Höhlenunglück

300 Meter vor der Erlösung: Rettung von Höhlenforscher geht in letzte Phase

Das Rettungsteam mit dem verletzten Höhlenforscher

Das Rettungsteam mit dem verletzten Höhlenforscher

Die Rettung des verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser in den Berchtesgadener Alpen nähert sich dem Ende. Nur noch wenig mehr als 300 Höhenmeter trennen den Bergungstrupp mit dem 52-Jährigen in der Riesending-Schachthöhle vom Tageslicht.

"Die Rettung des Verletzten läuft derzeit weiter nach Plan", teilte die Bergwacht mit. Demnach befand sich Westhauser in Betreuung zweier Ärzte in einem Lager unterhalb des letzten Biwaks.

Am (morgigen) Donnerstag oder Freitag wollen die Helfer mit ihm den Höhlenausgang erreichen - fast zwei Wochen nach dem Unglück am Pfingstsonntag. Am Höhlenausgang am Untersberg in 1800 Metern Höhe bereiteten sich die Retter auf seine Ankunft vor. Ärzte und Helikopter standen bereit.

Bei der Ruhepause in etwa 400 Metern Tiefe betreuten eine italienische Ärztin, ein österreichischer Arzt und ein Rettungssanitäter den Verletzten. Sie nahmen alle medizinischen Checks vor, um den Verletzten auf die letzte Etappe vorzubereiten.

Nur mit Muskelkraft

Die Retter müssen Westhauser nun frei schwebend über 180 Meter nach oben ziehen - nur mit Muskelkraft. Der Einsatz einer Motorseilwinde wäre zu gefährlich. Jede Erschütterung kann für den Patienten gefährlich sein.

Retter hängen sich als Gegengewichte ins Seil und ziehen die rund 100 Kilogramm schwere Trage nach oben - Pendelzug nennt sich die Methode. Und dann steht dem Rettungstrupp mit der sperrigen Trage noch ein enger, verwinkelter Schacht bevor.

In der Nacht war erneut die Mannschaft ausgewechselt worden - das internationale Helferteam arbeitet bis an den Rand der Erschöpfung. Etwa 20 kroatische Höhlenretter entlasteten das italienische Team. Insgesamt waren weiter 60 bis 70 Helfer in der Höhle - während der Verletzte rastete, bauten sie den Weg nach oben weiter aus. Auch eine Gruppe von Speleo-Secours Schweiz ist an der Rettung beteiligt.

Noch keine Euphorie

Ungeachtet der grossen Fortschritte bei der Bergungsaktion warnte die Bergwacht vor Euphorie: "Die Retter sind angehalten, extrem langsam vorzugehen, um in diesem Abschnitt der Strecke eine Eigengefährdung durch Steinschläge zu vermeiden."

Westhauser hatte am Pfingstsonntag durch einen Steinschlag in 1000 Metern Tiefe ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Seit vergangenem Freitag wird der Forscher, der die Riesending-Höhle seit Jahren erkundete, von einem internationalen Rettungsteam aus der Höhle transportiert.

Die Riesending-Schachthöhle ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Sie besteht aus teilweise über hunderte Meter steil abfallenden engen Felskaminen, unebenen Gängen und schlammigen Bachläufen. In der Höhle herrschen darüber hinaus eisige Temperaturen lediglich knapp über dem Gefrierpunkt. Selbst die erfahrenen Retter bringt diese Umgebung an die Belastungsgrenze.

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