Ab 2014 gibt es zu wenig Lehrer

Im Primarschulbereich steht eine Pensionierungswelle an. Und im Kindergarten ist mit wachsenden Schülerzahlen zu rechnen.

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Ab 2014 gibt es zu wenig Lehrer

Ab 2014 gibt es zu wenig Lehrer

Solothurner Zeitung

Elisabeth Seifert

In einer konzertierten Aktion Anfang Juli haben die Bildungsdirektoren der Bildungsraumkantone (Aargau, Baselland, Basel-Stadt, Solothurn) sowie von Bern und Zürich auf den drohenden Lehrermangel aufmerksam gemacht (wir berichteten). Während sich das Problem in den grossen Wirtschaftszentren akzentuiert, bleibt auch der Kanton Solothurn nicht verschont.

Noch gehts auf. «Wie bereits in den letzten Jahren gehen wir auch jetzt davon aus, dass sämtliche offene Stellen bis zum Schuljahresbeginn noch besetzt werden können», sagt Andreas Walter, Chef im Amt für Volksschule und Kindergarten (AVK), gegenüber dieser Zeitung. Der AVK-Vorsteher weiss von acht freien Lehrerstellen. Schon bald aber könnte es eng werden. Walter: «Wenn wir keine zusätzlichen Massnahmen treffen, dann haben wir ab 2014 ein Problem.»

Steigende Schülerzahlen

Probleme gibts vor allem im Kindergarten und der Primarschule: Beschränkt sich der Bedarf im laufenden Jahr noch auf rund 115 neu eintretende Lehrkräfte, prognostiziert Walter ab 2013 einen kontinuierlichen Anstieg. Im Jahr 2014 müssen 155 Stellen neu besetzt werden. Der Höhepunkt sei dann im Jahr 2015 erreicht, wenn rund 160 neue Lehrkräfte gesucht werden müssen. Zumindest bis 2018 bleibt der Bedarf auf hohem Niveau stabil.

Die Gründe für diesen Anstieg der Kurve ortet Andreas Walter vor allem in zwei sich kumulierenden Entwicklungen. Zum einen steht im Primarschulbereich eine Pensionierungswelle an. Wurden in den vergangenen Jahren rund 45 Kindergärtnerinnen und Primarschullehrpersonen pro Jahr pensioniert, verlassen im Jahr 2016 über 60 Lehrpersonen den Schuldienst, 2015, dem Scheitelpunkt der Kurve, sind es 70. Hoffte man noch bis vor kurzem diese Pensionierungen durch einen Schülerrückgang auffangen zu können, geht diese Rechnung nicht mehr auf.

Prognostizierte nämlich der nationale Bildungsbericht 2006 für den Kanton Solothurn im Primarschulbereich massiv rückläufige Schülerzahlen, schmilzt dieser Rückgang gemäss neuesten Berechnungen auf minus 2,3 Prozent zusammen. Im Kindergartenbereich muss der Kanton bis zum Jahr 2019 sogar mit einem Anstieg der Schülerzahlen von plus 15,3 Prozent rechnen. Anders als noch vor vier Jahren gehen die Statistikexperten von einer verstärkten Zuwanderung der berufstätigen ausländischen Bevölkerung in den Kanton Solothurn aus.

Sek I: Bekannte Probleme

Auf der Sekundarstufe I indes werde sich die Situation künftig im Vergleich zu den vergangenen Jahren eher etwas entschärfen, ist Andreas Walter überzeugt. Während der Bedarf an neu eintretenden Lehrpersonen in den letzten Jahren stetig zugenommen hat – und im laufenden Jahr mit 140 am höchsten ist – liegt er in den kommenden Jahren zwischen 100 und 120 Lehrerinnen und Lehrern.

«Anders als im Primarschulbereich liegt die Pensionierungswelle bei den Sek-I-Lehrkräften bereits hinter uns», erläutert Andreas Walter. Und bis sich der – prognostizierte – Schülerzuwachs im Kindergarten auf der Sekundarstufe I auswirkt, werde es noch einige Zeit dauern.

Die bekannten Probleme im Sekundarschulbereich bleiben freilich bestehen. Da es – nicht nur, aber auch im Kanton Solothurn – schlicht zu wenig ausgebildete Sekundarlehrpersonen auf dem Markt gibt, unterrichten auf dieser Stufe (besonders in der Oberschule) zahlreiche nicht adäquat ausgebildete Lehrer. Ein Problem, das gerade auch mit Blick auf die Umsetzung der Oberstufenreform und der Einführung des Fachlehrersystems in der Sek B nicht zu unterschätzen ist.

«Keine Schnellbleichen»

Entspannung erhofft sich der Kanton Solothurn unter anderem von einer verkürzten Lehrerausbildung für Quereinsteiger sowie einem – ebenfalls kürzeren – nachqualifizierenden Studium für Primalehrpersonen, die heute bereits auf der Sekundarstufe I unterrichten. Beide Ausbildungsgänge sollen ab 2011 an den Pädagogischen Hochschulen Nordwestschweiz, Bern und Zürich starten. Sie führen zunächst zu einer kantonalen Berufsanerkennung, wobei die sechs beteiligten Kantone die Abschlüsse untereinander akzeptieren wollen (wir berichteten).

«Es handelt sich hier nicht um Schnellbleichen», wehrt sich Andreas Walter gegen entsprechende Vorwürfe, die unter anderem auch der Verband Solothurner Schulleiterinnen und Schulleiter (VSL-SO) erhebt. «Berufsbegleitend dauern auch diese Ausbildungen ca. zwei bis drei Jahre.» Darüber hinaus arbeite der Kanton an zusätzlichen Massnahmen, die den Lehrerberuf attraktiver machen. Walter: «Hier wird es aber schnell einmal sehr teuer.»