Hündeler

Am Hallwilersee: Hündeler ignorieren Leinenpflicht

Das Verbot kann teuer werden: Bis zu 150 Franken kann die Busse für einen frei laufenden Hund am Hallwilersee kosten.

HUndeverbot

Das Verbot kann teuer werden: Bis zu 150 Franken kann die Busse für einen frei laufenden Hund am Hallwilersee kosten.

Wer seinen Hund am Hallwilersee frei laufen lässt, muss bis zu 150 Franken zahlen. Trotzdem halten sich noch nicht alle Halter an das Verbot. Auch Velofahrer und Abfallsünder riskieren eine Geldstrafe.


Irena Jurinak
900 Franken Bussgelder hätte die AZ-Reporterin in einer halben Stunde eingenommen. Sechs nicht angeleinte und vier angeleinte Hunde begegneten ihr gestern um die Mittagszeit auf einem Spaziergang entlang dem Seeuferweg bei Beinwil am See.

Seit Anfang Jahr gilt rund um den Hallwilersee Leinenpflicht. Wer sich nicht daran hält, bezahlt eine Busse. Auf der Beinwiler Seite beläuft sie sich auf 150 Franken. Etwas günstiger kommen Hündeler in Seengen und Meisterschwanden davon. Dort kostet der nicht angeleinte Vierbeiner nur 100 Franken.

Allerdings musste bisher noch kein Hundehalter die Busse tatsächlich bezahlen. Die Regionalpolizei Aargau Süd - in Beinwil zuständig - hat bisher noch keine Busse ausgesprochen. Der Leinenzwang werde zwar nur teilweise eingehalten, aber man arbeite vor allem mit Verwarnungen. «Die Kontrolle ist natürlich schwierig, wenn Polizisten auftauchen, leinen die Halter ihre Hunde an», sagt Dieter Holliger, Chef der Repol, «als Privatperson sehe ich häufiger freilaufende Hunde.»

Badmeister sammelt Hundekot ein
Badmeister Bernhard Hess vom Strandbad in Beinwil begrüsst die Leinenpflicht. Er findet es zwar schade, dass anständige Hundehalter für eine Minderheit, die nicht mit ihren Tieren umgehen könne, büssen müssen. «Die Hunde können nichts dafür. Aber manchmal sehe ich auf dem Parkplatz Menschen mit bis zu vier Hunden aussteigen, die rennen dann in alle Richtungen.» Tag für Tag sammelt Hess auf dem Parkplatz Hundekot ein.

Polizeichef Holliger schätzt die Lage nicht als dramatisch ein, es seien diesen Sommer auch keine Reklamationen aus der Bevölkerung eingegangen. Und seit bekannt sei, dass gebüsst werde, hielten sich die Hundehalter meistens an die Leinenpflicht. «Die Halter reagieren vielleicht befremdet, aber nicht ungehalten, wenn wir sie auf Patrouille auf die Leinenpflicht aufmerksam machen.» Die Ausreden seien immer die gleichen: «Mein Hund ist folgsam» oder «Ich kann ihn ja nicht im heissen Auto lassen».

Hunde dürfen baden gehen
Die Polizei toleriert es auch, wenn Hunde ins Wasser gehen. «Allerdings greifen wir ein, wenn das an einem Ort geschieht, wo sich viele Leute oder Kinder aufhalten.» Verwarnungen gegen die Hundehalter werden nicht registriert. «Erwischt ein Polizist allerdings eine Person ein zweites Mal, wird gebüsst.»

Auch beim Abfall setzt die Repol Aargau Süd auf Verwarnungen. «Bei Jugendlichen sprechen wir einen aus der Gruppe an und machen ihn zum Verantwortlichen», sagt Holliger. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht.

Radfahrer auf der falschen Fährte
Auch auf der anderen Seeseite in Seengen und Meisterschwanden wurde noch kein Hundehalter gebüsst. «Wenn man in Uniform unterwegs ist, erwischt man selten jemanden ‹in Flagranti›», sagt Martin Ott, Chef der Repol Seetal. Aber wenn Polizisten auf der Patrouille auf nicht angeleinte Hunde treffen, wird gebüsst. Auch in Meisterschwanden wird es toleriert, wenn Hunde baden. «Aber nur wenn es niemanden stört und keine Kinder in der Nähe sind.» Meistens schlage man den Hundebesitzern vor, Plätze mit wenig Publikumsverkehr etwas abseits des Seezopfs zu benutzen.

Unangenehm seien teilweise die Begegnungen mit Velofahrern, die trotz Fahrverbot auf dem Seeuferweg fahren. «Offenbar gibt es eine offizielle Karte, auf der diese Route als Veloweg eingezeichnet ist», sagt Ott, «das führt dann zu Diskussionen.»
Eine Arbeitsgruppe mit Teilnehmern aus allen Seegemeinden befasst sich zurzeit mit dem Hallwilersee. Ziel ist es, bei Verkehr, Rad- und Fusswegen, Leinenpflicht und Seepolizei einheitliche Lösungen zu finden. Die Gruppe hat unter anderem alle Zufahrtsstrassen zum See erfasst und plant eine flächendeckende, einheitliche Signalisation. Erfreulich ist laut Präsident Hans Schärer besonders, dass der Kanton Luzern mitmacht.

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