Dietikon
Ein Rohstoff im Wandel der Zeit

Seit 100 Jahren hat Dietikon ein eigenes Gasnetz. In dieser Zeit hat sich die Nutzung verändert und der Absatz massiv zugenommen. Nun präsentieren sich neue Herausforderungen.

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Gastankstelle

Gastankstelle

Limmattaler Zeitung

Bettina Hamilton-Irvine

Vor gut hundert Jahren hatte Dietikon noch nicht einmal eine eigene Gasversorgung. Unterdessen hat die Stadt einen Gasverbrauch von rund 80 Millionen kWh, ist Aktionärin eines Erdgasverbundes und hat eine eigene Gastankstelle. Und es sieht ganz so aus, als würde auch in Zukunft einiges in Bewegung bleiben.

Morgen feiert die Dietiker Gasversorgung ihr 100-Jahr-Jubiläum - und kann auf ein ereignisreiches Jahrhundert zurückblicken. Nachdem die Stadt Zürich 1897 in Schlieren ein Gaswerk erbauen liess, hatte Dietikon bereits ein Werk in unmittelbarer Nähe. Doch erst im Februar 1909 wurde die Einführung der Gasversorgung in Dietikon beschlossen. Das Gasnetz konnte schon wenige Monate später in Betrieb genommen werden. Viele Dietiker Häuser installierten danach Gasbeleuchtungen und benutzten Gas zum Kochen.

1974 fand der Wechsel von dem durch Kohlevergasung hergestellten Stadtgas auf Erdgas statt. Seither hat der Gasabsatz um das 20-fache zugenommen. Doch in den letzten Jahren hat sich dieses Wachstum wieder etwas abgeschwächt, wie Arthur Huber, Leiter der Dietiker Werkabteilung, erklärt. Aufgrund von besser isolierten Gebäuden und verschärften Energiegesetzen nehme der allgemeine Energiebedarf im Moment eher ab. «Im Bereich Gas gibt es noch eine gewisse Zunahme des Absatzes, jedoch weniger stark als früher.» In den letzten Jahren habe man sich verstärkt darauf konzentriert, das Gasversorgungsgebiet noch zu verdichten, so Huber. So würden zum Beispiel bei Heizungsanierungen zumeist Gasheizungen eingebaut.

Noch nicht genau abschätzen lässt sich die Entwicklung im Bereich der gasbetriebenen Fahrzeuge. Seit eineinhalb Jahren hat Dietikon an der Überlandstrasse ihre eigene Gastankstelle, welche laut Huber soeben etwa den ersten geplanten Jahresabsatz erreicht hat. Werkvorstand Jean-Pierre Balbiani sagt dazu: «Die Tankstelle rentiert im Moment noch nicht.» Doch dies sei zu erwarten gewesen. Man gehe davon aus, dass sie etwa ab dem achten Jahr kostendeckend sein werde.

«Unsere Gastankstelle liegt günstig, und wir verzeichnen eine schöne Zunahme», sagt Huber. «Doch die Tendenz für die Zukunft hängt stark davon ab, wie sich die Fahrzeugindustrie weiterentwickeln wird.» In der Schweiz gäbe es bereits über 100 Gastankstellen. «Die Chancen stehen gut, dass in diesem Bereich in Zukunft nochmals eine Zunahme des Absatzes stattfindet», so Huber.

Doch die Gasversorgung sieht sich auch mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Insbesondere die massiv gestiegenen Gasbeschaffungskosten bereiten dem Leiter der Werkabteilung einiges Kopfzerbrechen. «Das letzte Jahr war ein sehr schwieriges Jahr mit einem unglaublichen Anstieg der Energiekosten», meint Huber. Doch in dieser Hinsicht habe es sich als einen grossen Vorteil herausgestellt, dass Dietikon nun Teil eines Gasverbundes sei.

2006 entschied der Dietiker Stadtrat, sich an der Erdgas Regio AG zu beteiligen, welche den Auftrag hat, für 20 selbstständige Gasversorgungen gebündelt Erdgas zu besorgen. So kann für Dietikon der Zugang zu Erdgas sichergestellt werden. Huber: «Es hat sich gezeigt, dass dies ein sehr guter Schritt war.»

Auch die Liberalisierung des Gasmarktes könnte sich als grosse Herausforderung präsentieren. Man könne sie zwar nicht ablehnen, so Huber, denn: «Wenn sie kommt, dann kommt sie.» Doch sei es wichtig, dass man sicherstelle, dass kleine und mittlere Kunden nicht benachteiligt würden.
Man schaue jedoch trotz Herausforderungen optimstisch in die Zukunft, sagt Huber: «Wir sind mit Sicherheit für die nähere Zukunft gut positioniert. Was nachher kommt, weiss niemand.»