Bäderquartier
Baden: Darum hat die Studie von Mario Botta klar gewonnen

Fünf namhafte Architekturbüros haben sich der heiklen Aufgabe im Bäderquartier gestellt. Vier haben eingegeben. Die AZ hat den Jurybericht studiert.

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Bildergalerie: Darum hat die Studie von Mario Botta klar gewonnen
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Christian Kerez Die Konzeption ist stark introvertiert, die Stimmung der Bäder mystisch, der Bezug zur Limmat und nach aussen generell wird vermisst. Christian Kerez, Architekt
Bétrix & Consolascio Die über das Planungsgebiet verteilten Baukörper mit Bad erschweren einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb. bétrix & Consolascio Architekten AG
Max Dudler Die Architektur hat einen monumentalen, statischen Charakter; städtebaulich vermag die Studie zu überzeugen. max Dudler Architekten AG
Mario Botta Vom Längsbau öffnen sich die fünf Finger zur Limmat; links der dreigliedrige Wohnungsbau. Mario Botta Architetto

Bildergalerie: Darum hat die Studie von Mario Botta klar gewonnen

zvg

Roman Huber

Mario Botta ist zweifellos der klingendste Namen der Wettbewerbsteilnehmer. Der architektonische Fight um den Auftrag im Badener Bäderquartier war jedoch auch für sein Büro hart.

In die zweite Runde geschickt

Im November 2008 erfolgte der Auftrag an fünf Büros. Der Wettbewerb wurde offen geführt. Im März erfolgte eine Zwischenbesprechung. Mitte April teilte das Büro Diener & Diener mit, dass es sich aus dem Wettbewerb zurückziehe. Die andern Büros reichten Anfang Mai termingerecht ihre Studien ein.

Teilnehmende Büros

Bétrix & Consolascio Architekten AG, Erlenbach
Mario Botta Architetto, Lugano
Diener & Diener Architekten, Basel
Max Dudler Architekten AG, Zürich
Christian Kerez, Architekt, Zürich

Die Jury ist nach zwei Beurteilungstagen zur Erkenntnis gelangt, dass keine der Studien die hohen städtebaulichen, betrieblichen und wirtschaftlichen Anforderungen gleichzeitig vollumfänglich zu erfüllen vermag. Das Gremium empfahl die Studien der im Verfahren verbliebenen drei Büros überarbeiten zu lassen. Zu den 50 000 Franken aus der ersten Runde wurden den Büros hierfür weitere 25 000 Franken zugesprochen. Die Überarbeitung wurde von einem Ausschuss begleitet. Zweiter Eingabetermin war Ende Juli. Wie die Bauherrschaft verlauten liess, waren die individuellen Besprechungen sehr wertvoll, sodass einzelne Studien komplett überarbeitet wurden.

Einstimmig für Botta

Nach ausführlicher Analyse und Diskussion der überarbeiteten Studien sowie der Gegenüberstellung ihrer Stärken und Schwächen entschied sich das Beurteilungsgremium einstimmig für die Studie von Mario Botta. Dessen Studie biete in Abwägung die besten Voraussetzungen, damit die gestellten Anforderungen an Städtebau, Denkmalpflege und Betrieb und in Abschätzung der möglichen Risiken erfüllt werden können. Bottas Studie zeige eine Lösung auf, welche funktional und betrieblich einen wirtschaftlichen Betrieb ermögliche.

Betrieblich nicht tragbar

Die Studien von Max Dudler und Bétrix & Consolascio enthalten gemäss Jury im betrieblichen und wirtschaftlichen Bereich Mängel: «Die in den Studien gezeigten Konzeptionen erweisen sich insbesondere als nicht tragfähig genug, um den Ansprüchen des Marktes zu genügen und die Investitions- und Betriebsziele erreichen zu können.» Auf eine Rangierung der beiden Studien wurde verzichtet.

