offenes Ende. (otr)

www.nachtderlichter.com

Taizé gab einst starke Impulse für die Ökumene. Wie sieht das heute aus, wo die ökumenische Entwicklung stockt?
Reto Bichsel: Bei grossen ökumenischen Anlässen greifen die Kirchen sehr stark auf die Gesänge und Formen von Taizé zurück. Auch für Orthodoxe sind sie ein gemeinsamer Nenner. In Sachen Ökumene gibt es eine Kluft zwischen den Kirchenleitungen und den Leuten an der Basis.
Christina Schenker: Das sehe ich auch so: An der Basis haben die Leute viel weniger Mühe mit der Ökumene. Wer nicht theologisch oder liturgisch gebildet ist, stellt oft gar nicht fest, wenn etwas nicht «korrekt» katholisch oder reformiert ist. Für die Gläubigen ist wichtig, ob ein Gebet die Möglichkeit zu einer spirituellen Erfahrung gibt oder nicht. Die Form ist weniger wichtig.
Reto Bichsel: Das gilt speziell für Jugendliche, die heute heranwachsen. Für die Älteren ist die gewohnte Form vielleicht noch wichtiger.

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