Walter Roderers Witweist untergetaucht

Die Erbin blockiert Projekte, die der Schauspieler geplant hat

Walter Roderers langjähriger Berater und Freund Ernie Soller (69) ist verärgert: «Wegen Anina sind alle Projekte blockiert. Das hat Walter, der noch so viel erreichen wollte, nicht verdient.» Beim Streit gehts um die letzten grossen Arbeiten des legendären Volksschauspielers («Der doppelte Nötzli») – Roderers fertiges Filmdrehbuch «Der grosse Narr» und sein Enthüllungsbuch «Schrullen im Kopfe eines alten Mannes».

Es sei Walter Roderers grösster Wunsch gewesen, dass seine eigenhändig verfassten Werke eines Tages veröffentlicht würden, sagt sein ehemaliger Manager Soller. «Doch selbst jetzt, wo Verlage und Produktionsfirmen daran interessiert sind, sind mir die Hände gebunden. Alle Rechte liegen bei Erbin Anina, und auf meine E-Mails, Briefe und Anrufe reagiert sie einfach nicht. Das ist doch eine Sauerei.» Es sei sehr schade und unverständlich, dass Anina die Sensibilität dafür fehle.

Auch beim schweizerischen Cabaret- und Chanson-Museum in Thun, welches Roderer selber gerne besuchte, versucht man vergebens, an historisches Material des Volksschauspielers heranzukommen: «Ich habe mehrmals versucht, mit Anina Stancu in Kontakt zu treten. Leider bisher erfolglos», sagt Hansueli von Allmen, der 1970 mit dem Aufbau der Sammlung begann. «Als Roderer noch lebte, durfte ich zu ihm nach Hause, und da hat er mir schon viele Sachen gegeben. Es war ihm ein Anliegen, dass man nach seinem Tod seine Arbeiten im Museum betrachten kann, denn Roderer liebte sein Publikum.»

Nun interessiert sich Hansueli von Allmen vor allem um noch vorhandenes Material vom legendären Cabaret Fédéral und für Fotos, Texte und Plakate, als Walter Roderer als Solist unterwegs war. Von Allmen: «Es gibt noch viele tolle Erinnerungs-Stücke, und es wäre doch extrem schade, wenn diese einfach so in Kisten in einem Keller verstaut würden.»

Auf Roderers letztem öffentlichen definitiven Steuerausweis von 2008 versteuerte er in der Stadt Illnau-Effretikon ein Vermögen von 4 346 000 Franken. Und noch immer ein Einkommen von 159 600 Franken.

Was mit dem vielen Geld und dem historischen Material passiert, entscheidet die 60 Jahre jüngere Witwe
Anina Stancu, die für eine Stellungnahme nicht erreichbar war. Sie ist Alleinerbin.SACHA ERCOLANI

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