Anstossen unter dem Klosterdach

Seit sechs Jahren läuft die aktuelle Restaurationsetappe im Kloster Muri. Inzwischen ist das prachtvolle Deckengemälde im Zentralbau fertig restauriert, die weiteren Arbeiten am Kuppelkranz und an den Pfeilern sollen 2010 abgeschlossen sein.

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Fabian Hägler

Sammlung Murensia wird am Martins-Tag feierlich eröffnet

In drei Wochen, am 11. November, wird im Refektorium des Klosters Muri die Sammlung Murensia eingeweiht. Die neu eingerichtete Sammlung umfasst Bücher und Dokumente zur Geschichte des Klosters Muri, des Dorfes und des Oberfreiamts. Die Sammlung Murensia wird als Ressort der Kulturstiftung St. Martin geführt, die dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Die Bestände der Sammlung, die sich im Murianer Klosterschulhaus befindet, stammen primär aus Schenkungen, Nachlässen und Aufkäufen und haben schon heute einen stattlichen Umfang.
Die Sammlung Murensia ist zudem Teil eines wissenschaftlichen Projekts. Im Hinblick auf das 1000-jährige Bestehen des Klosters Muri im Jahr 2027 soll die Klostergeschichte vervollständigt werden. Für dieses langfristige Vorhaben zeichnet Peter Hägler, Koordinator von Muri Vision, verantwortlich. Ein wissenschaftlicher Beirat und ein Patronatskomitee sind geplant. Der Regierungsrat des Kantons Aargau unterstützt das Projekt mit einem Impulskredit. (fh)

Der Glöckner von Notre Dame hatte seine kleine Turmstube, das Restaurationsteam im Kloster Muri hat seit dieser Woche die «Ecclesia-Stube». Ein kleiner, niedriger Raum mit schrägem Holzdach, direkt über der Kuppel der Klosterkirche. «Unter uns befindet sich das grosse Deckengemälde mit dem Titel ‹Ecclesia triumphans›, darum haben wir diesen Raum so getauft», erklärt Restaurator Michael Kaufmann.

Wer in den kleinen Raum im Dachstock der Kirche gelangen will, muss absolut schwindelfrei sein. Durch den Estrich des Klosterschulhauses führt der Weg, von dort geht es aufs Dach, über mehrere Leitern hoch und am Ende durch eine enge Luke in die «Ecclesia-Stube».

Holzboden schützt Gemälde

Mit seinen beiden Restaurationskollegen Selina Gentinetta und Matthias Läuchli hat Kaufmann in den letzten Tagen einen Holzboden in der Kammer eingebaut. Dies wurde mit einem kleinen Apéro gefeiert, an dem auch Paul Beuchat (Leiter der Museen Muri) und Peter Hägler (Projektleiter Sammlung Murensia) teilnahmen. «Vorher bewegten wir uns auf einzelnen Holzbalken, ein Fehltritt hätte das Ecclesia-Bild darunter beschädigen können», sagt Kaufmann. Das farbenprächtige Deckengemälde, in den Jahren 1696/97 erstellt, ist gegenüber Erschütterungen relativ empfindlich.

«Bei der letzten Restauration in den 1930er-Jahren wurden Schrauben mit Unterlagsscheiben angebracht, um die Tragkonstruktion besser mit dem Untergrund zu verbinden», erläutert Kaufmann. Auch sein Team hat im vergangenen Jahr weitere Schrauben eingesetzt, um die Stabilität zu erhöhen.

«Es gibt aber dennoch keine Garantie, dass nicht ein Teil des Bildes herunterfällt, wenn zum Beispiel ein Kampfflugzeug sehr tief über das Kloster fliegt», gibt Kaufmann zu bedenken.

Sonde liefert Messdaten

Abgesehen davon stellt vor allem die Temperaturdifferenz zwischen Kirchenraum und Aussenluft ein Problem dar. «Es ist ein grosser Vorteil, dass die Kirche nicht geheizt ist. Trotzdem gibt es kleine Risse, weil sich die Materialien unterschiedlich ausdehnen», sagt der Restaurator.

An einigen Stellen hänge das Bild richtig durch, erklärt Kaufmann. «Wir bauen hier nun eine Sonde ein, die Temperatur und Feuchtigkeit misst», sagt er und hebt ein Bodenbrett an. Durch eine winzige Öffnung fällt der Blick in die Kirche, aus ungewohnter Perspektive, durch die Augen der 110 Heiligen, die auf dem Ecclesia-Bild zu sehen sind.

Dessen Restauration wurde im letzten Jahr fertiggestellt. Die nächsten Etappen sind der Kuppelkranz und die Pfeiler. Beides soll laut Kaufmann im Jahr 2010 abgeschlossen sein.