Wahlen

Britische Wahllokale geöffnet - Gordon Brown liegt zurück

Tag der Entscheidung in Grossbritannien: Die Wahllokale in Grossbritannien haben geöffnet und 44 Millionen Briten sind aufgerufen, über die nächste Regierung zu entscheiden. Für alle Parteien zeichnet sich eine Zitterpartie ab.

Premierminister Gordon Brown kämpft für seine Labour-Partei um eine vierte Amtszeit. Spitzenreiter in den Umfragen waren die konservativen Tories und ihr Parteichef David Cameron.

Umfragen zufolge zeichnet sich der knappste Ausgang einer britischen Parlamentswahl seit Jahrzehnten ab. In einer Umfrage für die Zeitung «Daily Express» kamen die konservativen Tories auf 35 Prozent der Stimmen, die Labour-Partei auf 27 und die Liberaldemokraten auf 26 Prozent.

Keine absolute Mehrheit?

Um mit absoluter Mehrheit regieren zu können, benötigen die Parteien mindestens 326 Sitze im 650 Mitglieder zählenden Unterhaus. Erstmals seit 1974 könnte aus der Wahl keine klare Mehrheit hervorgehen. In diesem Fall würde die Initiative zur Regierungsbildung laut Wahlrecht beim amtierenden Premier liegen.

Wegen des Mehrheitswahlrechts sind Koalitionsregierungen in Grossbritannien die Ausnahme. Nach einem Patt, einem so genannten «hung parliament», wären sie aber die Alternative zu einer Minderheitsregierung.

Das Mehrheitswahlrecht in Grossbritannien

Im Unterschied zur Schweiz gilt in Grossbritannien ein reines Mehrheitswahlrecht. Dieses ist seit 1918 in Kraft und regelt die allgemeine, gleiche, geheime und unmittelbare Wahl von Kandidaten eines Stimmbezirks.

Bei der Unterhauswahl am 6. Mai wird in 650 Wahlkreisen jeweils ein Mandat an denjenigen Kandidaten vergeben, der dort die einfache Mehrheit erringt. Die Stimmen für die abgeschlagenen Bewerber gehen verloren. Ein solches Mehrheitswahlrecht kann dazu führen, dass eine Partei zwar die meisten Gesamtwählerstimmen auf sich vereinigt, aber weniger Abgeordnete stellt als eine andere Partei, die mit knappen Mehrheiten insgesamt mehr Wahlkreise erobern konnte. Der Wahlkampf konzentriert sich deshalb vor allem auf die sogenannten marginalen Wahlkreise.

Wähler noch unentschieden

Erste Prognosen werden nach Schliessung der Wahllokale um 22.00 Uhr (23.00 Uhr MESZ) erwartet. Das amtliche Endergebnis wird aber voraussichtlich erst am frühen Freitag vorliegen, nachdem alle 650 Wahlkreise ausgezählt sind.

Einer Umfrage für den Sender ITV News und den «Independent» zufolge waren am Mittwoch jedoch noch knapp 40 Prozent der Wähler unentschiede. (SDA/sza)

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