Von Barbara Rüfenacht

«Zum Glück nieselt es heute, das treibt die Leute in die Einkaufszentren», meint Hans-Ruedi Christen am Gründonnerstagmorgen mit einem zufriedenen Lächeln. In der Empfangshalle des Schokoladenproduzenten, der sich seit 1887 mit dem goldenen Einhorn aus dem Aargauer Familienwappen Frey schmückt, glänzen farbige Osterhasen um die Wette. Christoph Schmassmann, CFO und Leiter Management Services, weiss genau, wie der Hase läuft. «Schillernde, stark geschminkte Schoggihasen liegen nebst den traditionellen, lieblichen im Trend.»

Seit über einem Jahrhundert produziert das traditionelle Aargauer Unternehmen, das 1950 zum Migros-Konzern stiess, Osterfiguren. «Das gesamte Ostersortiment umfasst heute rund 150 verschiedene Schokoladenprodukte,» erklärt der Solothurner CEO, der sich nicht vorstellen kann, dass jemand Schoggi nicht mag, und bietet zum Beweis hauseigene, goldig eingewickelte Ostereier an, die Hälfte davon dunkle. «Die Nachfrage nach schwarzer Schokolade, oft mit Chili oder Ingwer durchsetzt, steigt rasant», erklärt er. Selber geniesst der Chef am liebsten Schoggi mit Mandelgeschmack oder Nüssen, Christoph Schmassmann dagegen schwört auf die traditionelle Milchschokolade.

Die beiden haben das Glück, in einem krisenresistenten Markt zu arbeiten. Nach dem Rekordjahr 2008 brachen während der Finanzkrise zwar die Spontaneinkäufe zusammen, so etwa der Konsum in den Flughafenshops, doch generell erfreut sich die Schweizer Schokoladenindustrie seit den 50er-Jahren einer stetigen Weiterentwicklung. Nur von 1920 bis 1943 erlebte das Land eine harte Zeit. Der verstärkte Protektionismus und die Wirtschaftskrisen in den 20er- und 30er-Jahren führten zum Verlust der Exportmärkte. Der Zweite Weltkrieg brachte schliesslich strenge Einfuhrbeschränkungen für Zucker und Kakao und 1943 die Rationierung.

Heute ist von diesen Schwankungen nichts mehr zu spüren. Das Aargauer Unternehmen, das nicht nur Schoggi produziert, sondern auch der einzige Schweizer Kaugummihersteller ist, hat heute Mitarbeitende aus 30 Nationen. «Wir erleben die unterschiedlichen Kulturen als bereichernd, Probleme gibt es selten», betont Hans-Ruedi Christen, dem Mitarbeiterförderung wichtig ist. «Bei uns haben auch Jugendliche mit einem Realschulabschluss eine Chance.» Zum Beispiel als Stift für die zweijährige Ausbildung zum Lebensmittelpraktiker. «Innert drei Jahren konnten wir die Anzahl unserer Lehrlinge und Lehrtöchter verdoppeln.» Damit sich die beschäftigten Frauen und Männer von ihrer Arbeit, die sich oft in Schichtarbeit am Fliessband abspielt, in der Mittagszeit erholen können, werden sie in der Kantine von Servicefachangestellten bedient. «Diesen Luxus habe alle verdient.»

Ethik ist ein weiteres zentrales Thema bei Chocolat Frey, die ein saisonales Geschäft mit Hochbetrieb und Mitarbeiteraufstockung an Weihnachten und Ostern betreibt. So engagiert sich die Migros-Tochter nebst dem Ausbau ihres Angebots an Bio- und Fairtrade-Schokoladentafeln bei der Rohstoffgewinnung in Côte d'Ivoire, das immer noch zu den 20 ärmsten und korruptesten Ländern der Welt zählt. «Wir beteiligen uns am Partnerprogramm von Barry Callebaut und importieren sämtliche Kakaobohnen von der Elfenbeinküste aus diesem Programm. Damit stellen wir sicher, dass wir die Produktionsbedingungen, die Qualität und den Ursprung der Bohnen genau kennen und die Bauern einen fairen Preis erzielen», erklärt der Unternehmensleiter und zweifache Familienvater, der beim Wandern in den Bergen auf die besten Geschäftsideen kommt. «Bei uns muss die ganze Wertschöpfungskette stimmen, schliesslich produzieren wir in Buchs unsere Schoggiprodukte von der Bohne aus.»

Aus den afrikanischen Perlen entstehen 2800 verschiedene Artikel, die nebst der Mutterfirma auch von anderen inländischen und internationalen Ladenketten bezogen werden. «Der Export macht rund 30 Prozent unseres Geschäftes aus,» weiss Christoph Schmassmann, der es sich gleich seinem Chef durchaus vorstellen kann, in Buchs in Pension zu gehen. «Das ist kein Schreckensszenario», betonen die beiden wie aus einem Mund. Damit der tägliche süsse Konsum nicht ansetzt, spielt Hans-Ruedi Christen regelmässig Tennis. «Ich könnte auf vieles verzichten, nicht aber auf Schoggi.»