Biobauern beissen sich durch

Die Freiämter Biobauern werden in kostspieligen Kontrollen überprüft, müssen sich neuen Richtlinien anpassen und damit leben, dass fast die Hälfte ihrer Biomilch als normale Milch verkauft wird. Aufhören wollen sie, anders als Kollegen im Berggebiet, dennoch nicht.

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Aargauer Zeitung

Sebastian Hagenbuch

Gemäss einer Studie haben zahlreiche Bio-(Milch-)bauern aufgehört, biologisch zu produzieren. Die ständig veränderten Richtlinien seien mit ein Grund dafür, heisst es (AZ vom 26. Mai). Biobauer Roman Abt hingegen hat festgestellt, dass die biospezifischen Kontrollen nicht zugenommen haben. «Hingegen müssen wir Biolandwirte uns anderen Kontrollen, welche von den Grossverteilern gefordert werden, unterziehen», erklärt er. Diese Doppelspurigkeiten stören ihn. Kontrollen bedeuten immer Aufwand und Kosten.

Pionier vor 19 Jahren

Bereits über 19 Jahre ist es her, dass Roman Abt vom Rütihof in Bünzen seinen Landwirtschaftsbetrieb biologisch betreibt. Damals war für ihn mehr der Reiz des Neuen als die biologische Überzeugung ausschlaggebend. «Die Gewissheit, mit der Bioproduktion auf dem richtigen Weg zu sein, kam erst mit der Zeit», so Abt. Seit der Umstellung hat sich in der Bio-Landwirtschaft vieles verändert. Die Richtlinien werden laufend überarbeitet. Das erfordert die Flexibilität der Landwirte.

Ruedi Donat vom Bollhof in Wohlen ist wie Abt Biolandwirt aus Überzeugung. Ihn betrifft vor allem die neue Richtlinie, dass sämtliches Tierfutter aus rein biologischem Anbau kommen muss. «Nun kann ich nicht mehr einfach vom Nachbarn zusätzliches Futter beziehen, sondern muss mehr Eigenfutter produzieren», so Donat. Jährlich gibt es auf seinem Hof ungefähr drei Kontrollen, die bis zu einem halben Tag dauern können. Nebst seiner biologischen Einstellung gibt es noch einen Grund, weshalb Donat der biologischen Landwirtschaft die Treue hält. «Ich bin überzeugt, dass die Schweizer Landwirtschaft nur überleben kann, wenn sie sich spezialisiert», so der Bauer.

Viel Futter

Ueli Ineichen vom Sentenhof in Muri ist mit seinen 65 Kühen und rund 100 Hektaren Fläche der grösste Biobauer der Schweiz. Interessant ist, dass ihm die neue Regelung, dass alles Tierfutter aus biologischem Anbau stammen muss, entgegenkommt. «Auf unserem Hof produzieren wir zu viel Futter, weshalb wir den Überschuss verkaufen können. Die Nachfrage an diesem Futter dürfte nun steigen», meint Ineichen. Dafür leidet er unter dem rekordverdächtig tiefen Milchpreis. Rund 40 Prozent seiner Biomilch wird wegen des Überangebots als konventionelle Milch verkauft. Ineichen muss sich im Wesentlichen nur einer Kontrolle - derjenigen von Bio Suisse - pro Jahr unterziehen. Obwohl er den Sinn hinter der Überprüfung sieht, ist die Kontrolle mit rund 3500 Franken doch sehr kostspielig. «Als ich noch konventionell produzierte, da kostete mich die Kontrolle nur ungefähr 500 Franken», erklärt Ineichen.

«Wir machen weiter»

Sinkende Erträge in der Milchwirtschaft, sich ständig verändernde Rahmenbedingungen und hohe Kontrollkosten sind für Abt, Donat oder Ineichen keine Gründe, mit der biologischen Landwirtschaft aufzuhören. Längst sind sie überzeugt von dieser Produktionsform. Dennoch machen sie sich einige Sorgen über die Zukunft. Hauptverantwortlich dafür ist die neue Direktzahlungsverordnung des Bundes. «Darin werden wir Biolandwirte nicht ernst genommen», entrüstet sich Abt. Dennoch: Er ist überzeugt, dass die Leute biologische Produkte auch in Zukunft kaufen werden. «Weil sie umweltfreundlicher produziert worden sind, lassen sich die Konsumenten Bioprodukte auch etwas kosten», hofft Abt. Wichtig ist für ihn vor allem, dass die Bevölkerung informiert ist, was genau die Vorteile eines biologischen Produktes sind. «Und bei der neuen Direktzahlungsverordnung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen», pflichtet ihm Ueli Ineichen bei.

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