Bei Bétrix & Consolascio wird die mittel- bis langfristige Anpassungsfähigkeit des Angebots an die Bedürfnisse des Marktes infrage gestellt. Die aufgezeigten Attraktionen hingegen werden als gelungene Angebote gewertet. Die städtebauliche Grundidee der Studie von Max Dudler wird vom Beurteilungsgremium zwar als überzeugend beurteilt. Hingegen seien die in den Hinweisen zur Überarbeitung aufgeführten Kritikpunkte bezüglich Sommerbetrieb und Organisation der Bäderebene nicht befriedigend umgesetzt.

Jetzt wird weitergearbeitet

Für die Weiterbearbeitung der Studie von Mario Botta gab die Jury weitere Hinweise: Der Übergang zwischen dem «Kopf» der Therme mit Passerelle und dem Mättelipark sollte fliessender gestaltet werden. Der Eingangsbereich an der Parkstrasse sollte geklärt und städtebaulich betont werden. Sekundäre Erschliessungselemente sollten sich unauffällig in das Gebäudevolumen integrieren (z. B. Treppe zur Erschliessung des Dachgartens). Die Lichthauben («Finger») der Therme wirken architektonisch überinstrumentiert und sollten optimiert werden.

Die Architektur der Therme und des Wohntraktes sollte innen wie aussen ruhiger wirken. Die Sauna- und Wellnessangebote sollten funktional optimiert und besser an die Therme angebunden werden. Der Entwurf sei vor allem im Hinblick auf die Investitions- und Folgekosten zu überprüfen. Für die Umgebung sollte eine hindernisfreie, stufenlose Verbindung zwischen Limmatuferweg und Kurplatz angeboten werden. Auch zum Wohnungsbau gibt es Vorbehalte: Die Wohnungstiefen seien wie die Wohnungen selber zu gross. Das externe Restaurant soll einen stärkeren Bezug zur Limmat und zum höherliegenden Kurplatz erhalten.

Am Samstag und Sonntag sind die Studien im Saal des «Verenahofs» von 13 bis 18 Uhr zu begutachten.

Aufgabenstellung

Die Aufgabenstellung umfasste im Wesentlichen:
• die Planung einer zeitgemässen Therme mit den zugehörigen weiteren Nutzungen wie Fitness, Sauna, Wellness und Gastronomie, Neben- und
Technikräumen sowie Parkierung und Aussenflächen;
• eine Volumenstudie für das zusätzliche Wohnraumangebot und die öffentlichkeitsbezogenen Nutzungen;
• die bestehende Tiefgarage musste in die Planung einbezogen und erweitert werden;
• bestehende Wegbeziehungen waren zu berücksichtigen und zu ergänzen;
• der städtebaulichen Gesamtkomposition im
historischen Kontext sowie dem Umgang mit der Topografie und der Aussenraumgestaltung waren an diesem landschaftlich sensiblen und einzigartigen Ort besondere Beachtung zu schenken.

Beurteilungsgremium und Experten

Sachpreisrichter
• Benno Zehnder, Verenahof AG
• Urs Pfister, Berater Verenahof AG
• Stephan Attiger, Stadtammann Baden
• Kurt Wiederkehr, Stadtrat Baden (Vorsitz)
Fachrichter
• Andrea Bassi, Architekt, Genf
• Daniel Niggli, Architekt, Zürich
• Rainer Pethran, Badbetreiber, Neuried (D)
• Stefan Rotzler, Landschaftsarchitekt, Winterthur
• Astrid Staufer, Architektin, Frauenfeld (Ersatz)
Experten mit beratender Stimme
• Reto Candinas, Kreisplaner, Departement BVU
• Heinz Muster, Architekt, Verenahof AG
• Jarl Olesen, Planung und Bau, Baden
• Katrin Reimann, Planung und Bau, Baden
• Markus Sigrist, kantonaler Denkmalpfleger
Auftraggeber Verenahof AG und Stadt Baden