Bildung
Die Sprache als Schlüssel

Mit der Integration leistungsschwacher Kinder in den Schulbetrieb haben sich gestern in Sissach über 100 Bildungsverantwortliche des Kantons befasst.

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Schule

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Jürg Gohl
«In den meisten Schulen nehmen die Abstände zwischen leistungsschwachen und leistungsstarken Schülern im Lauf des Schuljahres zu.» Bildungsexperte Winfried Kronig von der Universität Fribourg konnte sich selber aus einer früheren Publikation zitieren, als er gestern im Schloss Ebenrain in Sissach über die Tücken des Bildungssystems sprach. Der Spezialist für Sonderpädagogik führte an der ersten Baselbieter Bildungstagung zum Thema Chancengleichheit, an der 120 Lehrerinnen und Lehrer, Bildungspolitiker aller Parteien sowie die zentralen Bildungs- und Schulverantwortlichen des Kantons teilnahmen, vertieft in die Thematik ein, welche das Gremium darauf einen Tag lang beschäftigen sollte.

Kronig zeigte vor allem auf, dass die Lernerfolge von Kindern mit ausländischen Wurzeln tatsächlich von Kanton zu Kanton variieren. «Der Wohnkanton entscheidet mindestens ebenso stark über den Erfolg wie das Herkunftsland», behauptet er. Aus diesem Grund hat sich gestern die grosse Runde auf Einladung des Amts für Volksschulen zusammengefunden: Wege sollen diskutiert werden, die in den Schulstuben zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen.

Die Sprache und die Eltern

Regierungspräsident Urs Wüthrich spricht von zwei «Säulen», auf die sich der Bildungserfolg massgeblich abstützen muss. Die aktiv wie passiv beherrschte Sprache bezeichnet der Bildungsdirektor als zentrale Voraussetzung, um in der Schule erfolgreich zu sein. Zudem fordert er von den Bildungsverantwortlichen eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den Eltern. «Kinder sind nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern immer auch Töchter und Söhne.»

Bei der Forderung nach Chancengleichheit, einem zentralen Anliegen im geplanten Bildungsraum Nordwestschweiz, wird auch an ausländische Kinder gedacht. Aber nicht nur. «Sprachkompetenz betrifft natürlich auch Schweizer Kinder. Auch bei ihnen spielt es für ihre Zukunft eine grosse Rolle, ob die Eltern mit ihnen sprechen und ihnen Geschichten vorlesen», sagt Regula Meschberger, die den Anlass mitorganisierte - nicht als SP-Landrätin, sondern als Pädagogik-Fachfrau und Leiterin der Primarschule Birsfelden. Sie bot gestern auch ein sogenanntes Praxisfenster an zum Thema der interkulturellen Vermittlung. Gerade in der Vorwoche stand in Birsfelden eine türkische Kulturwoche auf dem Stundenplan, die wohl heftige Proteste der SVP auslöste, aber gemäss Meschberger bei allen Eltern auf ein ausgesprochen erfreuliches Echo stiess. Die gleiche Bilanz konnte sie auch gestern ziehen: Die erstmalige Bildungstagung zur Chancengleichheit brachte den Gästen, so das allgemeine Echo, den erhofften Austausch, gewiss auch eine Vernetzung und den einen oder anderen Ratschlag für den Schulalltag. Weil das Thema zunehmend an Bedeutung zulegt, soll die Bildungstagung in Zukunft regelmässig stattfinden.

Ursula Lanz, die beim Amt für Volksschulen für die interkulturelle Pädagogik zuständig ist, weist darauf hin, dass Chancengleichheit keineswegs ein neues Thema ist. «So sind etwa die sozialen Schichten durchmischt, die Frauen haben das gleiche Bildungsangebot», zählt sie auf. An diesen Errungenschaften gilt es nun anzuknüpfen.

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