Die freischaffende Journalistin aus dem Kanton Solothurn, die behauptet von Karl Dall vergewaltigt worden zu sein, soll auch Udo Jürgens jahrelang terrorisiert haben, wie «20 Minuten» berichtet. Bis zu 50 Anrufe pro Stunde – auch nachts –  machten das Leben des Sängers zur Hölle.

Die Frau habe sogar mit Selbstmord gedroht und vor Konzerten Drohnachrichten per SMS verschickt. Karl Dall, der nach einer Strafanzeige der 43-Jährigen im November vier Tage im Zürcher Untersuchungsgefängnis sass, erwähnt in einer schriftlichen Erklärung denn auch, dass die Frau einen anderen Prominenten «terrormässig» gestalkt habe – ohne jedoch Jürgens' Namen zu nennen.

«Das angebliche Opfer steckt offenkundig in erheblichen persönlichen, psychischen wie finanziellen Schwierigkeiten», heisst es in Dalls Schreiben. Er sei zutiefst traurig und hoffe, dass dieser Albtraum bald vorüber sei.

Opfer erkundigen sich

Das Vorgehen der Frau ist simpel: Als freischaffende Journalistin stellt sie Kontakt zu ihren prominenten Opfern her. Dabei gibt sie vor, im Auftrag verschiedener Zeitungen zu schreiben, so auch der «az Solothurner Zeitung». «Vor etwa einem Jahr erhielten wir einen Anruf vom Management eines bekannten deutschen Schlagerstars», erinnert sich Chefredaktor Theodor Eckert. Man wollte Informationen über die freie Mitarbeiterin einholen.

Später erkundigte sich auch noch ein namhafter Schweizer Politiker über die dreiste Journalistin aus Solothurn. «Sie bietet uns seit Jahren regelmässig Texte an», so Eckert. In diesen Fällen handelte die Frau aber auf eigene Faust und ohne Auftrag irgendeiner Zeitung.

Spurensuche in Solothurn

Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Karl Dall wurden am Donnerstag von der deutschen Boulevardzeitung «Bild» publik gemacht. Der Fall wirft im Nachbarland Deutschland hohe Wellen.

Am Donnerstag tauchte gar ein «Bild»-Reporter auf der Redaktion in Solothurn auf, um mehr über die Dame in Erfahrung zu bringen. Er verriet dabei, dass in diesem Zusammenhang auch schon der Name des deutschen Schlagerstars Jürgen Drews genannt worden sei.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag Medienberichte über eine Strafuntersuchung im Fall Dall. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, wollte sie aber keine weitere Auskunft geben.