Verkehrschaos
Das Verkehrschaos bei den Fachmärkten am Autobahnanschluss verhindern

Mit einer Teilrevision der Nutzungsplanung will der Gemeinderat Affoltern das Verkehrsregime bei den geplanten, publikumsintensiven Fachmärkten am Autobahnanschluss in geordnete Bahnen lenken. Nicht alle glauben, dass das gelingt, wie an einer Informationsveranstaltung zu spüren war.

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Verkehrschaos

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Werner Schneiter

Das Industrie- und Gewerbegebiet ist das einzige grössere Arbeitsplatzgebiet im Säuliamt. Und es ist durch den nahen Autobahnanschluss verkehrsmässig sehr gut erschlossen. Weil die Kapazität des Autobahnanschluss ungenügend ist, hat der Regierungsrat auf Antrag des Gemeinderates 2007 über das Gebiet Schwanden-Chalofen-Lindenmoos eine auf drei Jahre befristete Planungszone verhängt - sozusagen ein Moratorium mit der Möglichkeit, die Nutzungsplanung in diesem Gebiet zu überprüfen. Unmittelbar darauf folgend, hat die Behörde ein Verkehrskonzept, ein Konzept für den öffentlichen Verkehr und ein Nutzungskonzept ausarbeiten lassen - und am 1. Dezember 2008 einen ersten Erfolg verbucht: Mit wuchtigem Mehr lehnte die Gemeindeversammlung eine Initiative ab, die verkehrsintensive Einrichtungen in den Gewerbe- und Industriezonen grundsätzlich verhindern wollte. «Damit wurde der Weg frei für eine Positiv-Planung», sagte Gemeindepräsidentin Irene Enderli anlässlich einer Informationsveranstaltung im Kasino und verwies auf die ausserordentliche Gemeindeversammlung vom 30. November 2009, an der über die Teilrevision «Zone für verkehrsintensive Einrichtungen» (Gebiet östlich der Autobahn bis zu einer Tiefe von rund 250 Metern) und «Umzonung Schwanden» (vgl. separaten Beitrag) abgestimmt wird.

4000 Fahrten pro Tag und Anlage und eine 2. Autobahnquerung
Nach den Worten von Hochbauvorstand Jakob Schneebeli hat der Gemeinderat verschiedene Konzepte ausarbeiten lassen. Ein Kernstück der Richtplanänderung ist die Bestimmung, wonach verkehrsintensive Einrichtungen nicht mehr als 4000 Fahrten (Zu- und Wegfahrten) erzeugen dürfen, sofern andere Massnahmen - u.a. Bau einer zweiten Autobahnquerung - nicht realisiert sind. Und diese verkehrsintensiven Einrichtungen müssen im Einzugsbereich von 150 m einer Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels mit jeweils mindestens acht Halten pro Stunde liegen. Bei Fachmärkten mit sperrigen Gütern sind diesbezügliche Anforderungen geringer.

Zweites Kernstück bildet der Bau einer zweiten Autobahnquerung, einer sogenannten «Spange». Aus Richtung Obfelden führt diese unmittelbar nach dem NOK-Unterwerk links weg, führt in einem «U» auf der Höhe der ehemaligen Pistolenschiessanlage über die Autobahn und endet beim Jumbo-Kreisel. Damit soll die Situation am überlasteten Autobahnanschluss entschärft und dem öffentlichen Verkehr ein fahrplangerechtes Verkehren ermöglicht werden.
Die Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt hat diese Richtplanänderungen im Juni 2009 genehmigt; der Entscheid des Regierungsrates wird diesen Herbst erwartet, die Gemeindeversammlung entscheidet definitiv am 30. November 2009.

Chaos programmiert?
In der Diskussion über die geplanten Massnahmen schwangen Bedenken mit über den Mehr- und Schleichverkehr, den solche Fachmärkte generieren. Und einige glauben nicht, dass mit einer «Spange» der autobahnbezogene Verkehr vom übrigen Verkehrsaufkommen entflochten werden kann. Mit insgesamt 12 000 Fahrten sei das Chaos programmiert, sagt der grüne Kantonsrat Hans Läubli. Er plädiert für Regelungen in den Zonenordnungen. «Man kann andere als die vorliegenden Formulierungen in die Planung aufnehmen», ist er überzeugt und sieht auch die Umweltverträglichkeitsprüfung als taugliches Mittel, um Mehrverkehr zu verhindern. Ein anderer Votant fragte: weshalb nicht einfach nur 1000 statt die 4000 täglichen Fahrzeugbewegungen in die Vorlage aufnehmen? 4000 seien nicht zwingend, sondern die oberste Grenze, entgegnete Jakob Schneebeli. Und Ortsentwickler Martin Schlatter verwies auf Hornbach in Littau, der 2800 Fahrten pro Tag generiere, worauf jemand im Publikum anmerkte: «Das ist der Wochenschnitt. An Samstagen ist es dort katastrophal».

Noch nicht geregelt ist die Parkplatzbewirtschaftung. Einen Teil der Gebühren soll die öffentliche Hand erhalten, wurde vorgeschlagen. Es hätten noch keine diesbezüglichen Verhandlungen mit den Grundeigentümern stattgefunden, sagte Finanzvorstand Reinhold Spörri. Er verwies darauf, dass solche Einnahmen nicht zweckgebunden verwendet werden dürfen.

«Wir brauchen diesen Bypass»
Von behördlicher Seite wurde ausserdem versichert, dass Schleichverkehr über die zu den Fachmärkten führenden Quartierstrassen verhindert werden kann. Ein Konzept dazu sei in Arbeit, so Jakob Schneebeli, der sich auch mit kritischen Anmerkungen zum Nutzen einer zweiten Autobahnquerung konfrontiert sah. «Diese nimmt öffentlichen und privaten Verkehr auf», hiess es, und Schneebeli sagte: «Diese Variante erachten wir nach Evaluation verschiedener Möglichkeiten als die beste. Wir brauchen diesen Bypass, sonst haben wir grenzenlosen Verkehr.» Mit der Teilrevision der Nutzungsplanung werden erst die Grundlagen für die Massnahmen geschaffen. Detailprojekte gibt es noch keine, wie mehrmals korrigierend gesagt werden musste. Und einen Kostenschlüssel für die Finanzierung der «Spange» ebenfalls noch nicht, ebenso wenig einen Terminplan für den Bau. Da können sechs Jahre verstreichen. Klar ist, dass hier Kanton, Gemeinde und Investoren partizipieren müssen.
Und wenn die Gemeindeversammlung die Teilrevision der Nutzungsplanung ablehnt? Dann gibt es keine dieser geplanten Massnahmen. «Die Stimmberechtigten können zwischen gesteuerter und ungesteuerter Entwicklung wählen», sagte Georg Elser, der externe Berater der Gemeinde Affoltern. Die öffentliche Auflage zur Teilrevision der Nutzungsplanung dauert noch bis zum 7. September. Bis dahin hat die Bevölkerung Zeit, Einwendungen zu formulieren. Diese werden dann in der Weisung zur Gemeindeversammlung aufgelistet und vom Gemeinderat kommentiert. Dort wo möglich, müsse Affoltern als Regionalzentrum eine Entwicklung zulassen, schloss Irene Enderli.

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