Bevölkerungswachstum

Aargau wächst stürmisch weiter

In diesen Tagen dürfte der Aargau die Zahl von 600 000 Einwohnern erreichen. Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Aufgrund seiner zentralen Lage wächst der Kanton überdurchschnittlich.

Mathias Küng

Bevölkerungsprognosen sind ein schwieriges Geschäft. So erwartete die Schweiz in den Siebzigerjahren einen Bevölkerungszuwachs bis ins Jahr 2010 auf 10 Millionen Einwohner. Diese Erwartung traf bei weitem nicht ein. Doch wenn die Schweiz in den nächsten Jahrzehnten etwa so wächst wie der Aargau, zählt sie bis 2035 tatsächlich 10 Millionen Einwohner.

Das Statistische Amt korrigiert jedenfalls mit einer neuen Studie seine bisherige Erwartung für den Aargau nach oben. Und verweist darauf, dass seine Zuwachsprognosen in den letzten Jahrzehnten von der Realität jeweils übertroffen worden sind. Die nebenstehende Grafik zeigt, wie stark der Aargau ab 1890 und dann wieder ab 1950 schubweise gewachsen ist und wie es in den nächsten Jahrzehnten weitergeht.

Fritz Fasler, Leiter des Statistischen Amtes, rechnet zwischen 2008 und 2035 mit einem Zuwachs von rund 145 000 Personen, entsprechend fast einem Viertel der heutigen Einwohnerschaft! 2035 soll der Aargau bereits 742 000 Einwohnerinnen und Einwohner zählen. Warum die Korrektur nach oben? Fasler verweist auf die überdurchschnittliche Zuwanderung in den letzten beiden Jahren - vorab aus Deutschland - aufgrund der Personenfreizügigkeit. Er rechnet damit, dass es mit der Zuwanderung «in einem gewissen Ausmass» so weitergeht.

Aargau wächst besonders stark

Nun gibt es Kantone mit Abwanderungsproblemen (beispielsweise Glarus) und andere, die stark zulegen. Bei den grossen Kantonen legen vorab Zürich, Aargau und die Waadt zu, bei den kleineren Kantonen beispielsweise Zug. Für den Aargau spricht laut Fasler seine attraktive Lage zwischen den Metropolitanregionen Zürich und Basel sowie seine gute Verkehrslage. Attraktiv ist er auch aufgrund günstigerer Wohnungen für junge Familien, was heute schon eine vergleichsweise junge Bevölkerung zur Folge hat.

Gibt es überhaupt Platz für so viele Neuankömmlinge? Fasler bejaht - und verweist auf den Kanton Zürich, der flächenmässig etwas grösser ist als der Aargau, aber mehr als doppelt so viele Einwohner aufweist.

2035 ist jeder Vierte ein Rentner

Vier Fünftel der erwarteten Gesamtzunahme (80,4 Prozent) sind laut Statistischem Amt auf Wanderungen, der übrige Teil (19,6 Prozent) auf den Geburtenüberschuss zurückzuführen. Neben dem reinen Anstieg der Einwohnerzahl wird sich aber auch der Altersaufbau der Bevölkerung in den nächsten 25 bis 30 Jahren deutlich verändern. Vorauszusehen ist eine Zunahme des prozentualen Anteils der über 64-Jährigen an der Wohnbevölkerung von heute 15 auf 26,5 Prozent im Jahr 2035. Gleichzeitig nimmt der Anteil der unter 15-Jährigen um 1,8 Prozentpunkte auf 13,7 Prozent ab. Zahlenmässig nimmt die Altersklasse der unter 15-Jährigen über den gesamten Zeitraum aber um rund 9100 Personen zu. Die Zahl der Seniorinnen und Senioren dürfte sich in der Erwartung des Statistischen Amtes von 89 200 auf rund 196 500 Personen mehr als verdoppeln. Diese Entwicklung wird auch bei einem schwächeren Bevölkerungswachstum eintreten. Sie ist vor allem eine Folge der natürlichen Bevölkerungsentwicklung.

Wachstum durch Zuwanderung

Der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung steigt in der Erwartung des Statistischen Amtes im gleichen Zeitraum von 21,6 Prozent auf 22 Prozent und wird einen Bestand von rund 163 000 Personen erreichen. Dies unter der Annahme, dass die Zahl der jährlichen Einbürgerungen über den gesamten Prognosezeitraum bei etwa 2850 verbleibt. All dies hat natürlich Auswirkungen auf Gesundheitswesen, Bildung, Verkehr, Wohnungsbau etc. Der Regierungsrat hat deshalb die Departemente beauftragt, die neuste Prognose in ihre Planungen einfliessen zu lassen und aufzuzeigen, welche Bedeutung sie auf die bisherigen Planungsannahmen haben.

Der Bericht Bevölkerungsprognose 2009 kann unter www.ag.ch/staag heruntergeladen werden.

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